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| 19:03 Uhr

Wilde-Möhre-Festival in Altdöbern in den Startlöchern
Bauboom im Fantasiedorf Möhritz

 Alexander Dettke (Mitte, hinten) hat beim Festival „Wilde Möhre“ den Hut auf. Am späten Samstagnachmittag führte er Interessierte bei einem Rundgang über das entstehende Festivalgelände.
Alexander Dettke (Mitte, hinten) hat beim Festival „Wilde Möhre“ den Hut auf. Am späten Samstagnachmittag führte er Interessierte bei einem Rundgang über das entstehende Festivalgelände. FOTO: Uwe Hegewald
GÖRITZ/ALTDÖBERN. Vorbereitungen auf das „Wilde Möhre“-Festival laufen auf Hochtouren. Von Uwe Hegewald

Hier eine Musikbühne, dort eine Tanzfläche, ein Baumhaus, an anderer Stelle eine futuristische Sitzbank und sogar eine Wissenschaftshütte. Es ist das Nichtalltägliche, was Teilnehmern eines öffentlichen Rundgangs über das Festivalgelände am Samstagnachmittag ins Auge fällt. Über 70 Neugierige begleiten Alexander Dettke, Gründungsmitglied der „Wilden Möhre“, über das Areal, auf dem vom kommenden Freitag, 9. August, bis Montag, 12. August, tausende Besucher erwartet werden.

Dettke hat keinerlei Schwierigkeiten, die aufmerksamen Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. „Das Festival ist unser Herzensprojekt. Es ist keine Veranstaltung, an der wir viel Geld verdienen, die uns aber sehr viel Freude bereitet“, erklärt er. „Möhritz“ nennt er das entstehende Dorf, dessen Name sich aus Göritz und dem Möhren-Festival zusammensetzt. Im Taubenschwänzchen-Haus werden Getränke serviert und den Teilnehmern des Rundganges weiterführende Erläuterungen zum Gesamt-Produkt „Wilde Möhre“ gegeben. Aus botanischer Sicht eine in Mitteleuropa heimische Pflanze und Elternteil der Gartenmöhre oder Karotte, die gerne vom Nachtfalter Taubenschwänzchen angeflogen wird.

Irgendwie hat alles in Möhritz und dem benachbarten Neu-Möhritz seinen tieferen Sinn. Die Festivalbesucher sind aufgefordert, auf Spurensuche zu gehen. Aktuell leben schon jetzt temporär bis zu 250 Leute in dem Lausitzer Fantasiedorf, das am Wochenende aus den Nähten zu platzen droht. Auch weil sich immer mehr Einheimische ein Bild von dem „Spielplatz für Erwachsene“ machen wollen. „Ich finde es gut, dass Anrainer bereits im Vorfeld von dem Veranstalter einbezogen werden. Nur so können Bedenken und Zweifel ausgeräumt werden“, sagt Dr. Martin Schultze aus Lubochow (Gemeinde Neu-Seeland).

Dass „junge Leute etwas für die Region tun und auf die Beine stellen“, sieht der Geschäftsführer des Landwirtschaftsbetriebes Ressen-Lindchen als lobenswert. „Auch, weil das Projekt mehrere Generationen zusammenführt“, begründet er. Alexander Dettke heißt alle Anrainer herzlich willkommen. Bei zahlreichen Musikaufführungen oder Workshops könnten sich Neugierige selbst ein Bild vom Leben in Möhritz machen, in dem auf vegetarische oder vegane Ernährung gesetzt wird.

Ein Dorf, das ständig sein Gesicht verändert. In nahezu jedem Winkel des Areals ist das Schlagen von Hämmern zu hören, das Heulen von Kreissägen oder Summen der Akkuschrauber. „In diesem Jahr neu ist der Wellnessbereich mit Pool und Sauna“, kündigt Alexander Dettke an, um im gleichen Atemzug auf den schonenden Umgang mit Ressourcen hinzuweisen. „Hauptbaumaterial ist Holz, als nachwachsender Rohstoff“, so der Berliner, der seit drei Monaten regelmäßig in Göritz zwischen Gräbendorfer und Altdöberner See präsent ist.

Mittendrin das massive Wohnhaus von Arnfried Schobert, das sich wie ein Fels in der Brandung hervorhebt. Schobert, der Insidern eher unter dem Namen „Gelber Wahnfried“ bekannt ist, gilt als der Initiator von Openair-Veranstaltungen im unscheinbaren Göritz (Casel). „Festivals dieser Größenordnung sind für mich eine Nummer zu groß“, begründet der Musiker, warum er seit sechs Jahren den Machern der „Wilden Möhre“ freie Hand gewährt. Vieles habe sich entwickelt. „Das liegt aber auch daran, dass das Team fast das ganze Jahr hindurch an diesem Standort arbeitet“, fasst er zusammen.

Auch Arnfried Schobert sei aufgefallen, dass immer mehr Menschen aus der Region in seiner „Filiale zum Paradies“ vorbeischauen. „Es ist längst kein Privileg von Gästen aus Berlin, bei uns positive Energie zu tanken“, betont er abschließend.

 Alexander Dettke (Mitte, hinten) hat beim Festival „Wilde Möhre“ den Hut auf. Am späten Samstagnachmittag führte er Interessierte bei einem Rundgang über das entstehende Festivalgelände.
Alexander Dettke (Mitte, hinten) hat beim Festival „Wilde Möhre“ den Hut auf. Am späten Samstagnachmittag führte er Interessierte bei einem Rundgang über das entstehende Festivalgelände. FOTO: Uwe Hegewald