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| 16:56 Uhr

Vetschau
Ein Wochenende – zwei Orchester

Alle Hände voll zu tun hatten Teilnehmer des Vetschauer Frühjahrsputzes im Erlenwäldchen an der Kraftwerkstraße. Bei den herrschenden Temperaturen waren alle dankbar für die späteren Erfrischungen. Zuvor zogen sie eimerweise Unrat, Reste aus durchwühlten Kleidersäcken und sogar einen alten Fahrradrahmen aus dem Gestrüpp – das einstmals als kleines Biotop galt.
Alle Hände voll zu tun hatten Teilnehmer des Vetschauer Frühjahrsputzes im Erlenwäldchen an der Kraftwerkstraße. Bei den herrschenden Temperaturen waren alle dankbar für die späteren Erfrischungen. Zuvor zogen sie eimerweise Unrat, Reste aus durchwühlten Kleidersäcken und sogar einen alten Fahrradrahmen aus dem Gestrüpp – das einstmals als kleines Biotop galt. FOTO: Uwe Hegewald
Vetschau. Vor dem Frühlingsfest haben Vetschauer Teile der Stadt auf Vordermann gebracht. Mit dabei waren fleißige Helfer vom Bauhof und einige Einwohner. Von Uwe Hegewald

Der Musikverein Vetschau war am gestrigen Sonntag für den musikalischen Auftakt des 15. Vetschauer Frühlingsfest angekündigt. Nur wenige Vetschauer wussten, dass bereits tags zuvor ein ganz anderes Orchester in der Spreewaldstadt für „Musik“ sorgte: Der Bauhof um seine Dirigentin Carola Lehmann-Zbidi.

Im Pausenraum schwört sie  ihre Truppe auf den bevorstehenden Frühjahrsputz ein. Welches Mitglied der neunköpfigen Crew steuert die Brennpunkte „Spielplatz Weinert-Straße“ und „Spielplatz Bürgerpark (Schiebefläche)“ an? Wer besetzt welches Fahrzeug? Und wie verläuft die Route, um am Ende der Säuberungsaktion prall gefüllte Müllsäcke einzusammeln? All das will gut organisiert und abgesprochen sein.

Heike Schwager setzt sich ans Lenkrad eines der unverwüstlichen Multicars und steuert dieses zur Schiebefläche, wo sie auf alte Bekannte trifft. Winfried Böhmer und Lebensgefährtin Martina Hein haben bereits entlang der Fuß- und Radwege Unrat aufgesammelt und dabei zwei größere Schmuddel-Ecken entdeckt.

Beim Blick auf die Textilberge wird schnell klar: Hier zeigt sich ein Vetschauer Problem, das nur schwer in den Griff zu bekommen ist. „Irgendwelche Leute ziehen sich Säcke mit Kleidungsstücken aus Sammelcontainern, wühlen diese nach brauchbaren Sachen durch und lassen den Rest einfach auf dem Boden liegen“, hadert Carola Lehmann-Zbidi.

Leider kein Einzelfall, wie Helfer feststellen müssen, die sich im Erlenwäldchen in der Kraftwerkstraße nützlich machen. Eimerweise wird Unrat aus dem Wäldchen geschleppt, sogar einen Fahrradrahmen ziehen die Vetschauer aus dem Gestrüpp, das  Stefan Schön eigentlich als kleines Biotop in Erinnerung hat. „Für uns als Kinder war das ein kleiner Urwald mit hunderten Fröschen, Molchen und Kröten. Gummistiefel waren Bedingung, um auf Entdeckungstour gehen zu können“, sagt der Vetschauer Tierarzt mit Blick auf früheren Zeiten.

Der Erlenbruchwald ist ihm und seelenverwandten Naturschützern ans Herz gewachsen. „Was spricht dagegen, die Fläche aufzuwerten und als Naturwaldzelle zu etablieren?“ Möglicherweise bewirkt der allgemeine Grundwasserwiederanstieg auch eine Rückkehr früherer Gegebenheiten. Rudi Renner kann sich an diese noch sehr genau erinnern. „Ich wohne seit 40 Jahren in der Bertold-Brecht-Straße. Offene Wasserflächen hat es links und rechts der A15 gegeben“, berichtet der 69-Jährige. Für ihn ist es eine Selbstverständlichkeit, sich dem städtischen Aufruf zum Frühjahrsputz anzuschließen.

Einziger Wehmutstropfen: Früher hätten sich mehr Vetschauer eingebracht. „Vor zehn Jahren sind wir kaum mit dem Abtransport der Müllsäcke hinterhergekommen“, erzählt Bauhof-Mitarbeiter Michael Gräber. Was aber auch ein Indiz dafür sein könne, dass Vetschauer ihre Stadt bereits vor dem offiziellen Großreinemachen in Ordnung halten.

Carola Lehmann-Zbidi zeigt sich zufrieden: „Was wir uns vorgenommen haben, wurde erledigt“, sagt sie und nennt ein Beispiel. So ist an der Kinderspielgeräte-Seilbahn auf der Schiebefläche mittels Baumstamm eine natürliche Erhöhung geschaffen worden, damit die Knirpse etwas einfacher auf den Seilbahnsitz gelangen.

Freudig überrascht zeigt sich die Bauhof-Chefin vom späteren Trubel vor dem Feuerwehrdepot, wo die Floriansjünger ihren Tag der offenen Tür veranstalten. Am Gerätehaus können Frühjahrsputz-Teilnehmer die zuvor ausgegebenen Essenmarken einlösen.

Mit Ausnahme von Tarek Zayat, der den gemeinsamen Mittagstisch auslassen muss. Der Grund: „Zweite Schicht im Vetschauer Fliesen/Feinsteinzeug-Werk Porcelaingres“, so der frühere Anwalt und Flüchtling aus Syrien.