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| 15:10 Uhr

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Wenn Touristiker zu Touristen werden

Birgit Tanner leitet das Schlosshotel in Lübbenau.
Birgit Tanner leitet das Schlosshotel in Lübbenau. FOTO: FOTO-MICHAELIS / SCHLOSS LÜBBENAU IM SPREEWALD
Lübbenau. Sie holen viele Gäste nach Lübbenau, doch wo sind sie selbst am liebsten zu Gast, und warum? Von Daniel Preikschat

Geht Daniel Schmidgunst in Irland in einen Pub, dann spielt dort fast immer eine Live-Band. Ein Grund für ihn unter anderem, warum er so gern die Grüne Insel besucht und dort für verkehrte Verhältnisse sorgt: Einmal im Jahr, wenigstens ein paar Tage lang, sich nicht um Touristen kümmern, sondern selbst einer sein.

„Ich bin Irland-Fan“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer der Spreewald-Touristinformation. Als Gitarrist der Lübbenauer Band Haystackers lockt ihn die Musikalität der Iren. Der besondere landschaftliche Reiz der Urlaubsregion komme hinzu. Hier wurden, wie der Lübbenauer erzählt, Szenen für die Phantasy-Serie „Game of Thrones“ gedreht. Geschickt würden die Iren diese Drehorte vermarkten. Touristen finden nicht nur Hinweistafeln vor. Es wurden Parkplätze gebaut, damit Fans der Serie die Kultorte gut erreichen können. Es wird in Prospekten auf sie hingewiesen, es gibt Apps. Interessant sei das. Gerade für einen Touristiker aus Lübbenau, wo das ZDF unter anderem seine Spreewaldkrimis drehen lässt. „Wir machen das ja selbst auch schon ganz gut“, sagt Schmidgunst und spielt damit an auf Spreewaldkrimitouren und -kahnfahrten.

Selbst noch etwas lernen als Touristiker, sich etwas abgucken, sich inspirieren lassen – das will auch Steffen Franke, wenn er an die Ostsee fährt. Jede Stadt, die dort am Wasser liegt und eine Brücke hat, erzählt der Geschäftsführer der Lübbenauer Kahnfährgenossenschaft am Großen Spreewaldhafen, ziehe ihn geradezu magisch an. Im Laufe der Jahre konnte er beobachten, wie rasant sich diese Orte touristisch entwickelt haben, wie sie nunmehr auch im Winter ihre Gäste finden. Das bestätigen ihm auch die Einheimischen, mit denen er ins Gespräch kommt, das Personal in Hotels und Gasthäusern.

Steffen Franke kann rückblickend sagen: Seine Ostsee-Urlaubserfahrung habe in ihm die Erkenntnis reifen lassen, dass der Wintertourismus auch in der Spreewaldstadt funktionieren müsste. „Lasst uns das auch riskieren“, habe er den Kahnfährleuten in Lübbenau nahe gelegt. Mittlerweile würden die touristischen Anbieter in Lübbenau vereint und mit System erfolgreich daran arbeiten, Lübbenau auch im Winter für Touristen attraktiv zu machen.

Immer wieder „sehr gern“ an die Ostsee  fährt auch Birgit Tanner mit ihrer Familie. „Meistens in der Vor- oder in der Nachsaison“, sagt die Leiterin des Schlosshotels in Lübbenau. Sie genieße die Naturgewalt, könne auf dem Darß oder auf Usedom selbst im tiefsten Winter gut entspannen.

Gerade damit, mit Entspannung und Entschleunigung im Winter, versuchen die Lübbenauer Gäste für Winteraufenthalte zu erwärmen. Wichtige Impulse und Ideen kommen dabei aus der Arbeitsgruppe Stadtmarketing, in der sich neben Birgit Tanner, Steffen Franke und Daniel Schmidgunst unter anderem auch Steven Schwerdtner einbringt. Der Marketingleiter der Spreewelten GmbH fährt gern zum Skifahren nach Österreich, war aber zuletzt im Alllgäu, genauer in Oberstaufen. Ein Urlaubsort, sagt der Lübbenauer, der für Familien sensationell“ ist. Kaum eine gastronomische Einrichtung gebe es dort beispielsweise, in der Kinder keine Spielgelegenheiten oder sogar richtige Spielplätze vorfinden. Erst recht glücklich mache Kinder eine drei Kilometer lange Sommerrodelbahn.

Doch auch insgesamt sei das touristische Angebot in Oberstaufen von hoher Qualität, der Ort und die Umgebung präsentieren sich äußerst gepflegt. In dieser Beziehung und auch in puncto Kinder- und Familienfreundlichkeit seien die Allgäuer den Spreewäldern ein Stück voraus – noch.

Steven Schwerdtner, Marketingleiter der Spreewelten GmbH.
Steven Schwerdtner, Marketingleiter der Spreewelten GmbH. FOTO: Spreewelten GmbH