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Willkommensfest mit bösem Ausgang

Kurz vor dem Bezug zeigte Karl-Heinz Ricken (l.) Landrat Siegurd Heinze und Politikern im Januar die Garagen.
Kurz vor dem Bezug zeigte Karl-Heinz Ricken (l.) Landrat Siegurd Heinze und Politikern im Januar die Garagen. FOTO: Jan Augustin
Vetschau. Nach der Schlägerei zwischen Flüchtlingen in Vetschau in der Nacht zum Ostermontag kann die Polizei nun in etwa rekonstruieren, wie es dazu kommen konnte. Der Landkreis hat erste Konsequenzen aus dem Vorfall gezogen. Daniel Preikschat

So haben sich das Spreewaldbauer Karl-Heinz Ricken, OSL-Landrat Siegurd Heinze und Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos) ganz sicher nicht vorgestellt. Anfang Januar äußerten sich die drei noch zuversichtlich, dass in den Saisonarbeiter-Garagen am Rande von Vetschau 200 Flüchtlinge friedlich nebeneinander wohnen können. Das ging zunächst auch einige Wochen gut. Doch am frühen Morgen des Ostermontag kam es dann zum Gewaltausbruch.

Nach ersten Ermittlungen ergibt sich für die Polizei ein klares Bild: Eine Gruppe iranischer Flüchtlinge sei in Vetschau offenbar zu einem Willkommensfest eingeladen worden. Stark alkoholisiert, so Polizeisprecherin Ines Filohn weiter, kehrte die Gruppe am späten Abend zurück zur Gemeinschaftsunterkunft, um draußen weiter zu feiern. Dabei machten sie so viel Lärm, dass in benachbarten Garagen syrische Bewohner nicht schlafen konnten. Sie beschwerten sich beim Wachschutz, der die Feiernden zur Ordnung rief, so die Beamtin weiter. Als es wenig später wieder laut wurde, wollten die Syrer selbst für Ruhe sorgen. Dabei seien sie von den iranischen Flüchtlingen so massiv beleidigt worden, dass sie sich provoziert fühlten und handgreiflich wurden. Das Ergebnis der Prügelei mit Fäusten und Holzlatten: vier verletzte iranische Flüchtlinge, ein verletzter Syrer, ein verletzter Sicherheitsmitarbeiter.

Von Amts wegen, so Ines Filohn, sei gegen drei Syrer im Alter von 20 bis 29 Jahren Anzeige wegen Körperverletzung erstattet worden. Die drei jungen Männer seien, in Abstimmung mit dem Landkreis, in andere Heime verlegt worden, um die Situation in Vetschau zu entspannen.

Landkreis-Sprecherin Sarah Werner bedauert den Vorfall und betont: "Eine so schwere Auseinandersetzung zwischen Flüchtlingen hatten wir bisher nicht." Dies soll die Ausnahme bleiben. Dazu würden Gespräche mit dem DRK, Kreisverband Calau, der für die soziale Betreuung zuständig ist, und mit Karl-Heinz Ricken geführt. Ricken war gestern für die RUNDSCHAU nicht erreichbar. DRK-Präsidentin Roswitha Schier bedauerte den Vorfall ebenfalls und versicherte, dass es bei der sozialen Betreuung bislang keine Probleme gegeben habe. Dennoch werde man ab April eine dritte Fachkraft einsetzen.

Zum Thema:
Der Landkreis OSL verfolgte nach eigenen Angaben auch in Vetschau das Ziel, Flüchtlinge gerade in den Wintermonaten weiterhin nicht in Containern, Zelten oder Turnhallen unterbringen zu müssen. In keiner anderen Unterkunft im Landkreis sind bisher zentral mehr Flüchtlinge als in Vetschau untergebracht. Allerdings sollen in einem Baumarkt in Brieske ab Ende April bis zu 300 Flüchtlinge einziehen können.