Für die Spreewaldregion bedeutete die streckenweise Eröffnung der Lübben-Cottbuser Kreisbahnen (LCK) zwischen dem 29. Mai 1898 und dem 7. Dezember 1899 ein großer Fortschritt. Im Volksmund war sie als Spreewaldbahn oder als "Spreewald-Guste" bekannt.

Landwirtschaftliche Produkte, Kohle, Raseneisenerz und Hölzer konnten in kürzester Zeit zum Handel und zur weiteren Verarbeitung in die Städte und Dörfer gebracht werden. Aber auch die Menschen profitierten von der Fahrt auf den Gleisen. Sie gelangten zu ihren Arbeitsplätzen, Behörden, Schulen, Märkten und Ausflugszielen. Es gab die größeren Teilstrecken Lübben-Straupitz mit 20,4 Kilometern Länge, Straupitz-Burg (13,5 km), Straupitz-Goyatz (13,9 km), Burg-Cottbus-Anschlussbahnhof (17,9 km), Byhlen-Lieberose sowie die kurze Anschlussstrecke von Goyatz zum Schwielochsee mit 700 Metern Länge.

Im Laufe der Jahre, besonders in den 1960ern durch den zunehmenden Kraftverkehr, verschlechterte sich die Wirtschaftlichkeit auf der Bahnstrecke. So wurden die jährlichen Betriebskosten nur noch zu einem Fünftel durch die Einnahmen gedeckt. Dazu kam eine Überalterung von Fahrzeugpark und technischen Anlagen. Die hohen Kosten für die Gewährleistung des reibungslosen Schienenverkehrs und einer hohen Betriebssicherheit wollten die Verantwortlichen im einstigen Bezirk Cottbus bei der Erstellung des Generalverkehrsplanes nicht übernehmen. Dass die Kleinbahn mit der 1000-Millimeter-Spurweite eines Tages eine wahre "Zug-Nummer" für den kommenden Tourismus werden könnte, auf die Idee kam keiner.

Bereits 1964 wurde der Streckenabschnitt Byhlen-Lieberose stillgelegt. Im Herbst 1967 folgte die Stilllegung des Reiseverkehrs zwischen Lübben und Straupitz. Am 12. November 1969 informierte die RUNDSCHAU über die Übernahme der Personenverkehrsleistungen der Spreewaldbahn durch den Kraftverkehr auf dem Teilabschnitt Cottbus-Straupitz-Goyatz ab dem 4. Januar 1970.

Eisenbahnfans, Technik-Liebhaber, Ortschronisten und Heimatfreunde waren bei der letzten Fahrt mit der "Spreewald-Guste" dabei. Es wurden die letzten Fotos von dampfender Lokomotive und rollendem Zug angefertigt.

Im Lübbenauer Spreewaldmuseum sind Zeugnisse der Spreewaldbahn ausgestellt. So kann man einen Blick auf die Tenderlokomotive "Lübben" (Baujahr 1897) mit der Nummer 995703 und auf einen kombinierten Post-Gepäck-Personenwagen (Baujahr 1909) werfen.