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| 17:05 Uhr

"Wir waren mal wieder sprachlos"

Reise durch Indien: Steffen Riemer am Sri Ranganthan Swami Tempel in Sriragam.
Reise durch Indien: Steffen Riemer am Sri Ranganthan Swami Tempel in Sriragam. FOTO: Brüggemann-Riemer
Wir erreichten Kumbakonam, einen Ort mit vielen Tempeln. 1000 Kilometer lagen hinter uns und die Eindrücke und Begegnungen sind überwältigend.

Wir kamen an einem Abend in einen größeren Ort an, um eine Übernachtung zu suchen. Abends liefen wir durch die Gassen. Überall wurde Gemüse angeboten. Einige Verkäufer wollten fotografiert werden. Dazwischen saß ein junger Mann. Der gehörte da definitiv nicht hin. Wir kamen ins Gespräch. Er hat Schul- und Berufsausbildung, findet hier keine Arbeit. Die ganze Familie sitzt täglich auf dem Markt und verkauft Gemüse. Wir wurden von der Mutter zum Kaffee bei ihnen zu Hause eingeladen. Saranraj zeigte Steffen seine Abschlüsse. Er war an allem interessiert und hatte noch Feuer in den Augen, aber er wusste auch, wenn nicht bald ein Wunder geschieht, sitzt er noch in 20 Jahren da. Wir tauschten unsere Kontaktdaten und bedankten uns für die Einladung.

Am nächsten Morgen führte unser Weg erst durch kleine Dörfer, aber um den Sri Rangantha Swami Tempel in Sriragam zu sehen, mussten wir stark benutzte Straßen fahren. Viele Hindus pilgern hier her. Man läuft durch mehrere riesige, turmartige Gebäude mit Tausenden von bunten Figuren besetzt. Die Weiterfahrt war dann die Krönung: Wir mussten auf dem Standstreifen der Autobahn fahren, auf meiner Karte war es noch kein Highway. 60 Kilometer lagen noch vor uns. Die Sonne ging schon unter, als wir 20 Kilometer vor Tanjore einen Kleintransporter anhielten und er uns und die Räder in den Ort fuhr. Wir besichtigten wieder einen Tempel. Dabei lernten wir viele Inder kennen, die einen Ausflug machten. In einem Dorf bei unserer Weiterfahrt wurden wir in eine kleine Lehmhütte mit Palmenblätterdach zum Kaffee eingeladen. Es sprach sich rum und immer mehr kamen neugierig in die Hütte. Dann hörten wir Musik von draußen und eine Band spielte. Wir konnten uns gar nicht erklären, wie sie so schnell alles aufgebaut hatten. Einer spielte Klarinette und der Rest der Musiker spielten verschiedene Trommeln. Wir waren mal wieder sprachlos. Uns wurde die Älteste des Dorfes vorgestellt und die Kinder waren aus dem Häuschen. Die Kinder liefen uns beim Abschied noch bis zur Hauptstraße nach und winkten. Gar nicht lange später, wir hielten, um Wasser zu trinken, winkte uns eine Familie hinter einem Zaun aufgeregt zu. Wir waren eingeladen bei einem Lehrer im Ruhestand und seinen Kindern und Enkelkindern. Die ganze Familie ist katholischen Glaubens und im Wohnzimmer hängen überall Jesus- und Maria-Bildnisse. Immer sonntags trifft sich die Familie im Elternhaus. Wir unterhielten uns lange.

Nächste Etappe: Die Distanz zum nächsten Ort beträgt nur 40 km , so konnten wir uns Zeit lassen. Abends in der Lodge ließen wir den Tag Revue passieren.