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| 02:32 Uhr

Wie Spreewälder ihre Kulturlandschaft pflegen

Michael Petschick von der Biosphärenreservatsverwaltung dokumentiert, wie sich die Feuchtwiese über längere Zeit entwickelt.
Michael Petschick von der Biosphärenreservatsverwaltung dokumentiert, wie sich die Feuchtwiese über längere Zeit entwickelt. FOTO: Hannelore Kuschy
Lübbenau. Spreewiesen waren schon immer Mähwiesen. Durch den Rückgang der Weideviehbestände gewinnt die Landschaftspflege im Biosphärenreservat mehr und mehr an Bedeutung. Wie das trotz widriger Umstände funktionieren kann, zeigen beispielsweise der junge Lehdsche Landwirt im Nebenerwerb Sebastian Kilka und die Göritzer Agrar GmbH. Hannelore Kuschy

Die Liebe zum Spreewald, seiner Heimat, steckt tief im Herzen von Sebastian Kilka. Sein Vater und der Großvater haben vorgelebt, dass es mehr braucht als nur das Gefühl, um diese einzigartige Landschaft zu erhalten. Bevor er begonnen hat, seine 17 Hektar Wiesen in Lehde und drumherum zu bewirtschaften, fuhr er mit ihnen raus, um Heu zu machen. Heute sorgt er selbst dafür, Futter für seine zehn Rinder - er hält auch Schweine und Hühner - heranzuschaffen. Dafür nutze er zwei Drittel der Wiesen. "Das andere Drittel sind reine Landschaftspflege. Ich bin über jede Wiese froh, die erhalten wird", sagt er und bekommt nach eigenen Angaben auch Unterstützung von der Bürgerstiftung Kulturlandschaft. Dennoch ist das nicht so einfach. "Ich brauche das Dreifache an Zeit jedes anderen Landwirts. Ein halber Tag vergeht manchmal, bis ich mit der Technik auf der Wiese bin", erzählt der 36-Jährige. Mit seiner Frau und vier Kindern lebt er in Lehde, das Grundstück ist nur per Kahn erreichbar. "Und auch ich will meinen Kindern die Heimatliebe weitergeben, fahre mit dem Kahn mit ihnen raus, über alte Arme und dabei sollen sie gleich die alten Gewässernamen mitkriegen", sagt er.

Was im Kleinen funktionieren kann, ist für Michael Petschick von der Biosphärenreservatsverwaltung in Lübbenau als Solidargemeinschaft im ganzen Spreewald denkbar. Denn nur, wenn das gesamte Reservat an einem Strang ziehe, habe diese Kulturlandschaft eine Chance. "Mehr als 2000 Hektar im Spreewald sind Kleinstflächen, zum Beispiel bei Zauche, Steinkirchen, Hartmannsdorf, in Lehde und Leipe oder auch Neu Lübbenau. Um Landwirte zu unterstützen, hat das Land das Sonderprojekt Spreewaldwiesen aufgelegt. Damit können die Kosten für den technischen Aufwand, der für die Bewirtschaftung besonders hoch ist, etwas aufgefangen werden", sagt er. Zwischen Cottbus und dem Neuendorfer See gäbe es mehr als 200 Antragsteller.

Die Spreewiesen sind ein praktisches Beispiel dafür, was in einer Region getan werden muss, damit gute Ideen in der Praxis von Nutzen werden. Noch wenige Jahre läuft das bundesweite Ginkoo-Projekt, das genau diesem Gedanken folgt. Der Spreewald gehört zu den 17 Projekten, die es in die engere Wahl geschafft haben und unter dem Ginkoo-Dach gefördert werden. In der Lübbenauer Reservatsverwaltung wird, befristet auf fünf Jahre, die Stelle von Dr. Nico Heitepriem finanziert. Er koordiniert alle Arbeiten in diesem Programm.

Die Dolzke-Wiese zwischen Spreeschlösschen und Lehde könnte einmal davon profitieren. Hier versammelt sich der ganze Speewald mit seiner Fauna und Flora. "Die späte Nutzung, also Mahd, hat Tieren- und Pflanzenarten eine Heimat gegeben", erklärt Michael Petschick. Würde sich niemand um die Erhaltung dieser Wiese kümmern, würde sie wie schon an anderen Stellen verbuschen. "Die Besucher aber wollen die Kulturlandschaft erleben. Also ist auch diese Feuchtwiese ein Kandidat für Landschaftspflege", erläutert er. Ein- bis zweimal innerhalb von vier Jahren werde auf solchen Flächen gemäht. Geerntet werde dann hölzernes Gras, das noch ein- bis zweimal einregne.

Zunutze macht sich das die Göritzer Agrar GmbH. Das für Futter- und andere Zwecke unbrauchbare Heu von Spreewälder Feuchtwiesen wird zu Energie und schließlich zu Geld gemacht. "In speziellen Rundballen geht das Gemähte zur Feuerungsanlage", erklärt Geschäftsführer Thomas Goebel. Diese Anlage entstehe auf dem Gelände in Göritz und erreiche eine Leistung von 200 Kilowatt. Gebraucht würden voraussichtlich 600 Rollen im Jahr zu je 180 Kilogramm. Sie würden bei 350 bis 500 Grad vergast. Einen Hersteller für diesen Spezialkessel hat der Göritzer in Waren an der Müritz gefunden. Im August rechnet Thomas Goebel mit der Fertigstellung. Der Platz dafür sei freigeräumt.

Die durch Vergasung entstehende Wärme reiche aus, um Hofladen, Büroräume, Bauernküche, Werkstätten und Lagerhallen zu beheizen. Gemäht werde das Heu auf Flächen, die insgesamt 60 bis 70 Hektar, also mehr als 100 Fußballfelder, ausmachen, beispielsweise nahe der Dubkowmühle oder hinter der Radduscher Buschmühle.

"Mit dem Pflegeprogramm für unsere Spreewaldwiesen stehen wir noch im Experiment", gibt Michael Petschick zu bedenken. Die Erfahrungen würden zeigen, wie die Wiesen reagieren, was zu verändern sei, um Pflege der Kulturlandschaft nachhaltig betreiben zu können? Welche Innovationen könnten unter dem Ginkoo-Dach noch hervorgebracht werden? Wäre die Entwicklung eines Regionalfonds denkbar?