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| 15:57 Uhr

Zirkusfamilie tourt durchs Land
Wenn der Zirkus plötzlich vor dem Hoftor steht

 Sechs Familienmitglieder – eine Mission. Um auch Dorfbewohner am Zauber der Manege teilhaben zu lassen, tourt der Circus Sensationell über die Dörfer. In vielen Orten ist es das erste Mal, dass ein Zirkus dort Station macht, um große und kleine Zuschauer zu unterhalten.
Sechs Familienmitglieder – eine Mission. Um auch Dorfbewohner am Zauber der Manege teilhaben zu lassen, tourt der Circus Sensationell über die Dörfer. In vielen Orten ist es das erste Mal, dass ein Zirkus dort Station macht, um große und kleine Zuschauer zu unterhalten. FOTO: Uwe Hegewald
Neudöbern/Ogrosen. Familienzirkus tourt über Land und findet viel Anklang. Von Uwe Hegewald

Die Einwohner von Ogrosen sollten sich am Dienstag, 9. Juli, oder Mittwoch, 10. Juli, (17 Uhr) etwas Zeit reservieren. Dann gastiert der Circus Sensationell im Vetschauer Ortsteil. „Ein kleiner aber feiner Zirkus“, sagt Virginia Renz. Sie ist die Tochter der Patronin Ilse Renz. Unter dem Namen Zirkus Renz sind deutschlandweit etwa 25 Unternehmen unterwegs. „Hinzu kommen noch drei Unternehmen, die in Holland angemeldet sind“, sagt Marco Schickler.

Vor vier Jahren hat er den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit gewagt. Als Familiensextett touren die Brandenburger übers Land: Virginia und Marco sowie ihre Söhne Marcello (16), Lisandro (11), Töchterchen Kathy (9) und der erst acht Monate junge Sprössling Deniro. Doch wie funktioniert ein Sechs-Leute-Zirkus? „Mit Allroundern, die nahezu alles können müssen und keine Arbeit scheuen dürfen“, erklärt Marco Schickler. Seine Rollen: Artist, Dompteur, Kulissenschieber, Animateur, Assistent Tierpfleger, Familienoberhaupt, Trainer und, und, und. „Irgendwie alles zwischen Zirkusdirektor und Knecht“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

In seine Aussage hinein passt das Bild, wie er seinen Jüngsten vor der Vorführung im Kinderwagen durch die Dorfstraße schiebt, damit Virginia Renz Tickets, Popcorn oder Getränke verkaufen kann. Richtig, es sind die Dorfstraßen und seltener die prächtigen Alleen in den Städten, durch die die Familie ihre Zirkuswagen steuert. „Auf dem Lande sind die Leute zugänglicher, und was Dressuren mit Tieren anbetrifft entspannter und aufgeschlossener“, begründet Virginia Renz. Viele Dorfbewohner besäßen selbst Haustiere und wüssten, welche Freude diese im Zusammenleben mit Menschen entwickeln. „In den Städten kommt es auch immer wieder dazu, dass unsere Plakate abgerissen und wir selbst oder unsere Kinder angepöbelt werden“, ergänzt Marco Schickler. Er zeigt Verständnis dafür, wenn Besucher  Aufführungen des Zirkus mit kleiner Personaldecke und kleinem Budget zuerst einmal skeptisch gegenüberstehen. „Nach der Vorstellung zeigen sich 99 Prozent der Besucher aber beeindruckt“, betont der Zirkusdirektor.

 So auch in Neudöbern, wo der „Circus Sensationell“ sein Zelt auf der Wiese vor dem historischen Speicher aufgestellt hatte. „Das gab es in unserem Dorf noch nie. Abgesehen von einer Artistengruppe, die Anfang der 1950er-Jahre im Saal unseres damaligen Wirtshauses gastierte“, sagt Roland Schneider. Der Bürgermeister der Gemeinde Luckaitztal musste auch nicht lange überlegen, dem Familienzirkus in Neudöbern eine entsprechende Stellfläche anzubieten, wie auch im benachbarten Buchwäldchen (Gemeinde Luckaitztal).

„Wir fühlen uns geehrt, dass der Zirkus in unserem Dorf Station gemacht hat. Eine wunderbare Vorstellung. Alle waren beeindruckt“, fasst Joachim Siegert zusammen. Darbietungen, Atmosphäre und das Live-Geschehen hätten im Dorf für ein unvergessliches Erlebnis gesorgt, so der Buchwäldchener Senior, der einen Besuch nur empfehlen kann. „Ein kleiner Familienzirkus benötigt erst recht Unterstützung“, appelliert er. Dass der „Circus Sensationell“ die Dörfer für sich entdeckt hat, sieht er als „kluge und richtige Idee“.

 Der in der Nähe von Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) beheimatete Zirkus will an diesem Konzept festhalten. „Wir fühlen uns in den Dörfern willkommen. Das zeigen auch die Besucherzahlen“, resümiert Virginia Renz. Am Samstag (17 Uhr) und Sonntag (15 Uhr) gastiert der Familien-Zirkus in Casel (SPN) bevor es am Dienstag und Mittwoch in Ogrosen „Manege frei“ heißt.