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| 11:27 Uhr

Nachruf
Von den Schülern geliebt und gefürchtet

Ein Bild von früher: Paul Bigalski mit seiner Geige.
Ein Bild von früher: Paul Bigalski mit seiner Geige. FOTO: Peter Becker
Vetschau. Freunde und Wegbegleiter erinnern sich an den verstorbenen Vetschauer Paul Bigalski.

Von Jenny Theiler

Die Fotos und Briefe, die auf dem Wohnzimmertisch von Ursula und Dieter Fleischhauer liegen, erzählen von einer freundschaftlichen Beziehung, die länger als 50 Jahre bestanden hat. Das Ehepaar Fleischhauer erinnert sich an die gemeinsamen Berufsjahre mit Paul Bigalski – an seine leidenschaftliche Art, sein herausragendes Engagement und den stetigen Ehrgeiz, der ihm bis ins hohe Alter erhalten blieb. Als Spreewaldoriginal gewürdigt, wird der ehemalige Lehrer eine große Lücke in der Vetschauer Gemeinschaft hinterlassen. Paul Bigalski ist am 10. Januar 2018, seinem 91. Geburtstag verstorben.

„Er wollte eigentlich nie Lehrer werden, aber er wurde es aus Berufung“, erklärt Dieter Fleischhauer. Bereits in jungen Jahren entwickelt Paul Bigalski eine Leidenschaft für technisches Handwerk. So beginnt er ab 1941 eine Lehre als Flugzeugtechniker, die er erfolgreich abschließt. Dennoch schlagen zwei Herzen in der Brust des jungen Flugzeugtechnikers aus Pommern. Vom Vater, der für seinen Sohn eine musikalische Karriere vorsieht, erlernt Paul Bigalski das Geigespielen. Die Strenge und die Geduld des väterlichen Unterrichts werden ihm in seiner eigenen Lehrerlaufbahn wichtige Begleiter sein. Es sind Werte wie Ausdauer, Konsequenz und Ehrgeiz, die Paul Bigalskis jungen Charakter durch das Musizieren nachhaltig prägen und ihm später sogar das Leben retten. Zweimal gelingt dem damals 18-Jährigen die Flucht aus der Kriegsgefangenschaft. Nach dem Krieg erhält der gebildete, musisch und technisch begabte Paul Bigalski eine Anstellung als Neulehrer, die nach dem Krieg händeringend gebraucht werden. An der Vetschauer POS 1 lernt er auch seinen späteren Kollegen Dieter Fleischhauer kennen.

Erinnerungen: Dieter und Ursula Fleischhauer waren mit Paul Bigalski 50 Jahre lang befreundet.
Erinnerungen: Dieter und Ursula Fleischhauer waren mit Paul Bigalski 50 Jahre lang befreundet. FOTO: Jenny Theiler / LR

„Ich kam 1962 an die POS 1. Er hat mich unter seine Fittiche genommen und mir alles gezeigt“, erinnert sich der ehemalige Deutsch- und Kunstlehrer. Schon damals fiel Paul Bigalski durch seine energische und hilfsbereite Art nicht nur bei den Kollegen, sondern auch bei seinen Schülern positiv auf. „Seine Schüler haben ihn geliebt und gefürchtet. Denn das, was ihm sein Vater mit aller Strenge beigebracht hat, hat er auch genau so weitergeben“, erklärt Dieter Fleischhauer. Durch sein handwerkliches Geschick unterrichtet Paul Bigalski neben Musik und Mathematik auch technisches Zeichnen und Werken. Nebenbei organisiert der fleißige Lehrer regionale Feierlichkeiten, hilft als Vertretungslehrer aus und leitet den Pionierchor und die Tanzgruppe Vetschau. „Er war auch maßgeblich an der Umbenennung der Oberschule in Dr.-Albert-Schweizer-Oberschule beteiligt“, erinnert sich Ursula Fleischhauer.

Der Bezug zur humanistischen Arbeit von Albert Schweitzer ist für den mittlerweile zum Oberlehrer beförderten Paul Bigalski sehr wichtig. Durch seinen hervorragenden Ruf und seine zuverlässige Arbeit wird er sogar Mitglied der Stadtverordnetenversammlung Vetschau. „Ihm war es immer wichtig so zu arbeiten, dass andere ihm nacheifern“, beurteilt Dieter Fleischhauer seinen Kollegen. Neben seiner Tätigkeit in verschiedenen Vereinen pflegt Paul Bigalski sorgfältig den Kontakt zu seinen Mitmenschen. „Er hat immer gesagt, dass das Leben erst durch andere Menschen lebenswert wird“, erinnert sich Dieter Fleischhauer.

„Man ist auch immer sehr schnell mit ihm ins Gespräch gekommen. Er war sehr umgänglich und hat sich gern mitgeteilt“, ergänzt Ursula Fleischhauer und betrachtet die handschriftlichen Briefe, die sie und ihr Mann regelmäßig von Paul Bigalski erhielten. Die Eheleute bewundern die präzise und bildhafte Sprache, die der befreundete Kollege in seinen Briefen verwendet. „Auch wenn die Schrift allmählich schlechter wurde – er blieb bis zum Schluss bei klarem Verstand“, betont Ursula Fleischhauer.

Das kann auch Horst Friedrich, ein Freund Paul Bigalskis aus Raddusch, bestätigen. „Im letzten Jahr habe ich sogar noch eine handschriftliche Geburtstagskarte von ihm bekommen“, erklärt der ehemalige Lehrer stolz. „Das war wirklich etwas Besonderes für mich“, so Horst Friedrich.

Das gesellschaftliche Engagement, die Bemühungen etwas zu bewegen und die Leidenschaft für die verschiedensten Dinge machen aus Paul Bigalski nicht nur ein Spreewaldoriginal, sondern ein Vorbild für diejenigen, die er hinterlässt. „Ich war immer offen für alles und neugierig auf alles. Ich habe vieles ausprobiert und ausgereizt, um letztlich zu wissen, was mich wirklich voran bringt“, erzählt der Vetschauer der RUNDSCHAU im Sommer 2012.

(the)