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Vor 85 Jahren im Südpolder mit schwerer Technik gearbeitet

Das Fließ Roggozoa im Südpolder mit einer tief gesetzten Brücke. Mit Beginn der Melioration, des Wegebaus und der Errichtung der Hochwasserschutzanlagen war es nicht mehr möglich, mit dem traditionellen Spreewaldkahn das Gebiet zwischen Boblitz, Leipe, Dubkowmühle und Radduscher Buschmühle zu befahren.
Das Fließ Roggozoa im Südpolder mit einer tief gesetzten Brücke. Mit Beginn der Melioration, des Wegebaus und der Errichtung der Hochwasserschutzanlagen war es nicht mehr möglich, mit dem traditionellen Spreewaldkahn das Gebiet zwischen Boblitz, Leipe, Dubkowmühle und Radduscher Buschmühle zu befahren. FOTO: Bernd Marx
Boblitz. Die Spreewaldgemeinde Boblitz ist seit 2003 ein Ortsteil der Stadt Lübbenau. In diesem Jahr wird der 555. Jahrestag begangen. Im Jahre 1461 ist der Ort erstmals erwähnt worden. bdx

Altbauer Karl Maßnigk (Jahrgang 1944) kann viele historische Begebenheiten und persönliche Episoden erzählen. Seit über 180 Jahren betreibt die Familie Landwirtschaft. Karl Maßnigk erinnert sich, dass die Flächen der Familie meist in den feuchten Wiesen des Spreewaldes oder auf den sandigen Feldern der Lausitzer Höhenzüge lagen.

Sein Großvater, Landwirt Karl Richter (1886 bis 1946), begann vermutlich als erster Landwirt des Ortes Anfang der 1930er-Jahre mit schwerer Technik, seine etwa neun Hektar großen Wiesenflächen im Südpolder effektiver zu bewirtschaften.

Bereits im Jahre 1926 hatten die beiden Boblitzer Landwirte Balko und Richter als erste Bauern im Dorf sich eine kombinierte Mähmaschine zugelegt. Damit konnte abwechselnd Gras oder Getreide gemäht werden.

Obwohl viele Einheimische Karl Richter von seinem geplanten Vorhaben abbringen wollten, ließ er seine Wiesen im Südpolder mithilfe eines Traktors vom Typ "Lanz-Bulldog" walzen. Dazu war es notwendig gewesen, die Technik mithilfe von Kähnen von der westlichen Seite der Raschkonitza und dem Naundorfer Fließ, heute als Südumfluter bekannt, zur östlichen Seite überzusetzen. Die Wiesen wurden mithilfe der schweren Walze von den großen Unebenheiten und emporragenden Graskaupen befreit.

Die Arbeit erfolgte zwischen dem ersten Grasschnitt am 10. Juni 1931 und der zweiten Grasmahd Ende August/ September 1931. Die Mahd wird auch als Grumt oder Grummet bezeichnet.

Als im folgenden Jahr die Grasmahd erfolgte, zeigten sich bereits die Vorteile der Bodenbearbeitung. Es wurde damals mit Pferden und der Mähmaschine gearbeitet. Die Unebenheiten auf den Wiesen waren verschwunden, was die Arbeit erheblich verbesserte. Es zeigte sich auch, dass die Hektar-Erträge bei der Grasmahd höher als sonst waren.

Zur damaligen Zeit war das gesamte Areal zwischen Boblitz, Leipe, Dubkowmühle und Radduscher Buschmühle über das dortige Fließsystem noch mit dem Kahn befahrbar. Erst Jahre später wurden die Hochwasserschutzdämme mit den Wasserregulierungsmaßnahmen entlang des Südumfluters errichtet.

Die Landwirte aus Boblitz und Groß Lübbenau gelangten über die Kreploa, Roggozoa und Mingoa auf ihre Wiesen und Waldgrundstücke. Über die Jeschoa, heute ist es die Untere Boblitzer Kahnfahrt, gelangte man nach Leipe.

Es bestand auch die Möglichkeit von der Roggozoa über das Krumme Wehrfließ und Boitz-Dubkow-Kanal oder den Bischofkanal zur Dubkowmühle zu fahren.

"Ich kann mich noch entsinnen, dass ich bis 1973 das Gras und das Heu von unseren Wiesen mit dem Kahn aus dem Südpolder geholt habe", so Karl Maßnigk. Er benutzte die Wasserwege im Südpolder aber auch, um nach Leipe oder zur Dubkowmühle zu fahren. Die dortigen gemütlichen Schlachtefeste und geselligen Fastnachten lockten viele Auswärtige aus Groß Lübbenau und Boblitz an.