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Wer war Traugott Hirschberger?

Lübbenau.. In der Lübbenauer Chronik aus dem Jahr 1928 stellt Paul Fahlisch unter dem Abschnitt „Berühmte Lübbenauer“ Traugott Hirschberger vor. Evelyne Lungwitz hat für die RUNDSCHAU in den Aufzeichnungen geblättert: Repro: E. Lungwitz

Traugott Hirschberger wurde am 15. März 1811 in der Grafschaft Glatz (Schlesien) im Dörflein Nicklasdorf in einer Wassermühle geboren. Sein Vater war Müller und es lag sehr nahe, dass auch der Sohn das Müllerhandwerk erlernen sollte. Zunächst wollte er jedoch Orgelbauer werden, beugte sich aber dem Wunsch des Vaters.
Nach seiner Lehre begab er sich 1830 als Müllergeselle auf die Wanderschaft. So kam er aus der Gebirgswelt in den Spreewald und nach Lübbenau. Bei dem Stadtmüller Werner fand er sofort Arbeit. Diese machte ihm Spaß und Freude, er war sehr fleißig. In seiner Freizeit bildete er sich auf verschiedenen Gebieten wissenschaftlich weiter. Er war einige Jahre die rechte Hand seines Meisters Werner bis der Stadtmüller starb.
Nun lag die gesamte Last des Mühlengeschäftes auf den Schultern der Witwe, der Müllerin. Traugott Hirschberger heiratete die Witwe Werner am 10. Mai 1838 in der Zerkwitzer Kirche. In nun seiner eigenen Mühle arbeitete er noch beharrlicher. Seine wissenschaftlichen Ausbildungen in der Freizeit vernachlässigte er aber nicht. Bei den Lübbenauern war er beliebt und für viele auch ein guter Ratgeber. Seine Ehe war leider von kurzer Dauer. Die Müllerin, seine Frau, starb bald. Im Jahr 1844 heiratete er zum zweiten Mal.
Auch in der Politik konnte er immer ein Wort mitreden, er wusste Bescheid. Die Kreise Calau und Luckau wählten ihn von 1861 bis 1864 zu ihrem Landtagsabgeordneten. Später, von 1881 bis 1884, wurde er sogar Reichstagsabgeordneter der Kreise Cottbus und Spremberg.
Was tat Traugott Hirschberger für die Stadt Lübbenau? Er stellte seine großen Kenntnisse gern in den Dienst des Gemeinwesens. Es gab früher kaum einen Lübbenauer Verein oder ein hervorragendes Werk, das ihm nicht seine Unterstützung oder Mitbegründung verdankte. Als selbst guter Sänger blühte durch seine Unterstützung der Gesangverein auf. Am 17. Mai 1862 entstand auf seine Anregung hin der Männerturnverein. Den Fortbildungsverein gründete er 1873, wo er selbst auch Vorträge hielt. Gleichfalls sein Werk war die Gründung des Vorschussvereins, des späteren Bankvereins, im Jahr 1864 am 1. Juli. Jahre später, 1875, rief er die Fortbildungsschule ins Leben und wirkte selbst als Lehrer. Mitbegründer des Feuerwehrvereins wurde er am 24. Juni 1873. Im Jahr 1880 verkaufte er seine Mühle und widmete sich verstärkt der Fortbildung der Jugend.
Besonderen Verdienst erwarb er sich um die Meliorationsarbeiten des Spreewaldes. Auf seine Anordnungen hin sind die Köhlerschen Meliorationspläne 1885 aufgestellt worden.
An seinem 80. Geburtstag, am 15. März 1891, lud er sämtliche Lübbenauer zu sich ein, ob arm oder reich, die ebenfalls das 80. Lebensjahr abgeschlossen hatten. Ein gemeinsames Geburtstagsmahl wurde eingenommen.
Sein ganzes Leben war darauf ausgerichtet, seiner Heimat zu dienen. Im Jahr 1896 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Lübbenau ernannt. Hierbei zählten seine großen Verdienste in der Gründung der Fortbildungsschule sowie die Bemühungen der Wasserregulierung im Spreewald.
Der von den Lübbenauern geschätzte Traugott Hirschberger starb fast 86-jährig am 13. Februar 1897. An dieses Datum, vor 110 Jahren, kann sich kein Lübbenauer mehr erinnern. Es ist gut, dass Paul Fahlisch in seiner Chronik uns auf diesen tatkräftigen, fleißigen und beliebten Lübbenauer aufmerksam macht.
Der ehemaligen Schulleiterin der 1. Grundschule Lübbenau, Marina Heimann, haben es die Schüler und Lehrer zu verdanken, dass diese Schule den Namen „Traugott Hirschberger“ trägt. Marina Heimann beschäftigte sich mit der Lübbenauer Historie und stieß hierbei im Archiv auf den Namen dieses Mannes. Seit dem 22. Februar 2002 trägt die Schule diesen Namen.