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| 14:33 Uhr

Kirchenkonzert
Wenn Engelsstimmen bei den Zuhörern ein Lächeln zaubern

 Der Berliner Chor „The Embassy Singers“ begeistert die Gäste in der Lübbenauer Kirche.
Der Berliner Chor „The Embassy Singers“ begeistert die Gäste in der Lübbenauer Kirche. FOTO: Philipp Brendel
Lübbenau. Die Berliner „Embassy Singers“ begeistern in Lübbenau mit ihren „Evensongs“. Von Philipp Brendel

Andächtige Blicke, geschlossen-träumende Augen: Die aufmerksam lauschenden Gäste der spirituellen Chorgesänge lassen die Gedanken schweifen. Was werden sie wohl in diesen Momenten der inneren Ruhe und Ergriffenheit fühlen? Wohin werden sie ihre Gedanken leiten? Manche von ihnen werden sich einfach nur von dieser Musik tragen und die alltägliche Welt vor den Türen der Nikolaikirche verschwimmen lassen.

Die Köpfe der Gäste schwingen mit, anderen wird ein Lächeln auf ihr Gesicht gezaubert: „Es vermittelt ein Gefühl, welches wir alle im Herzen spüren sollten“, so Andrew Sims, der Chorleiter des Berliner Chores „The Embassy Singers“, der sich der besonderen Form der „Evensongs“ in englischer Sprache gewidmet hat. Diese abendlichen Gesänge erfreuen sich in englischen Kathedralen, wie beispielsweise Westminster Abbey, schon einer langen Tradition. Der Evensong vereint Psalme des Tages und stellt eine Kombination aus Vesper und Abendgebet dar. Doch woher stammt das Phänomen der sogenannten Evensongs?

Mit dem englischen König Heinrich VIII. beginnt ab 1534 die Zeit der Reformation in England. Während es Heinrich weniger um eine Reform des Christentums ging als vielmehr um Geld, Macht und Sex, setzte sein Sohn Eduard VI. die Reformation konsequent durch. Damit einher geht die Erstellung eines neuen Gebetsbuches – „The Book of Common Prayer“ – welches auch die Evensongs beinhaltet. Diese stellen eine Zusammenfassung verschiedenster Stundengebete des Mönch­lebens dar, die für den Gottesdienstbesucher in zwei Andachten des Tages – einem „Morning Prayer“ und einem „Evening Prayer“ oder auch „Evensong“ – vereint werden.

Die „Embassy Singers“ lassen die Lübbenauer Nikolaikirche in himmlischen Gesängen aufgehen. Andrew Sims verdeutlicht die ergreifende Wirkung der abendlichen Gebetslieder: „Diese Evensongs sind auch ein sehr intensives Erlebnis für den Chor.“ Außerdem schildert Sims sehr eindrücklich, dass ihn selbst schon manche Lieder seit seiner Kindheit begleiten, wie etwa das „Teach me, O Lord“ von Charles Tryhorn. Da die Evensongs in der Regel mit Orgelbegleitung gesungen werden, steht der Chor während des Konzertes direkt an der Orgel und bringt somit den kompletten Kirchenraum mit seinen Gesängen zum Klingen.

Rita und Christoph Maaß blicken begeistert mit einem Lächeln im Gesicht zum Chor hoch oben an der Orgel: „Es ist ein ganz besonderer Einblick in die englischen Traditionen der Kirchenmusik“, erklärt Christoph Maaß, der selbst Orgel spielt und Lieder des Kirchendichters Wesley singt. Dabei ist es dem Zufall zu verdanken, dass Lübbenau in den Genuss der „Embassy Singers“ gekommen ist, so Katharina Schröder, Kantorin der Nikolaikirche. So hat ein englandstämmiges Mitglied des Kantatenchors Lübbenau den Kontakt zum weltweit auftretenden Chor der „Embassy Singers“ hergestellt. Neben Städten wie Rom, Budapest, Wien und Zürich ist nun auch Lübbenau in den Genuss dieser wahrhaftigen Engelsgesänge gekommen.

Es ist wohl von keinem Wunder zu sprechen, wenn diese gefühlvoll bis ergreifenden Engelsgesänge ihre Zuhörer auch noch nach dem Konzert mit einem wohltuenden Gefühl in den Abend hinein begleitet haben.