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| 02:32 Uhr

Wenn es Spaß macht, spielt Zeit keine Rolle

Jürgen Bahro am Vereinsstein. Auf dem Gelände findet das nächste Sport- und Spielfest für Behinderte am 18. Juni statt.
Jürgen Bahro am Vereinsstein. Auf dem Gelände findet das nächste Sport- und Spielfest für Behinderte am 18. Juni statt. FOTO: Jan Gloßmann
Lübbenau. Jürgen Bahro hat die Tische und Bänke abgewischt, jetzt fegt er um die Terrasse des Sportlerheims auf dem Platz der SG Grün-Weiß Groß Beuchow. Nachher kommen die Fußballer zum Training, danach sitzt man noch ein bisschen zusammen in der kleinen Gaststätte. Den Ausschank macht Jürgen Bahro. Jan Gloßmann

Der 51-Jährige ist zweiter Vorsitzender des Vereins, er sorgt in den Räumen für Ordnung und sorgt sich um den Rasen, auf dem das Spitzenspiel der Fußball-Kreisliga ansteht: "Es ist zu trocken." Bahro ist auf den Anlagen von Grün-Weiß Groß Beuchow das "Mädchen für alles".

Er hält den Kontakt zum Eigentümer des Platzes, der Stadt Lübbenau. "Wir bekommen zwar keine Unterstützung mehr, zu tun ist aber genug." Ein Beispiel: Der Platz ist von schönen Bäume eingefasst - die aber allein durch den nötigen Schnitt immer wieder Arbeit bereiten.

Das "Mädchen für alles" ist auch beruflich immer irgendwie für andere da, gerade, wenn Not am Mann ist. Bahro ist Rettungsdienstler. Standort: der Arbeiter-Samariter-Bund in Vetschau.

Seit 35 Jahren ist der Ur-Beuchower schon im Verein dabei, hat erst Volleyball gespielt und es mit Fußball gar nicht so sehr am Hut. Wenn er sich fit hält, dann geht er gern mal ins Studio, was man seinen Oberarmen ansieht. Dazu Rad fahren, skaten. So sehr viel Zeit bleibt einem nicht, der täglich seine Stunden auf dem Platz ist. "Och", sagt er, "Zeit". Er tut ja gern, was er macht. "Der Spaß", der muss überwiegen bei allem, was so ansteht, dann geht das. Die Fußballer sind Zweiter im Kreis. Aufstieg? "Och", die neue Kreis-Oberliga sei doch ein schönes Ziel, für Höheres fehle es an Geld. "Wir waren mal in der Landesklasse, da haben uns die Fahrtkosten fast aufgefressen."

Bahro blickt übers Spielfeld, sattgrün liegt es in der Frühlingssonne, gesprenkelt von den ersten Schatten der Bäume. Ein Teil des Platzes war mal der Garten des benachbarten Lynar'schen Jagdsitzes. Irgendwann ist ein Sturm in das angrenzende Wäldchen gefahren, ein paar Bäumen mussten gerodet werden, fertig war der Platz. Ist Jahre her.

Nein, sagt er, das ist schon alles gut so wie es ist. "Wir haben uns das aufgebaut, wie wir das haben wollten." Und wenn die Erste gut spielt, dann finden sich immer mal wieder Sponsoren, die den einen oder anderen Hunderter herüberreichen.

Nebenbei ist Bahro längst dabei, das nächste Behindertensportfest in Beuchow vorzubereiten. Ein bisschen Routine ist dabei, schließlich wird es das 23. Fest. "Die Sportarten sind die gleichen", erzählt Bahro, der das Treffen aus der Taufe hob, als er mal die "Aktion Sorgenkind" im Fernsehen gesehen hatte. Das wollen die Mädchen und Jungen, Frauen und Männer so. Es gibt Bratwurst, Nudeln und Getränke, Kutschfahrten, Siegerehrung, Disko. Mit 70 Teilnehmern aus der Schule in Kittlitz und den Spreewald-Werkstätten hat es einmal angefangen. Heute kommen die Teilnehmer aus dem gesamten Landkreis Oberspreewald-Lausitz und auch aus Luckau und Lübben.

Dabei weiß Bahro einen Partner an seiner Seite, den er nicht mehr missen möchte. Der Kreissportbund Oberspreewald-Lausitz, der im Mai seinen 20. Geburtstag feiert, hat nicht nur Übungsleiter des Vereins geschult und die Kassenwarte. Vor allem haben dessen Mitarbeiter Bahro viel Schreibarbeit abgenommen, wenn es um das Behinderten-Sportfest geht. Der Beuchower zeichnet so etwas wie das Idealbild einer Unterstützung: Der Sportbund erledigt das Bürokratische, der Verein kümmert sich um die Inhalte. "Damit sind wir sehr zufrieden."

Ein weiterer Partner wird bald in die Nähe ziehen - die Beuchower Feuerwehr. Neben dem Sportplatz soll das Haus der Wehr entstehen. Zusammen mit dem Sportverein und dem Platz bilden sie dann eine Art Gemeindezentrum.