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| 02:50 Uhr

Warten auf den Plan für Schienenersatz

Raddusch. "Wir werden abgehängt" – zu diesem Schluss kommen Radduscher, die versucht haben, im Internet Fahrplan-Informationen für die Strecke zwischen Berlin/Hauptbahnhof und Raddusch ab dem Wechsel am 13. Dezember zu bekommen. hk/ani

Zwei bis vier Züge sind es morgens und abends beziehungsweise nachts, die in Richtung Berlin und Cottbus noch in Raddusch, Kolkwitz und Kunersdorf halten werden. Im Fahrplan gibt es aber keine Hinweise auf Schienenersatzverkehr.

Dafür liegt zwei Monate vor dem geplanten Start ein Entwurf in der Warteschleife. Zu Details aber sage sie noch nichts, erklärt Elke Krokowski, Sprecherin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB). Der Entwurf müsse schließlich durch viele Hände. Dem Deutschen Bahnkunden-Verband wirft sie derweil Stimmungsmache vor. Dieser wiederum erwartet, "dass in den nächsten Tagen endlich die Ersatzfahrpläne veröffentlicht werden, damit die Fahrgäste, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, Planungssicherheit erhalten".

Wie der Verband warten vor allem Pendler und Eltern von Schülern auf einen Plan für den Schienenersatzverkehr. Wie viel Zeit werden sie am Tag dadurch verlieren? Der Kolkwitzer Bürgermeister Fritz Handrow (CDU) hat einen Entwurf für den Schienenersatzverkehr aus der Kreisverwaltung Spree-Neiße gesehen. Derzeit braucht der Zug von Vetschau nach Kolkwitz sieben bis acht Minuten. "Müssen Kolkwitzer von Berlin in Vetschau in den Bus umsteigen, um nach Kolkwitz zu kommen, brauchen sie nach dem Entwurf 42 Minuten", so Handrow.

Für Arnulf Schuchmann, Geschäftsführer der Odeg, die den RE 2 fährt, ist dagegen nicht nachvollziehbar, warum ein Fahrgast schon am 13. Oktober wissen muss, mit welchem Bus er ab 13. Dezember fahren kann. "Wir suchen jetzt nach einem Busunternehmen, das den Ersatzverkehr fährt", sagt er.

Dass der RE 2 ab 2017 wieder zu den jetzigen Bahnhalten zurückkehren wird, glauben viele Menschen den Verantwortlichen beim Land nicht. Die Bürgerinitiative Raddusch befürchtet, dass weniger Reisende den Schienenersatzverkehr nutzen werden. Dann seien die Bahnhalte nicht mehr wirtschaftlich, "und letztlich werden sie endgültig geschlossen".

Gerd Bzdak (Linke) kam am Dienstag mit einem Karton voller Flyer zur Gemeindevertretersitzung ins Kolkwitzer Rathaus. Er glaubt nicht, dass der Wegfall der Bahnhalte den RE 2 pünktlicher und zuverlässiger macht. Verkehrsministerin Kathrin Schneider hat sich für diese Stabilisierung zwei Jahre Zeit erbeten. "In Berlin steigen mehr Leute ein und aus, und die brauchen auch im Jahr 2017 eine gewisse Zeit dafür", so Bzdak.

Den Flyer, den die Bürgerinitiativen entwickelt haben, sollten Reisende bei sich haben. "Da steht nicht nur, was unsere Initiative will. Sondern hier finden sie im Falle einer Bahnverspätung gleich die richtige E-Mail-Adresse für die Beschwerde."

Tausende Unterschriften gegen den Wegfall der Halte sind bisher gesammelt worden. Inzwischen weiß Bzdak aber, dass die Initiative vor allem Unternehmen hinter sich bringen muss, um den Druck auf das Verkehrsministerium zu erhöhen - touristische Unternehmen, aber vielleicht auch Firmen, die sich für ihre pendelnden Mitarbeiter stark machen wollen.