In Psaars eigentlich großer Wohnküche ist kaum Platz für die zehn Frauen, die um den ebenfalls sehr großen Tisch sitzen. Auf diesem liegt ein Berg mit flauschigen weißen Federn. Federnschleißen ist angesagt. Die Stradower Paul (86) und Erika Psaar (82), nebenbei zu den Dorfältesten gehörend, haben dazu eingeladen. Gekommen waren Nachbarinnen und Freundinnen aus Suschow und Klein Klessow. „Aus anderen Dörfern holen wir uns schon deshalb gern Hilfe, weil wir dann auch mal Dinge erfahren, die nicht in der Zeitung stehen, aber trotzdem hochinteressant sind“, erzählt schmunzelnd die Gastgerberin.

Es dauert auch nicht lange, die Gespräche kommen in Gang, das Wichtigste ist bald ausgetauscht. Es folgen neue Back- und neue Kochrezepte, Gesundheitstipps und die Klärung der Frage, welches die besten Hörgeräte sind.

Männer sind bei Stradower Federschleißen selten zu sehen

Feder für Feder der zehn Enten, die in der Vorweihnachtszeit ihr Leben für ein schmackhaftes Essen geben, werden in die Hand genommen und zerteilt. Das Fedrige wird vom Kiel getrennt und kommt in eine Schüssel, die unbrauchbaren Kiele unter den Tisch. „Aber nicht alle“, warf Gisela Kochan ein, „die besten sortieren wir aus, die brauchen wir später zum Ostereierbemalen!“

Seit Jahrhunderten ist es Brauch, sich an den langen Winterabenden reihum zu treffen und für warme Betten zu sorgen. Dabei spielt die Bewirtung eine wichtige Rolle: Pfannkuchen werden gebacken, und der Eierlikör wird natürlich selbst gemacht. Heute greift die Hausfrau auch mal ins Supermarktregal, um Vorbereitungszeit zu sparen.

Männer sieht man in den Schleißerunden eher selten, wenn, dann nur zur Vesperpause. Für kräftige Bauernhände sind die kleinen Federn nichts. „Wir sorgen dafür für etwas Unterhaltung“, erzählte schelmisch lächelnd Paul Psaar. „Ich habe mal eine Spielzeugmaus unter den Federn versteckt, die großes Entsetzen auslöste, als eine Frau unter dem Federberg nach ihr griff.“

Zehn Kilogramm Federn kommen beim Schleißen in Stradow zusammen

Niesen und andere Luftbewegungen sind beim Ferdernschleißen von Nachteil. Das liegt auf der Hand. Bei einem früheren Hausherrenstreich sorgte eine Taube in der Küche für Stimmung unter den Frauen.

Die zehn Enten bringen es letztlich auf ein bis zwei Kilogramm Federn, die für ein Kopfkissen reichen. „Es gibt schon eine Bestellung aus meiner Familie, ein Enkel hat großes Interesse angemeldet“, erzählt Erika Psaar. Demnächst geht es für sie weiter zum Schleißen, zu den Nachbarn und in die Nachbardörfer. Ums Bezahlen der stundenlangen Arbeit ging es dabei noch nie, eher schon um gutes Essen, gutes Trinken und gute Gespräche.

Zu Erzählen gibt es immer wieder genug, die Neuigkeiten gehen nicht aus. Spätabends, wenn der Federberg vom Tisch ist, die Pfannkuchen und der Eierlikör alle sind, kommen die Hände dran. Von der stundenlangen monotonen Zupfarbeit schmerzen sie und brauchen Pflege.