Von Peter Becker

„Man müsste mal überlegen, wie man ein Sportfest der etwas anderen Art hinbekommt, wie man Besucher und Aktive anlockt und gleichzeitig bei jeder Wetterlage Wettkämpfe durchführen kann!“ Diese Gedanken wurden vor einiger Zeit im Radduscher Sportverein geäußert, mit dabei auch die neu in der Kaiserlichen Postagentur Raddusch ansässige Spreeakademie. Dann sprudelten die Ideen nur so, die Matthias Hantscher, Daniel und Florian Saaro sowie Sebastian Zoepp und Lukas Schuck einbrachten. Am Schluss stand das Programm: Heuballen rollen, Spreu vom Weizen trennen, Gurken einlegen, Froschkarren, Senfsamen schätzen und Bauernknobeln.

Gurken einlegen geht nur in aller Stille, also ohne Worte, sonst droht Punktabzug. Die Teilnehmer kommunizieren durch Gesten und sind mit Seilen sternförmig miteinander verbunden, in der Mitte pendelt die Gurke, die durch ein kleines Loch in einen Eimer befördert werden muss. Froschkarren ist eher eine laute Angelegenheit, denn der Karrenschieber hat eine Augenmaske und ist „blind“, seine Kursangaben für den Parcours bekommt er von seinem Partner, der in der Schubkarre sitzt. Der lotst ihn so zu den Fröschen und sammelt sie ein.

Trotz der warmen Witterung kamen nach etwas schleppendem Beginn doch noch recht viele Besucher zum Radduscher Sportplatz. Vier Teams hatten sich gebildet und zugkräftige Namen gegeben: „Knallerfrösche“, die „Großen Schlümpfe“, die „Roten Gurken“ und die „Bauernschlauen“.

Letzteres Team entstand spontan erst am Wettkampftag. Mitglied Benjamin Raschke: „Eigentlich waren wir auf Wahlkampftour, aber heute haben wir Flyer und Poster erst mal beiseitegelegt und mit Stefan Schön und anderen das Team mit Mitgliedern aus Vetschau, Lübben, Berlin und Hamburg aufgestellt. Sprachs und machte sich mit den Seinen an den Heuballen, der um ein paar Ecken und über eine Wippe möglichst schnell wieder zurück zur Startlinie musste.

Danach war Ausruhen angesagt. Im Schatten eines Zeltdachs musste die Spreu vom Weizen getrennt werden. Konkret: Es mussten Maiskörner, Linsen und Erbsen möglichst schnell fehlerfrei ausgelesen werden – und das mit noch vom Wettkampf zitternden Händen.

„Kartoffelernte einmal anders“ hieß eine weitere Disziplin: Kartoffeln mussten in einer Art Parcour von einem Korb in den anderen geworfen werden und am Schluss in den Zieleimer. Sieger war, wer in der vorgegebenen Zeit die meisten im Eimer hatte. Ein Quiz rundete den Wettkampf ab. Christina Weise war hier die Schlaueste, beim Senfsamen schätzen war es Stefan Schröer. Jubel dann bei der Bekanntgabe der Sieger: Die Bauernschlauen räumten 59 Punkte ab, gefolgt von Die Knallerfrösche (58 Punkte), Die Roten Gurken (54 Punkte) und den Großen Schlümpfen (42 Punkte).

Den Veranstaltern war am Ende des Tages anzusehen, dass sie zufrieden und erleichtert waren. Kommen genug Besucher, finden sich auch genug Teams ein? Die Falten, die ihnen zuvor noch auf der Stirn standen, machten am Nachmittag einem stillen Lächeln Platz. Lukas Schuck: „Es funktioniert! Dank der Mitstreiter vom Sportverein und der Sportler! Dank auch unserer Unterstützer, wie der Göritzer Agrar GmbH oder der Firma Rabe aus Boblitz!“

Die Zuschauer sahen es genauso. Bianka Schink-Konzack kam aus München in die alte Heimat und freute sich: „Sportfest im Bauernstyle – Kompliment an die Macher und Mitmacher, die die Hitze ignorierten.“ Roland Richter aus Großräschen: „Ich habe beim Frühstück im Radio davon gehört und spontan entschlossen, zu kommen. Schön, wie Ländliches, Traditionelles und Sportliches hier verbunden wurden.“ Der Radduscher Mathias Klinkmüller: „Ein Lob den Organisatoren! Ein besseres Sportfest kann ich mir nicht vorstellen – im nächsten Jahr bin ich aktiv dabei!“

Nach Lage der Dinge gibt es ein nächstes Mal, denn Sebastian Zoepp ist vollauf zufrieden: „Mitten im Sommer ist Raddusch für einen Tag zum ‚Olympischen Dorf‘ geworden. Und auch wenn nur ein Team den 1. Platz gemacht hat, gewonnen haben alle, die dabei waren. Denn wie die Spreewälder Bauernolympiade zeigt, können alte Traditionen der Region durch neue Ideen auch heute noch ihren Platz im Alltag der Spreewälder finden.“