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„Wenn Mutti früh zur Arbeit geht ...“

Kinder spielen am Hochhaus II (1980).Christa Lorenz (2.v.l.) im Kreis ihrer Geschwister – sie stammt aus einer großen Familien.Die Paten sind zu Besuch im Kindergarten „Lea Grundig“ (1980).In der Lübbenauer Neustadt: Spaziergang mit einer Kindergruppe vor dem Kaufhaus am Roten Platz (1970). Gesucht werden für das Archiv der Lübbenaubrücke noch Fotos mit den großen Wagen, in denen die Krippenkinder gefahren wurden.Die Betriebsleitung der Bahnkohleentaschung (BKE) war 1967 zum 50. Jahrestag der Oktoberrevolution als Brigade der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft (DSF) ausgezeichnet worden, unter den Kollegen auch Christa Lorenz (vorn Mitte).
Kinder spielen am Hochhaus II (1980).Christa Lorenz (2.v.l.) im Kreis ihrer Geschwister – sie stammt aus einer großen Familien.Die Paten sind zu Besuch im Kindergarten „Lea Grundig“ (1980).In der Lübbenauer Neustadt: Spaziergang mit einer Kindergruppe vor dem Kaufhaus am Roten Platz (1970). Gesucht werden für das Archiv der Lübbenaubrücke noch Fotos mit den großen Wagen, in denen die Krippenkinder gefahren wurden.Die Betriebsleitung der Bahnkohleentaschung (BKE) war 1967 zum 50. Jahrestag der Oktoberrevolution als Brigade der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft (DSF) ausgezeichnet worden, unter den Kollegen auch Christa Lorenz (vorn Mitte). FOTO: priv.Fotos: Archiv Lübbenaubrücke
Lübbenau. Seit 50 Jahren leben und arbeiten in der Lübbenauer Neustadt Menschen, die damals aus der ganzen Republik zum Aufbau der Energiewirtschaft in den Spreewald gekommen waren. Christa Lorenz, gelernte Kindergärtnerin, hat ihr Arbeitsleben im Kraftwerk verbracht. Sie ging den Weg vieler Frauen – qualifizierte sich neben der Arbeit und hatte Familie. Von Ingrid Hoberg

Jung verheiratet mit Kind und dann nur ein Zimmer in der Wohnung der Schwiegereltern – so lebte Christa Lorenz Ende der 50er Jahre mit ihrem Ehemann in Werenzhain bei Doberlug-Kirchhain. Martin Lorenz ging im April 1960 nach Lübbenau, hatte dort Lohn und Brot. Und die junge Frau folgte ihm im August, denn es gab in der Spreewaldstadt nicht nur Arbeit, sondern auch Wohnungen. „Mein Mann hat sich im Kraftwerk bemüht, dass ich Arbeit bekam. So wurde ich Maschinist in Ausbildung“ , erzählt die heute 67-Jährige. Auch er, der gelernte Maurer, war Maschinist, später Obermaschinist, Meister und Schichtleiter.
Die junge Frau absolvierte neben der Arbeit eine zweijährige Ausbildung und wurde Maschinist für Förderanlagen. Sie arbeitete in der Bekohlungsanlage des Hochbunkers und wurde später Leitstellenmaschinist. „Es haben überwiegend Frauen in dieser Anlage als Maschinist gearbeitet. Im Tiefbunker war es schwerer, die Entleerung am Kohlebunker haben Männer gemacht“ , erinnert sie sich. In vier Schichten wurde gearbeitet. Fünf Jahre lang machte sie das mit. „Dann bin ich in die Normalschicht gegangen – der Kinder wegen.“ Inzwischen gehörten drei zur Familie.
An der Betriebsakademie des Kraftwerks Lübbenau gab es Lehrgänge für Industriekaufleute, zu denen der Betrieb die Teilnehmer freistellte. So ging Christa Lorenz ein- bis zweimal in der Woche zum Unterricht. „Das war eine reine Frauenklasse, 1967 war ich damit fertig und habe dann bei Außenanlagen als Betriebsabrechner im Büro gearbeitet“ , sagt sie. 1968 ging sie in die Produktionsplanung, und schon im Jahr darauf bereitete sie sich auf das Ingenieurstudium vor, das sie 1974 als Ingenieur-Ökonom beendete. Eine Woche Studium, eine Woche Arbeit – so war das in der Frauensonderklasse organisiert. „Mein Mann hat in Schichten gearbeitet, da war immer jemand für die Kinder da“ , erinnert sich Christa Lorenz.
Doch manches Mal war zu Hause auch Nachtschicht angesagt – wenn nämlich die Ernte aus dem eigenen Garten verarbeitet werden musste. „Obst und Gemüse waren ja wichtig für die Kinder, und so viel zu kaufen gab es nicht“ , sagt sie. Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen, war nicht einfach. Den ältesten Sohn musste sie am Anfang ins Dauerheim im Schloss Lübbenau geben. „Wenn ich Frühschicht hatte, habe ich mit ihm Spaziergänge im Park gemacht. Holen konnte ich ihn erst, wenn ich frei hatte“ , sagt sie.
Nach den Geburten der Kinder blieb nicht viel Zeit für die junge Mutter, nach den sechs Wochen Pflichturlaub ging es wieder zur Arbeit. Morgens um 6.30 Uhr war Arbeitsbeginn, das hieß für Christa Lorenz, um 5.45 Uhr mit drei Kindern aus dem Haus zu gehen und jedes in eine andere Einrichtung zu bringen: der Große ging in den Kindergarten im Barackenlager, der Mittlere in den Kindergarten in der Lindenstraße und der Jüngste ins Schloss. Eine Hand am Fahrrad, eine Hand am Kinderwagen, so zog sie los. Ein Auto hatte Familie Lorenz wie viele andere damals nicht. „Wenn mir mein Mann nicht geholfen hätte, wäre das eine Katastrophe gewesen“ , erzählt sie. Waren die Kinder krank, dann wechselten sie sich bei der Betreuung ab, das machte die Schichtarbeit möglich. So habe man alles gemeinsam bewältigt. „Wenn ich einen Krankenschein zur Pflege des Kindes hatte, dann habe ich zu Hause bleiben können, aber kein Geld bekommen“ , erklärt sie.
Die Wohnungen in der Neustadt waren für die Familie ein großer Fortschritt. „Wasser aus der Wand – das war doch herrlich für uns, wir kamen ja vom Dorf und hatten sehr beengt gewohnt“ , sagt Christa Lorenz. 1969 zog die Familie in der Geschwister-Scholl-Straße in eine Vier-Raum-Wohnung, Typ P 2 mit Balkon. „Mutti, frühstücken wir auf dem Balkon?“ , das haben die Kinder oft gefragt, erinnert sie sich.
Dass sie den Beruf als Kindergärtnerin nicht mehr ausgeübt hat, ärgert Christa Lorenz nicht. „Es war alles so geplant – Tages-, Wochen-, Monatsplan. Das hat mir nicht gefallen.“ Bis zu ihrem 55. Lebensjahr hat sie im Kraftwerk gearbeitet. Am 30. Juni 1995 ist sie in den Vorruhestand gegangen, 1996 war Schicht im ganzen Kraftwerk.

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 Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem Aufbau der Lübbenauer Neustadt und mit den ersten Jahren im Kraftwerk oder im BKW Jugend„ Können Sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag, an Ihre Ankunft im Spreewald erinnern“ Erzählen Sie uns Ihre Geschichte, rufen Sie die RUNDSCHAU-Redaktion in Lübbenau an unter Telefon 03542/87 59 24 . Gern veröffentlichen wir auch Fotos aus den Anfangsjahren.Welche Erinnerungen verbinden Sie mit dem Aufbau der Lübbenauer Neustadt und mit den ersten Jahren im Kraftwerk oder im BKW Jugend„ Können Sie sich noch an Ihren ersten Arbeitstag, an Ihre Ankunft im Spreewald erinnern“ Erzählen Sie uns Ihre Geschichte, rufen Sie die RUNDSCHAU-Redaktion in Lübbenau an unter Telefon 03542/87 59 24 . Gern veröffentlichen wir auch Fotos aus den Anfangsjahren.