ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:26 Uhr

Weihnachts-Mukke
Wenn BHs fliegen lernen

 Seit 2015 machen Jan Voigt (l.) und David Hoffmann gemeinsam Musik. Kennengelernt hatten sich die beiden Hobbyrocker über eine Anzeige im Internet.
Seit 2015 machen Jan Voigt (l.) und David Hoffmann gemeinsam Musik. Kennengelernt hatten sich die beiden Hobbyrocker über eine Anzeige im Internet. FOTO: A.R.D.
Lübben. Seit drei Jahren machen David Hoffmann und Jan Voigt als „Akustik Rock Duo“ Musik. Zu Weihnachten stellt sich das Gitarrengespann aus Lübben nun erstmals im Kulturhof Lübbenau vor.

„Die Frage ist echt: Mach‘ ich Mukke nur für Mukke, oder erwarte ich jetzt das übertrieben große profitable Geschäft. Denn am Ende zählt nur, was du geschafft hast und was du gemacht hast, und nicht ob es den andern gepasst hat.“ Das ist zwar keine Textzeile vom Akustik Rock Duo (A.R.D.) aus Lübben, sondern von der österreichischen Band Erwin & Edwin. Aber es drückt doch ziemlich genau das aus, was auch A.R.D.-Mitbegründer David „Darkman“ Hoffmann fühlt. „Das bringt es genau auf den Punkt“, sagt er, als er den Vers hört. „Man sollte Musik immer erst der Musik wegen machen und nicht, weil man Geld damit verdienen will.“ Für den Künstler aus Lübben ist die Musik „ein Gefühl, das man lebt. Ein Gefühl des Ausdrucks, bei dem man sein Inneres nach außen kehren kann.“ Und es ist ein Verlangen. „Denn eigentlich vergeht kaum ein Tag, an dem man in der Wohnung an der Gitarre vorbeiläuft und sie nicht anfasst.“

Für Ruhm und Reichtümer ist die Lübbener Rockband, die David Hoffmann (44) vor drei Jahren zusammen mit Jan Voigt (50) gegründet hat, eh noch zu klein. Bei Facebook beziffert sich ihre Fanbasis auf etwas mehr als 300 Menschen. „Es ist auch schon mal ein BH auf die Bühne geflogen“, lacht David Hoffmann. An anderweitige Verdienste ist mit ihrer Musik zurzeit allerdings nicht zu denken. Aber darum geht es den beiden Spreewäldern auch nicht. Es geht darum, sich auszudrücken, zu unterhalten, gerne auch in intimer Kulisse. „Wir haben uns eigentlich auf die Fahnen geschrieben, im kleinen Rahmen spielen zu wollen, weil das unglaublich viel Spaß macht“, sagt Hoffmann. „Nur dort kommt man doch auch mit den Leuten ins Gespräch.“ Einmal im Jahr verlosen sie deswegen auch einen Auftritt unter ihren Fans, wo sie bei einer Grillparty im Garten oder in einem anderen privaten Kreis spielen. In diesem Jahr hielt sogar Lübbens Bürgermeister Lars Kolan als Losfee her.

 Am Ersten Weihnachtsfeiertag darf das Akustik Rock Duo aus Lübben nun zum ersten Mal überhaupt im Kulturhof Lübbenau auftreten.
Am Ersten Weihnachtsfeiertag darf das Akustik Rock Duo aus Lübben nun zum ersten Mal überhaupt im Kulturhof Lübbenau auftreten. FOTO: A.R.D.

Ein durchaus größerer Rahmen wartet nun am ersten Weihnachtsfeiertag auf das Akustik Rock Duo. Dann tritt die Lübbener Boygroup erstmals im Kulturhof Lübbenau auf. „Es ist eine Ehre für uns, dass wir gefragt wurden“, sagt David Hoffmann. Die beiden Hobbyrocker freuen sich auf ihre Premiere im Multikulturellen Zentrum und hoffen auf den einen oder anderen Zuhörer. Hoffmann: „Die meisten haben doch abends zu Weihnachten eh die Nase voll von Drei Haselnüsse für Aschenbrödel oder dem dritten Teil von Winnetou.“

Die Nase voll hatte vor ein paar Jahren auch David Hoffmann – und zwar davon, immer nur irgendwelche bekannten Hits nachzuspielen. Lange musizierte er in einer Coverband in Gröditzsch, „doch das hat mich irgendwann nicht mehr erfüllt“, sagt er. „Ich konnte nach so vielen Jahren nicht immer wieder Kling Klang spielen. Ich habe mich auf der Bühne nicht mehr wohlgefühlt und hatte nicht das Gefühl, dass das mein Applaus ist.“ Er wollte die Menschen mit seinen eigenen Texten und Gedanken erreichen und fand 2015 über eine Anzeige im Internet den passenden Kompagnon für dieses Unterfangen. 2018 haben Elektroingenieur Jan Voigt und Bürokaufmann David Hoffmann nun ihre erste gemeinsame CD produziert, ausschließlich mit deutschsprachigen Songs aus der eigenen Feder. Sie erzählen von Traumfrauen, vom Leben, von neuer oder verflossener Liebe, vom gemeinen Montag oder der CO²-Bilanz.

Und immer mit dabei sind auch ihre beiden Westerngitarren. „Wir spielen die jetzt nicht so wie Juliane Werding, sondern mit etwas mehr Schmackes“, sagt David Hoffmann. Aber etwas sinnlicher ist seine Musik schon geworden im Vergleich zu der Zeit vor dem A.R.D., als er sich noch in einer Metalband versuchte. „Da waren wir schon ein bisschen düsterer unterwegs mit härteren Klängen. Aber ich habe irgendwann gemerkt, dass ich die Leute doch viel besser erreiche, wenn ich nicht nur kreische und brülle.“

Mittlerweile können vereinzelte Fans sogar schon Songtexte mitsingen – der Ritterschlag für jeden Musiker. „Das ist Gänsehaut pur“, sagt Hoffmann. „Das ist noch schöner als der Applaus am Ende.“ Vermutlich ist genau das im Gegensatz zum großen profitablen Geschäft der wahre Sinn vom Mukkemachen. Und gegen den einen oder anderen Büstenhalter auf der Bühne hat sicher auch kein Musiker etwas einzuwenden.