ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:26 Uhr

Werner Schultka hat den Feuerwehrturm mit aufgebaut

Werner Schultka macht zur Mittagszeit gern mal eine Pause und schaut, was es auf der Mattscheibe zu sehen gibt.
Werner Schultka macht zur Mittagszeit gern mal eine Pause und schaut, was es auf der Mattscheibe zu sehen gibt. FOTO: H. Kuschy
Er wurde in Koßwig geboren. Was in den 70 Jahren seines bisherigen Lebens in diesem Ort entstanden ist, trägt auch seine Handschrift: Der gelernte Maurer Werner Schultka hat das Sportlerheim und Mitte der 60er-Jahre den Feuerwehrturm mit aufgebaut. Er hat den Koßwiger Sportverein mitgegründet und fasst auch heute noch mit an, wenn Hilfe gebraucht wird. Und er begrüßt jedes Jahr so laut wie kein anderer im Ort – er läutet die 100 Jahre alte Feuerwehrturm-Glocke. Von Hannelore Kuschy

Zwei Minuten lang klingt sie zu Silvester, am Heiligabend, zu Beerdigungen und anderen Gelegenheiten. Früher läutete sie jeden Tag um 7.45 Uhr zum Schulbeginn , erzählt Werner Schult ka. Ob er trotzdem mal zu spät zur Schule gekommen ist, weiß der Koßwiger heute nicht mehr. Wohl aber seien ihm die Hiebe, die es oft vom Lehrer gab, noch gut in Erinnerung. Heute läutet er die Glocke am Feuerwehrturm. Sie hängt dort, weil das Schulhaus nach der Wende privat geworden und Koßwig ein Dorf ohne Kirche ist.
Der 70-Jährige erinnert sich gern an alte Zeiten, schon weil im Dorf immer was los war, wie er sagt. In meiner Jugendzeit war die Gaststätte immer voll, und viele waren dabei, wenn was zu tun war. Vor mehr als 40 Jahren hat Werner Schultka den Sportverein mitgegründet. Bis dahin hatten viele junge Koßwiger in Seese Fußball gespielt - bis das Dorf der Braunkohle weichen musste. Noch heute wird in Koßwig Fußball gespielt, wenn auch in der kleinsten Liga, der zweiten Kreisklasse. Werner Schultka versäumt kein einziges Spiel, fährt sogar zu Auswärtsbegegnungen mit. Auch beim Stollenreiten ist er zu finden, wenn er dort nach dem Rechten schaut. Auf dem Friedhof sorgt er regelmäßig für Ordnung.
Heute sind es immer die selben, der Zusammenhalt hat nachgelassen, jeder ist mehr für sich , bedauert er. Aber einige Frauen im Ort würden sich hin und wieder treffen.
Den Elan der 650-Jahr-Feier im Jahr 2000 in Koßwig vermisst auch Ortsbürgermeister Reinhard Roblick. Er hatte deshalb noch zum Jahresende die Feuerwehr, den Sportverein, die Karnevalisten, die Gruppe junger Mütter, die Gastwirtin und die Senioren an einen Tisch geholt. Gemeinsam soll wieder für mehr Leben im Ort gesorgt werden. Denn wenn heute aus irgend einem Anlass gerufen wird, kommt kaum jemand , so Roblick. Am 2. Februar wird Fastnacht gefeiert, im Sommer findet das Sportfest statt, das diesmal gleichzeitig das Dorf- und Kinderfest sein soll. Noch nicht sicher ist das kosten- und zeitintensive Reiterfest. Dort fehlt es immer wieder auch an den Zuschauern. Das war früher anders, da war es zum Beispiel Bauernstolz, wenn das eigene Pferd gesiegt hat , weiß der Ortsbürgermeister noch. Vielleicht wird die Aufführung des Films über unsere 650-Jahr-Feier vielen Motivation geben, auch wenn wir im Jahr nur 400 Euro von der Stadt für Veranstaltungen bekommen , hofft Reinhard Roblick.