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| 02:32 Uhr

Wieder Licht in leeren Geschäften

Zumindest für zehn Tage kehren in dem ehemaligen Schuhladen wieder Kunden ein – dank Marion Wagner-Dee.
Zumindest für zehn Tage kehren in dem ehemaligen Schuhladen wieder Kunden ein – dank Marion Wagner-Dee. FOTO: Daniel Preikschat
Vetschau. Am Markt in Vetschau bleibt Laden-Leerstand ein Problem. Seit zehn Jahren richtet sich dort eine Lampenschirm-Restauratorin zumindest kurzzeitig in leer stehenden Geschäften ein. Die Stadt würde gern noch mehr solcher Kurzzeit-Mieter vermitteln. Daniel Preikschat

Mittlerweile kennt die verwaisten Verkaufsräume am Markt in Vetschau wohl kaum jemand besser als Marion Wagner-Dee. "Ich war schon in dem roten Backsteinbau, in einem Ecklokal, beim Rewe und in der Kirchstraße unter der Zahnarztpraxis", erzählt die 53-jährige frei schaffende Künstlerin aus Lauenförde in Niedersachsen. Gestern nun hat sie das Schuhgeschäft in der Cottbuser Straße 3 bezogen. "Auch schön", sagt die Lampenschirm-Restauratorin. Schaufenster, beheizt, ausreichend Platz. Den braucht sie, um im Eingangsbereich den Verkaufsraum und hinten ihre Werkstatt einzurichten.

Das Angebot kommt an. Allein im Verlauf des Vormittags nahm Marion Wagner-Dee fünf Aufträge an. Sie zeigt die beschädigten Lampenschirme, die abgegeben wurden und mehr oder weniger verschlissen oder beschädigt sind. Auf die Frage, ob sie sich nicht, wo doch das Geschäft so gut läuft, hier fest niederlassen könnte aber, schüttelt sie nur den Kopf. Was sie anbiete, werde eine Zeit lang gut nachgefragt. Doch schnell sei der Markt gesättigt und dann komme kein Geld mehr rein. Ein, höchstens zwei Mal im Jahr für ein paar Tage in einer Kleinstadt wie Vetschau - das sei genau richtig.

Wie Sina Steinführer von der Stadt Vetschau bestätigt, komme Marion Wagner-Dee seit nun schon zehn Jahren mit mobiler Werkstatt und einer Auswahl selbst kreierter Lampenschirme nach Vetschau. Gern stelle man den Kontakt zu dem jeweiligen Hauseigentümer her und bewerbe das Angebot auch.

Typisches Kleinstadt-Problem

Leider habe sich die Leerstand-Situation am Markt in den vergangenen Jahren nicht gebessert. Aktuell seien von zwölf Ladenlokalen nur sechs vermietet, drei nutzt der Hauseigentümer selbst, eins werde privat genutzt und zwei stehen leer. Die stetig sinkende Einwohnerzahl ist für die Wirtschaftsförderin Hauptgrund für das Problem. Da gehe es Vetschau nicht besser als vielen anderen Kleinstädten, besonders in Ostdeutschland. Hinzu komme, dass die Ladenlokale eher eng geschnitten sind. Die Häuser am Markt seien schmal, das mache aber auch das besondere Flair aus. Eine Möglichkeit wäre, Durchbrüche im Erdgeschoss zu schaffen. Mehr als vorschlagen könne die Stadt das jedoch nicht. "Das sind nicht unsere Flächen."

Mit Stammtischen, kürzlich gab es einen in Vetschau zum Thema Ernährungswirtschaft, versuche die Stadt, die Vetschauer zusammenzubringen. Auf diese Weise, so die Hoffnung, könnten gemeinsame Aktionen oder Veranstaltungen in leer stehenden Geschäften initiiert werden. Weitere Kurzzeit-Mieter wie Marion Wagner-Dee, die dort für einen begrenzten Zeitraum Dienstleistung anbieten, könnten ebenfalls Teil einer Lösung für das Ladenleerstand-Problem sein.

Die Lampenschirm-Restauratorin sieht hier durchaus Perspektiven für Vetschau: "Jemand, der zum Beispiel Puppen, Glas oder Porzellan reparieren kann, wäre hier sicher auch gefragt." Solche besonderen Dienstleistungen gebe es kaum noch.

Konkurrenz im Internet

Leider, sagt Marion Wagner-Dee, sei nicht nur der Einwohnerzahlschwund Grund für den Ladenleerstand. Hier müsse man auch das Einkaufsverhalten ansprechen: "Viele gehen nur noch in die großen Einkaufsmärkte und beschweren sich dann, dass die Innenstädte tot sind." Ein weiterer Grund, dem stimmt auch Wirtschaftsförderin Sina Steinführer zu, ist das Internet-Angebot. Es sei verführerisch, sich mit paar Klicks die Waren nach Hause zu bestellen. Einkaufen in einem richtigen Geschäft aber sei eben doch noch etwas anderes.

Kommentar: Wenn alle dabei profitieren

Zum Thema:
Marion Wagner-Dee ist mit ihrer Lampenschirm-Werkstatt noch bis zum 27. Februar in Vetschau in der Cottbuser Straße 3 anzutreffen. Geöffnet ist täglich von 9 bis 18 Uhr, am Samstag bis 12 Uhr. Nächste Stationen der anerkannt freischaffenden Künstlerin sind vom 5. bis 6. März Hoyerswerda und vom 9. bis 15. März Kamenz. Zuvor hatte die Lampenschirm-Restauratorin ihre Dienste auch in Weißwasser und Cottbus angeboten.