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"Wichtig ist, dass wir unabhängig bleiben"

Werner Suchner in seinem Büro im Calauer Rathaus. Im Gespräch mit der RUNDSCHAU verrät er, dass er aus heutiger Sicht bei der nächsten Bürgermeisterwahl 2018 wieder antreten wird.
Werner Suchner in seinem Büro im Calauer Rathaus. Im Gespräch mit der RUNDSCHAU verrät er, dass er aus heutiger Sicht bei der nächsten Bürgermeisterwahl 2018 wieder antreten wird. FOTO: Jan Augustin
Calau. Der Begriff Bergfest gefällt Werner Suchner nicht so recht. Weder gehe es in der zweiten Hälfte seiner Amtszeit schneller, also einfacher voran, noch soll es im übertragenen Sinne bergab gehen. Halbzeit, das klingt schon besser, sagt Calaus Bürgermeister. Was für den 55-Jährigen der spannendste Moment in den ersten vier Jahren war und mit welchen Problemen er in Zukunft zurechtkommen muss, verrät er im Gespräch mit der RUNDSCHAU.

Herr Suchner, die erste Hälfte Ihrer Amtszeit ist vorüber, sind Sie erleichtert oder traurig, dass Sie nun Bergfest feiern können?
Gute Frage, ich bin zufrieden, wie die erste Hälfte gelaufen ist. Ich frage mich allerdings, wo die ersten vier Jahre geblieben sind. Die Zeit ist enorm schnell vergangen. Der Begriff Bergfest gefällt mir aber nicht - es wird ja nicht leichter und es soll ja auch nicht bergab gehen. Ich schaue optimistisch in die zweite Hälfte.

Obwohl die Probleme aus einer abnehmenden und alternden Bevölkerung zunehmen?
Das betrifft ja nicht nur Calau. Klar, es gibt Städte wie Potsdam, wo es boomt. Aber die ländlichen Gebiete haben alle die gleichen Probleme. Mit diesen Bedingungen umzugehen, ist ja genau unser Job.

Was macht Sie so optimistisch?
Ich habe ein sehr gutes Team um mich herum. Außerdem haben wir es geschafft, gute Kontakte zu knüpfen - zu Vereinen, Unternehmen, Ehrenamtlichen. Das demografische Problem kann man nur gemeinsam lösen. Klar sehe ich das mit einem weinenden Auge, dass wir den Bevölkerungsschwund nicht aufhalten konnten. Wenn alles herum wachsen würde, nur Calau nicht, das wäre schlimm. Das ist aber ein deutschlandweites Problem.

Das Thema wird Sie auch in den nächsten vier Jahren beschäftigen, oder?
Klar, da werden auch Sachen auf uns zukommen, an die wir jetzt noch nicht denken. Zu den Aufgaben wird auch gehören, weiter einen ausgeglichenen Haushalt hinzubekommen. Da suchen wir nach weiteren Einnahmen, wie zum Beispiel mit dem Windpark Calau-Süd. Es ist eine wichtige Sache, dass wir unabhängig bleiben.

Ein dritter Punkt, den ich mir für die zweite Hälfte vorgenommen habe, ist, öfter in die Ortsteile zu schauen. Nicht zuletzt ist es unsere Aufgabe, Kindern, Jugendlichen und jungen Familien Entwicklungswege aufzuzeigen. Jeder von ihnen wird für eine gute Gestaltung der Zukunft gebraucht.

Auf welche Dinge, die Sie in Ihrer bisherigen Amtszeit umgesetzt haben, können Sie stolz sein?
Was gut angenommen wird, ist der Witzerundweg. Das ist auch positiv für die Stadt. Und wir haben sehr kooperativ mit dem Landkreis zusammengearbeitet, sodass das Finanzamt hier bleiben konnte.

Schämen Sie sich für irgendwelche Projekte, die Sie angestoßen haben?
Nein, das kann ich nicht sagen.

Bevor man einen Job antritt, hat man gewisse Vorstellungen von der bevorstehenden Arbeit. Haben sich Ihre bestätigt?

Ich habe vorher ja 20 Jahre lang Kommunalpolitik gemacht (Mitglied der Stadtverordnetenversammlung seit 1990 und des Kreistags seit 2003; Anm. d. R.) - deshalb hatte ich schon ein paar Einblicke. Das Team hier hat mir die Sache erleichtert und mitgespielt. Sonst kann man den Bürgermeister auch auflaufen lassen und ihm das Leben schwer machen. Der Beruf ist aber schon manchmal anstrengend, oft hat man eine 60-Stunden-Woche.

Das bedeutet, auch an Wochenenden bereit zu sein. Nervt Sie das manchmal?
Nein, das mache ich schon gern. Das sind ja repräsentative Dinge. Da bin ich bei den Bürgern, Vereinen und bei Festen. Man spürt, dass das die Bürger auch wollen. Was nervt, ist, wenn mich beim Stadtfest jemand nach zehn Bier anspricht und fragt: "Das wollte ich schon immer mal wissen".

Was waren bisher die spannendsten Momente?
Der negativste Moment, wo ich geschockt war, war der Brand des Funkturms. Keiner wusste damals, ob das Ding jetzt umfällt. Das war ein Tag, wo ich nervlich sehr angespannt war. Eine andere schwierige Situation war das Unwetter im Herbst 2010, als mich die Feuerwehr um 23 Uhr abgeholt hat und wir eine Rundfahrt gemacht haben. Wir hatten das Gefühl, dass ganze Ortschaften absaufen würden. Das war meine erste große Feuertaufe.

Am 25. Mai stehen Kommunalwahlen an. Was wünschen Sie sich vom neuen Stadtparlament?
Eine sachliche und konstruktive Arbeit. Ich wünsche mir aber auch, dass es nicht unter die Gürtellinie geht, dass ein vernünftiger Umgangston herrscht. Das stecke ich auch nicht so leicht weg, wenn Leute beleidigend werden.

Wie würden Sie die Arbeit mit den jetzigen Stadtverordneten beschreiben?
Auch sachlich und konstruktiv, auch wenn es manchmal Momente gibt, wo man unzufrieden ist. Dass jeder mal eine andere Meinung hat, ist doch klar.

Wollen Sie sich 2018 wieder zur Wahl stellen?
Aus heutiger Sicht ja.

Mit Werner Suchner sprach

Jan Augustin