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| 02:49 Uhr

Weltfriedens-Wanderer macht wieder in Lübbenau Station

Stefan Horvath war wieder einmal in Lübbenau.
Stefan Horvath war wieder einmal in Lübbenau. FOTO: Willi Löben
Lübbenau. Auf dem Kirchplatz steht die heiße Luft. Touristen schlendern in kurzen luftigen Hosen durch die Altstadt. Willi Löben

Einer fällt auf. Da sitzt ein Mann in langer Läuferhose und dicken Wanderschuhen. Als wäre das nicht genug, trägt er eine auffällig bunt gestrickte Wollmütze: Stefan Horvath ist Weltfriedens-Wanderer.

Seit 1989 hat er schon 50 000 Kilometer zurückgelegt. Seine Heimat Wien hat er seitdem nicht mehr besucht. "In diesem Jahr werden es 26 Jahre, in denen ich durch Europa von Stadt zu Stadt ziehe und gegen Rechtsextremismus protestiere", erzählt der 56-Jährige. Auch für Flüchtlinge setze er sich ein.

Stefan Horvath ist ein sehr kommunikativer und temperamentvoller Mensch. Seine Arme und Hände kreisen durch die Luft, wenn er über seine Erfahrungen spricht.

Er schildert: "Ich habe Menschen gesehen, die am Tag nicht mehr als ein Stück Brot haben. Kinder die ihren Spielplatz nicht besuchen können, da auf sie geschossen wird. Menschen, die vor Angst aus ihrer Heimat flüchten müssen und nicht etwa, weil es hier in Deutschland so toll ist."

Man müsse keine großen Statussymbole besitzen, um glücklich zu sein, so Horvaths Überzeugung. Denn was wirklich zähle, seien Friede, Gesundheit und ein Leben ohne ständige Angst. Und er sollte es wissen. In den vergangenen 26 Jahren habe er von Spenden und der Bereitschaft anderer Menschen, ihn zu beherbergen, gelebt.

Zum dritten Mal besucht er Lübbenau und freut sich jedes Mal auf die Spreewaldstadt. "Es hat sich doch einiges verändert. Lübbenau ist lebendiger und voller Touristen. Die Stadt ist schöner geworden und ich genieße die kurze Zeit hier."

Als er erfährt, dass Lübbenau in naher Zukunft auch Flüchtlinge aufnehmen wird, ist er begeistert. Doch er warnt vor Übergriffen und Wortgefechten. "Solch schöne Stadt darf nicht nur äußerlich glänzen und für die Touristen den Anschein machen, dass alles gut sei, wenn Leute Ausländer hassen." Als er von den in Lübbenau entbrannten Diskussionen hört, reagiert er aufgebracht: "Sollen sie mal mit einem Stück Brot am Tag leben und sich die Menschen anschauen, die dort leben, wo der Krieg täglich die Menschen heimsucht."

Angst vor rechter Gewalt habe er nicht und auch nicht erfahren müssen, erzählt Stefan Horvath. Und er wirkt unruhig, will bald weiter. "Ich muss nach Dresden und Freital, den Flüchtlingen dort helfen und mit den Menschen reden. Das ist das absolut Letzte was dort gerade passiert. Frieden für die Welt und alle Menschen. Die Bürger von Lübbenau sollen die Flüchtlinge gut aufnehmen." Mit diesen Worten und dem Victoryzeichen verabschiedet er sich aus Lübbenau.