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| 20:27 Uhr

Sanierung
Wenn Häuser gebrechlich werden

Museumsdirektor Stefan Heinz, Dirk Ehrhardt (rechts) und Pressesprecherin Jenny Linke betrachten den Sanierungsfortschritt des historischen Kittlitz-Hauses in Lehde.
Museumsdirektor Stefan Heinz, Dirk Ehrhardt (rechts) und Pressesprecherin Jenny Linke betrachten den Sanierungsfortschritt des historischen Kittlitz-Hauses in Lehde. FOTO: Jenny Theiler / LR
Lehde. Mit aufwendigen Sanierungsmaßnahmen bereitet sich das Freilandmuseum Lehde auf die kommende Saison vor.

Von Jenny Theiler

Alte Fachwerkhäuser, urige Blockhütten und sorgfältig gedeckte Reetdächer – im Spreewalddörfchen Lehde ist offenbar die Zeit stehengeblieben. Die Lübbenauer Ortschaft steht mit ihrem landesweit bekannten Freilandmuseum seit Jahrzehnten für Tradition und Geschichte. Damit die unvergleichliche historische Atmosphäre auch weiterhin viele Besucher in den Spreewald lockt, werden derzeit Sanierungsmaßnahmen im Museumsdorf vorgenommen. Pünktlich zum Saisonstart am 29. März sollen alle notwendigen Reparaturen abgeschlossen sein.

„Man könnte uns mit einem Altersheim für historische Häuser vergleichen“, scherzt Museumspädagoge Dirk Ehrhardt. Ob Wohnstallhaus oder Doppelstube – jedes einzelne der architektonischen Exponate erhält die notwendige Pflege durch die Museumsleitung und den Denkmalschutz. Auch in diesem Jahr sind vor allem die pflegeintensiven Reetdächer wieder ein wichtiges Thema bei der Sanierung.

Aber nicht nur Holz und Schilf sind vergängliche Materialien. Die Pflastersteine der Gehwege, durch die alle vier Spreewaldhöfe miteinander verbunden sind, werden ebenfalls erneuert. Minusgrade und sommerliche Hitze haben den roten Backsteinen in den letzten Jahren stark zugesetzt. „Vor allem bei langanhaltenden Minusgraden können die Steine irgendwann platzen und somit kaputt frieren“, erklärt Dirk Ehrhardt. Um künftige Unfallgefahren zu vermeiden, wurden besonders poröse Pflastersteine bereits entfernt. Die neuen Steine sollen demnächst eingesetzt werden.

Ähnlich wurde auch mit der Schwelle des Backhauses verfahren. Die Blockhütte aus dem
19. Jahrhundert wurde bei ihrer Umsetzung in den 50er Jahren auf eine Steinschwelle gestellt. Im Verlauf der letzten Jahrzehnte hat sich das Haus um mehrere Zentimeter abgesenkt. Um zu verhindern, dass die Blockhütte mitsamt Ofen weiter absinkt, wurde der Schwellenkranz kürzlich ausgewechselt.

Wichtig sei, dass bei den Sanierungsmaßnahmen der Originalcharakter der Häuser nicht verloren ginge, erklärt Museumsdirektor Stefan Heinz. „Es gehört sich so, dass man die anfallenden Reparaturen so durchführt, wie es traditionell auch damals gemacht wurde“, erklärt der Museumsdirektor. Aus diesem Grund wurden die Ziegel des Backhausdaches vor zwei Jahren auch nicht komplett, sondern nur teilweise ausgetauscht. In diesem Zusammenhang spricht Dirk Ehrhardt von einer Art Recyclingmaßnahme. „Die Ziegel, die wir wirklich nicht mehr retten konnten, sind gegen andere gebrauchte Ziegel ausgetauscht worden. Auf diese Art bleibt der natürliche Charakter des Bauwerkes erhalten“, so der Museumspädagoge.

Den aufwendigsten Teil der diesjährigen Sanierungen bildet das Haus Kittlitz vom Rand des Spreewaldes. Das Fachwerkhaus aus dem Jahr 1775 ist das älteste Gebäude auf dem Gelände des Freilandmuseums und wurde bereits vor zwei Jahren von innen saniert. Jetzt deckt eine riesige blaue Plane das Dach des Hauses ab, um den Reet vor Nässe zu schützen. „Traditioneller Weise wird für das neue Dach natürlich nur regionales Schilf verwendet“, betont Stefan Heinz. Auch die Fassade soll einen neuen Farbanstrich erhalten. Um der Originalfarbe möglichst nahe zu kommen, werden Putz und Farbreste durch den Denkmalschutz eingehend analysiert. Anschließend wird eine Farbe gemischt, die sich auch in der Rezeptur an die Originalfarbe anlehnt. Dieses Unternehmen sei immer eine schwierige und vor allem aufwendige Gradwanderung, die aber dennoch im Sinne des historischen Verantwortungsbewusstseins notwendig sei, erklärt Stefan Heinz. „Es soll ja am Ende dann nicht wie ein Retrohaus aus dem Baumarktkatalog aussehen“, meint der Museumsdirektor.

Die Sanierungsarbeiten sind in vollem Gange. Bis Ende März soll noch ein neuer Taubenschlag für die derzeit obdachlosen Tauben im Freilandmuseum errichtet werden. Das alte Taubenhaus ist Sturmtief Xavier im vergangenen Oktober zum Opfer gefallen. Nicht nur Reparaturen und optische Ausbesserungen stehen bei der Sanierung im Fokus. „Wir haben in jedem Jahr große Projekte. In dieser Saison geht es uns vorwiegend um eine stärkere Werterhaltung durch die Sanierungen“, erklärt Stefan Heinz.

Damit das Backhaus im Freilandmuseum Lehde auch von nachfolgenden Generationen bestaunt werden kann, wurde die Steinschwelle, auf der die Blockhütte steht, erneuert.
Damit das Backhaus im Freilandmuseum Lehde auch von nachfolgenden Generationen bestaunt werden kann, wurde die Steinschwelle, auf der die Blockhütte steht, erneuert. FOTO: Dirk Ehrhardt / LR
(the)