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Wellfleisch und Grützwurst brühwarm

Helmut Richter (2. von links) führt seine Gäste durch die Anlage.
Helmut Richter (2. von links) führt seine Gäste durch die Anlage. FOTO: C. Lorenz
Bischdorf. Eine Stippvisite des Landwirtschaftsministers Jörg Vogelsänger und der Landtagsabgeordneten Sylvia Lehmann (SPD) hat der Bauernverband Südbrandenburg beim Angerhof in Bischdorf organisiert. Angerhof-Chef Helmut Richter startete mit einer Flurfahrt mit seinem Angerhofexpress und präsentierte seinen ökologisch wirtschaftenden Betrieb mit 164 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche, Mutterkuhhaltung, Bullenmast, Schweinehaltung sowie eigener Schlachtung und Fleischerei. red/bt

Hier werden jährlich 50 Rinder und 80 bis 100 Schweine geschlachtet und regional vermarktet.

Leider werden die Anforderungen und Kosten immer höher. Kleinschlachtereien werden dadurch zum Aufgeben gezwungen. "Verbraucherschutz ist richtig und wichtig. Aber die theoretisch fixierten Anforderungen in den Verordnungen sind praktisch schwer umsetzbar", sagte Helmut Richter. "Wenn man die letzten 150 Fleischereien im Land noch erhalten will, müsse dieser Wahnsinn aufhören", fordert Richter. Er muss als Unternehmen eine umsatzausgerichtete Tourismusabgabe an die Stadt Lübbenau zahlen. Das sei nicht nachvollziehbar, denn der Tourismus gehe an den Ortsteilen vorbei und findet überwiegend in den Städten statt. "Für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen müssten jedoch die Ortsteile wieder herhalten und der Flächenfraß geht weiter", kritisiert Richter. Es werden Windkraftanlagen und Solarflächen am Naherholungsgebiet Bischdorfer See geplant, was nicht nachvollziehbar ist. Ein Problem sind auch die Lichtraumprofilschnitte an den Gehölzen um den Bischdorfer Weg, die nicht regelmäßig durchgeführt würden. Hier sei Abhilfe zu schaffen. Nicht nur die Bischdorfer sind sauer, dass eine Radumfahrung um den Bischdorfer See nicht mehr möglich ist, da in Groß Lübbenau der Radweg unterbrochen wurde. Zudem existiert keine flächendeckende Infrastruktur, die Ortsteile werden abgehängt und spielen kaum noch eine Rolle im Tourismuskonzept der Stadt. Hier sind dringender Handlungsbedarf und eine bessere Zusammenarbeit mit den Kommunen erforderlich.

Unbefriedigend ist zudem die Jagdsituation in Bischdorf. Es gibt momentan keine Jagdgenossenschaft, was sich auch bei den Wildschäden widerspiegelt. Hier muss dringend eine Lösung her, so der Landwirt.

Die Betriebsstrukturen in der Landwirtschaft sind facettenreich und vielfältig. Laut Helmut Richter sollte die Politik dafür Sorge tragen, dass diese durch eine gezielte Flächensicherung für ortsansässige Landwirte erhalten bleiben. Das Flurbereinigungsverfahren in Bischdorf laufe bereits 15 Jahre und ein Ende sei nicht in Sicht. Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden, so Richter.

Zum Abschluss präsentierte der Landwirt Helmut Richter stolz seine Schlachterei und Gaststätte, wo Wellfleisch und Grützwurst brühwarm zu Mittag serviert wurden, was den Teilnehmern vorzüglich mundete.

Ein Anbau in der hofeigenen Gaststätte bietet nun auch die Möglichkeit für größere gesellige Runden. Das kulturelle Brauchtum kommt auf dem Angerhof Bischdorf ebenfalls nicht zu kurz, was durch ein liebevoll hergerichtetes Museum präsentiert wird. Für Helmut Richter ist der Beruf des Landwirtes eine Bestimmung, er ist mit viel Engagement und Herzblut dabei.

Und: Sogar beim Bischdorfer Männerballett ist er aktiv.