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Lokale Wirtschaft
Erfolg mit „Ossi-Maschinen“

Landrat Siegurd Heinze (Mitte), Wirtschaftsförderin Bärbel Weimann und der Lübbenauer Fachbereichsleiter Hartmut Klauschk (2.v.l.) ließen sich von Joachim Quiel (r.) und Sohn Torsten den Betrieb zeigen.
Landrat Siegurd Heinze (Mitte), Wirtschaftsförderin Bärbel Weimann und der Lübbenauer Fachbereichsleiter Hartmut Klauschk (2.v.l.) ließen sich von Joachim Quiel (r.) und Sohn Torsten den Betrieb zeigen. FOTO: Daniel Preikschat / LR
Lübbenau. In der kleinen Lübbenauer Firma Quiel baut man einfach und solide  – das kommt gut an.

OSL-Landrat Siegurd Heinze konnte gestern kaum glauben, was sich hinter der schmucken Backstein-Fassade am Ende der arg holperigen Max-Plessner-Straße verbirgt. Jedenfalls schien er noch immer ungläubig zu staunen nach dem etwa eineinhalbstündigen Besuch des Unternehmens Quiel.

Was war geschehen? Joachim Quiel und sein Sohn Torsten hatten Siegurd Heinze, Wirtschaftsförderin Bärbel Weimann und dem Lübbenauer Fachbereichsleiter Hartmut Klauschk Einblick in Firmengeschichte und Produktion des Sondermaschinenherstellers gewährt.

13 Kollegen arbeiten mittlerweile in dem ehemaligen Kraftwerksgebäude an Maschinen für die lebensmittelverarbeitende Industrie. Maschinen, die zum Beispiel exakt und zuverlässig dosieren und abfüllen können. Seien es Gewürze, Tabak, Sauerkraut oder Seelachsschnitzel. Andere Maschinen aus dem Hause Quiel können ausblasen, waschen, verpacken oder palletieren. Was der lebensmittelverabeitende Kunde eben so wünscht.

Seit der Wende, erzählte Joachim Quiel, habe seine Firma nunmehr annähernd 800 solcher Maschinen im In- und Ausland verkauft. Aber eben nicht nur verkauft, sondern zuvor auch selbst erdacht und gebaut – genau bedarfsgerecht nach Absprachen mit dem Auftraggeber und mit leicht verständlicher Funktionsweise.

Zum Erfolgsrezept, so der geschäftsführende Diplomingenieur, gehöre, dass der Kunde die angelieferte Maschine auch versteht und später selbst reparieren kann. Um einfache und solide Konstruktionen handle es sich, nahezu unkaputtbar aus Edelstahl gefertigt. Quiel spricht von „Ossi-Maschinen“. Die ersten dieser Art waren Gewürzdosierer für Dill und Zwiebeln für die regionalen Gurkeneinleger.

Mit diesem Produkt kurz nach Wende und GmbH-Gründung auch im Westen Deutschlands Erfolg zu haben, sei nicht einfach gewesen. Hier habe der Zufall geholfen, so der Firmen-Chef. Ein Hersteller aus Niederbayern sei auf die Lübbenauer aufmerksam geworden, bestellte – und war restlos überzeugt. Da es in dem niederbayerischen Ort noch andere Einleger gab, schlossen sich weitere Lieferungen dorthin an.

Bald schon baute Quiel auch für Auftraggeber in Frankreich, Litauen, Schweiz, Österreich und die Niederlande. Selbst in Brasilien und auf Kuba sind die „Ossi-Maschinen“ aus Lübbenau in Betrieb. Aktuell habe man Aufträge für die nächsten neun Monate abzuarbeiten.

Schwerer tut sich das Unternehmen, gute Facharbeiter oder auch nur annehmbare Azubi-Bewerber zu finden. „Seit fast einem Jahr suchen wir einen Elektriker“, sagt Quiels Sohn Torsten, im Betrieb Spezialist für Automatisierungstechnik und IT. Falls denn mal ein geeigneter Arbeitssuchender vorstellig wird, schrecke die Aussicht auf Arbeitseinsätze in der Ferne. Obwohl das so oft gar nicht vorkommt.

Landrat Heinze beeindruckte vor allem die Innovationsfähigkeit des kleinen Unternehmens in Lübbenau. Mehr als ein halbes Dutzend Patente wurden hier schon angemeldet. Die Betriebsgröße, sagte dazu Joachim Quiel, sei der Kreativität förderlich. Und kreativ müsse sein Unternehmen sein. „60 Prozent  unserer Maschinen sind Neuanfertigungen, 20 Prozent Weiterrentwicklungen“, verriet Quiel. Standardmaschinen machten nur 2o Prozent der Lieferungen aus.