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| 01:32 Uhr

Vom Müller zum Ehrenbürger

Festveranstaltung am Mittwochabend zum 200. Geburtstag von Traugott Hirschberger: In einer Szene stellten Schüler der 1. Lübbenauer Grundschule dar, wie er sich für den städtischen Männergesangsverein einsetzte. Schülerin Lena Gutke (r.) war in seine Rolle geschlüpft. Foto: Bernd Marx/bdx1
Festveranstaltung am Mittwochabend zum 200. Geburtstag von Traugott Hirschberger: In einer Szene stellten Schüler der 1. Lübbenauer Grundschule dar, wie er sich für den städtischen Männergesangsverein einsetzte. Schülerin Lena Gutke (r.) war in seine Rolle geschlüpft. Foto: Bernd Marx/bdx1 FOTO: Bernd Marx/bdx1
Lübbenau. Viele rührige Einwohnerinnen und Einwohner von Lübbenau haben ihre Heimatstadt im Laufe der Jahre geprägt - aber auch Zugereiste. Einer war der engagierte Mühlenmeister Traugott Hirschberger. Den 200. Geburtstag ihres Namenspatrons haben Mädchen und Jungen der 1. Grundschule "Traugott Hirschberger" mit einem Festprogramm gefeiert. Von Bernd Marx



Die 172 Schülerinnen und Schüler der 1. Grundschule "Traugott Hirschberger" in der Lübbenauer Poststraße sind aufgeregter als sonst. Nicht Vokabelprüfungen, Sportwettkämpfe oder Mathematikklausuren sorgen für "Hochspannung" bei den Sechs- bis Zwölfjährigen. Sie haben ein Festprogramm anlässlich des 200. Geburtstags von Traugott Hirschberger vorbereitet und am Mittwoch aufgeführt.

Bevor am 22. Februar 2002 der Namenszug an das Schulgebäude angebracht worden war, hatten Schüler, Lehrer, Eltern und Heimatforscher Informationen und Material über das Leben des Lübbenauer Ehrenbürgers gesammelt. Neun Schulklassen widmeten unter Anleitung der 14 Pädagogen Projekttage, Ausstellungen und Wettkämpfe der Persönlichkeit aus dem 19. Jahrhundert.

Wer war dieser Traugott Hirschberger, der sich mit viel Mut, Tatkraft und Engagement für seine neue Heimatstadt einsetzte? Geboren wurde der Sohn eines Müllers am 15. März 1811 in der schlesischen Ortschaft Lampersdorf. Bei seinem Vater erlernte er das Handwerk eines Müllers. Bei seinen späteren Lehr- und Wanderjahren gelangte er bis in die österreichische Hauptstadt Wien. Nach seiner Rückkehr war er im Berliner Raum, in Ostpreußen, Pommern und Mecklenburg in seinem Fach tätig, wo er sich umfangreiches Wissen aneignete und neue Kenntnisse sammelte.

Als Mühlenmeister in Lübben lernte er die Witwe des verstorbenen Mühlenmeisters von Lübbenau kennen. Nach der Hochzeit am 10. Mai 1838 zog der damals 27-Jährige nach Lübbenau. Leider war das Glück nur von kurzer Dauer. Bereits nach wenigen Jahren verstarb seine Frau. 1844 heiratete Traugott Hirschberger erneut.

Sein Wirken und Handeln konzentrierte er nicht nur auf seine Tätigkeit als Mühlenmeister, sondern auch auf die gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung der Spreewaldstadt. So setzte er sich für die Reorganisation der städtischen Schützengilde und für den Neubau des Schützenhauses ein. Auch der freiwilligen Feuerwehr und dem Männergesangverein sicherte der Obermeister der Müllerinnung tatkräftige Unterstützung und Hilfe zu. Unter seiner Regie erhielt im Jahre 1851 die Schlossmühle einen Dampfantrieb. Für sein politisches Engagement wählte ihn die Bevölkerung von 1861 bis 1865 in den Preußischen Landtag und von 1881 bis 1884 in den Deutschen Reichstag.

Einen großen persönlichen Erfolg konnte er verzeichnen, als sich sein Ziel mit der Gründung eines Fortbildungsvereins in Lübbenau verwirklichte. Im Jahre 1875 wurde eine Fortbildungsschule eröffnet, an der er selbst aktiv und mit großer Leidenschaft als Dozent wirkte.

Im Alter von fast 70 Jahren verkaufte er die Mühle und widmete sich verstärkt der Fort- und Weiterbildung der Jugend zu. Sein jahrelanger Mut, der unbändige Tatendrang und das engagierte Handeln für seine Heimatstadt im Spreewald fanden eine herausragende Würdigung. Noch zu Lebzeiten wurde er zum Ehrenbürger der Spreewaldstadt Lübbenau ernannt. Im Alter von 86 Jahren verstarb Traugott Hirschberger am 13. Februar 1897.

Man darf sicher sein, dass der Ehrenbürger Traugott Hirschberger heute sehr stolz wäre, dass eine Grundschule seinen Namen in seiner Wahlheimat trägt. Sein Ziel war es, sich für die Lübbenauer Jugend mit Rat und Tat, Engagement und Zuversicht einzusetzen. Der ehemalige Mühlenmeister, Sangesbruder, Dozent und Ehrenbürger der Stadt Lübbenau ist heute Vorbild für Kinder, Jugendliche und Heimatfreunde in der Spreewaldstadt.