| 13:51 Uhr

Lübbenauer Bürgermeister im Interview
„Wer Vorschläge erarbeitet, muss mit Kritik rechnen“

Helmut Wenzel in Action - nach erfolgreicher Rezertifizierung der Qualitätsstadt Lübbenau in diesem Jahr schneidet der Lübbenauer Bürgermeister in der Bunten Bühne eine "Top of Spreewald"-Torte an.
Helmut Wenzel in Action - nach erfolgreicher Rezertifizierung der Qualitätsstadt Lübbenau in diesem Jahr schneidet der Lübbenauer Bürgermeister in der Bunten Bühne eine "Top of Spreewald"-Torte an. FOTO: Daniel Preikschat / LR
Vorhaben, die Geld kosten, Vorhaben, die zu diskutieren sind – Der Lübbenauer Bürgermeister Helmut Wenzel blickt zurück und voraus auf das Jahr 2018.

Herr Wenzel, im Rückblick auf das Jahr 2017 erscheint uns in der RUNDSCHAU-Lokalredaktion die Schulentwicklungsplanung als das Thema, das in Lübbenau am heftigsten diskutiert wurde. Würden Sie das auch so sehen?

Wenzel: Bei diesem Thema war die persönliche Betroffenheit am größten, der gesellschaftspolitische Dialog am intensivsten. Schulentwicklung betrifft eine Vielzahl von Personen, Schüler mit ihren Eltern und Großeltern, Angehörige sowie Lehrer. Gleichzeitig waren die Interessenlagen sehr differenziert.

Sogar eine Bürgerinitiative gründete sich, die das Ziel verfolgte, die Grundschulen in der Altstadt zu erhalten. War das nicht auch als Kritik zu verstehen an der Arbeit der Verwaltung?

Wenzel: Wer Vorschläge für eine Diskussion erarbeitet, muss mit Kritik rechnen. Ob denn die Menschen, die sich am lautesten äußern, auch die Mehrheitsmeinung vertreten, ist allerdings offen. Sie finden in den Medien aber am ehesten eine Plattform.

Zum Beispiel wurde auch von Abgeordneten gesagt, dass die am Ende der Diskussion gefundene Lösung schon im Frühjahr Konsens war: Das Jenaplanhaus zieht in das Oberstufenzentrum.

Wenzel: Oberflächlich betrachtet kann man zu dieser Auffassung gelangen. Die Verwaltung hatte den Auftrag, mögliche Varianten und deren Kosten unter Ausnutzung der vorhandenen Ressourcen zu prüfen und zu vergleichen. Aus den gewonnenen Erkenntnissen haben wir eine ‚Vorzugsvariante’ abgeleitet, die mit den anderen Varianten zur Diskussion stand. Die Diskussion hat leider in der ersten Runde nicht stattgefunden. Für die zweite Runde gab es eine klare Vorgabe der Politik mit den bekannten Varianten. Die intensiven und teils emotionalen Diskussionen waren gut und notwendig, um am Ende eine tragfähige und mehrheitsfähige Lösung im Sinne einer guten und ausgewogenen Schulentwicklung zu erhalten.

Wann soll der Umzug erfolgen?

Wenzel: Ziel ist, das neue Jenaplanhaus (OSZ) und Umfeld zum Schuljahr 2019/2020 einzugsfertig hergerichtet zu haben. 2018 sind die Vorarbeiten zu leisten. Die Planungen müssen erfolgen, der Bauantrag gestellt und die Finanzierung sichergestellt werden.

Wenn sich an den Schulen die Anzahl der Klassen pro Jahrgangsstufe ändert, die sogenannte Zügigkeit, müssen auch die Einzugsbereiche verändert werden. Rechnen Sie auch hier mit Diskussionsbedarf?

Wenzel: Wir haben im Ergebnis der Beschlussfassung zum Schulentwicklungsplan Varianten für mögliche neue Einschulbezirke erarbeitet, die für eine erste Diskussion im zuständigen Fachausschuss Anfang 2018 auf der Tagesordnung stehen. Auch bestehen verschiedene Interessen. Die neuen Zuschnitte der Schulbezirke sind 2018 in den ersten Fachausschusssitzungen Thema. Auch hier gibt es verschiedene Interessen, die sicher intensiv diskutiert werden.

Welches Bauvorhaben ist aus Ihrer Sicht 2018 dasjenige, das die meisten Bürger interessiert?

Wenzel: Das mag ich nicht einzuschätzen. Der Bau des Kreisverkehrs am Roten Platz mit Baubeginn im Januar wird den Verkehrsteilnehmern und den Anwohnern so einiges abverlangen. Mit dem Einbau des Regenkanals in der Straße des Friedens in Richtung Lindenweg geht es gleich im neuen Jahr los. Danach geht es nahtlos weiter mit dem Knotenpunkt und dem Straßenausbau in Höhe der wis-a-vis-Geschäftszeile bis zur Straße der Einheit und der Robert-Koch-Straße bis zur Rewe-Einfahrt.

Wann baut Rewe am Roten Platz, der ja komplett neu gestaltet werden soll?

Wenzel: Zunächst müssen mit dem B-Plan die Voraussetzungen für den Ersatzneubau geschaffen und ein Bauantrag gestellt werden. Nach den uns vorliegenden Informationen wird der Ersatzneubau erst 2019 beginnen. Zu diesem Zeitpunkt sind wir mit unseren Straßenbaumaßnahmen dort durch.

Die Entwicklung von Lübbenau wird von Besuchern der Stadt aus Politik oder Wirtschaft oft gerühmt. Doch wer mit der Bahn durch die Stadt fährt, dem bietet sich heute noch kein schönes Bild.

Wenzel: Die Entwicklung dort hinkt der in der Stadt insgesamt deutlich hinterher. Derzeit sind nur das Gleis 3-Kulturzentrum, das Empfangsgebäude sowie die bereits sanierten Wohn- und Geschäftshäuser vorzeigenswert. Die städtebaulichen Missstände entlang der Gleisstrecke gehören der Bahn, mit der zu verhandeln schwierig ist. Den Lokschuppen konnten wir nach über 15 jähriger Verhandlung erwerben und werden ihn zunächst schrittweise sichern, so dass sich das Schadensbild nicht weiter erhöht. Die Umsetzung des niveaufreien Verkehrskonzeptes wird dieses Stadtgebiet aber insgesamt voranbringen. Hier rechne ich aus heutiger Sicht 2020 mit dem Baubeginn.