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| 16:12 Uhr

Jagd
Wilddiebe im Lübbenauer Revier

Lübbenau. Jagdpächter zeigen drei Übergriffe an und verurteilen Tierquälerei.

Jagdpächter Karl-Heinz Starick aus Lehde ist noch Wochen später entsetzt über die Funde beim Zerlegen der Tiere: „In einem Hirsch  fanden wir ein schon eingewachsenes Kleinkalibergeschoss, eine Wildente trug ein Diabolo im Körper.“ Es gehöre nicht viel Fantasie dazu sich vorstellen, wie sich die Tiere quälen mussten, so Starick.

Zur Strecke gebracht haben die Jäger die beiden Tiere Ende Oktober und Anfang November bei einer Hubertus- beziehungsweise bei einer Wildentenjagd. Bereits im vergangenen Jahr haben die Waidmänner im Revier Lübbenau im Wald ein Rotwildfell gefunden. Es wurde einfach dort liegen gelassen, das Fleisch wahrscheinlich verspeist, vermutet Starick.

 Jedes Mal, sagt der 75-Jährige aus Lehde, haben die Jäger Anzeige erstattet wegen Jagdwilderei. Allerdings habe die Polizei bereits mitgeteilt, dass sich die Strafverfolgung schwierig gestalte. Nach der Anzeige im vergangenen Jahr habe man das Verfahren schon wieder einstellen müssen.

Von einer geringen Aufklärungsquote spricht Polizeisprecherin Ines Filohn in Cottbus. Solche extrem schwer wiegendes Vergehen, wie sie die Lübbenauer zur Anzeige gebracht haben, kommen bei ihren Kollegen aber auch nur sehr selten an. Was häufiger passiere, aber immer noch „eher selten“: Wildtiere werden auf der Straße angefahren, dabei getötet – und vom Fahrer nach Hause mitgenommen. Oder irgendwo angle jemand wild. Passiert sei es auch schon, dass Reusen geleert wurden.

 Wie Karl-Heinz Starick vermutet auch die Polizeisprecherin, dass es eine Dunkelziffer gibt. Bekannt gewordene Fälle von Wilddieberei sind vor allem Schüsse auf Wölfe. 2014 wurde nahe Lieberose eines dieser geschützten Tiere gar enthauptet aufgefunden. So wie auch 2015 ein Reh zwischen Krieschow und Eichow bei Cottbus. Jagdpächter Starick hofft auf die abschreckende Wirkung drohender Strafen. Jagdwilderer müssen mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren rechnen. In besonders schweren Fällen können Richter sogar bis zu fünf Jahre Haft verhängen, etwa wenn in der Schonzeit oder gewerbsmäßig gewildert wurde.

Wilderer, die ohne Jagdschein und mit kleinkalibrigen Waffen im Wald rumballern, sagt Starick, seien sich wahrscheinlich gar nicht bewusst, was sie anrichten können. Er spreche da nicht nur von der Tierquälerei. Werden Muttertiere tödlich getroffen, hat der Nachwuchs wenig Überlebenschancen. Wird ein Leittier getroffen, ist das ganze Herde betroffen.

Von den Geschossfunden abgesehen seien die Herbstjagden in den Revieren in Lübbenau und Lehde in diesem Jahr erfreulich verlaufen, so Karl-Heinz Starick. Insgesamt 30 Stück Rotwild, darunter neun mit Geweih, konnten zur Strecke gebracht werden, 13 Wildschweine, sechs Rehe und drei Waschbären.