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| 02:50 Uhr

"Virtuelle Jagd nach neuen Freunden nimmt groteske Züge an"

Beim Elternabend konnten Eltern und Lehrer Fragen an vier Zehntklässler sowie an die Medienpädagogen Ansgar Sporkmann (l.) und Reiner Reuß (r.) richten.
Beim Elternabend konnten Eltern und Lehrer Fragen an vier Zehntklässler sowie an die Medienpädagogen Ansgar Sporkmann (l.) und Reiner Reuß (r.) richten. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Calau. Marie, Chantal, Marielle und Lucas besuchen die 10. Klasse der Robert-Schlesier-Oberschule in Calau. Uwe Hegewald/uhd1 uhd1

Donnerstagabend standen sie als Ansprechpartner bereit, um Fragen von Eltern oder Pädagogen zum Thema Internet und soziale Netzwerke zu beantworten. Der Elternabend bildete den Rahmen des bundesweit durchgeführten Medienkurses "Firewall Live", der in Calau Station gemacht hat.

Die Zehntklässler wissen um die Vorzüge unbeschwerten Stöberns im Internet und Chattens mit Freunden: "Interessen teilen", Neuigkeiten austauschen", "Treffen vereinbaren" oder "neue Freunde kennen lernen", zählen zu den häufigsten Antworten, warum sich Schüler ein Leben ohne Handy oder Smartphone nicht mehr vorstellen können oder wollen.

Doch das grenzenlose Spiel mit der digitalen Welt birgt Gefahren: Die Jagd nach "neuen Freunden", insbesondere auf Facebook, nehme bisweilen groteske Züge an, bestätigen die Medienpädagogen von Firewall Live, Reiner Reuß und Ansgar Sporkmann. "Durchschnittlich besitzt ein Jugendlicher 256 Freunde, es sind aber auch Fälle bekannt, wo Jugendliche über 500 Adressen gesammelt haben", zeigt sich Reiner Reuß nachdenklich.

Viele kennen die "neuen Freunde" noch nicht einmal persönlich. Riskant werde es, wenn dann noch bedenkenlos Handy-Nummern, E-Mail-Adressen oder Anschriften ausgetauscht würden. "Es gibt genügend schwarze Schafe, die sich über soziale Netzwerke Kontakte zu Kindern verschaffen, um sie für ihre Interessen zu gewinnen", mahnt er. "Heute stehen diese Personen nicht mehr vor den Schulen. Nein, sie gehen in die sozialen Netzwerke und holen die Heranwachsenden dort ab", gibt er zu bedenken. "Da genügen bereits persönliche Profileinstellungen, bei denen Interessen und Hobbys herausgefiltert werden, um Kontakte aufzubauen."

Reiner Reuß und Ansgar Sporkmann begrüßen es, wenn Eltern Kenntnisse über die Profileinstellungen ihrer minderjährigen Kinder besitzen. Darüber hinaus appellieren die beiden Medienpädagogen, den Kindern ein besonnenes und faires Verhalten im World Wide Web zu vermitteln. "Regeln, die im Alltag eine Rolle spielen, sollten auch im Internet gelten", betonen beide. Die Firewall-live-Trainer warnen: Allein schon das Einstellen von Fotos oder Videos ohne das Einverständnis darauf abgebildeter Personen könne zu Problemen führe. Oftmals würde damit eine erste Schwelle übertreten, die später in Cybermobbing mündet. Aktuellen Studien zufolge wurde bereits jeder sechste Schüler in Deutschland Opfer von Cybermobbing.

"Das Problem nimmt zu. Kinder leiden, ziehen sich oftmals komplett zurück oder werden krank", warnt Ansgar Sporkmann. Er rät: Kinder in dieser Situation nicht allein zu lassen und er rät, sich professionelle Hilfe zu holen.

Zum Thema:
Mit ihrem gemeinsamen Aufklärungsprojekt "Firewall Live" wollen die Knappschaft und der Deutsche Kinderschutzbund Cybermobbing vorbeugen. "Wir sind dankbar für das Angebot, das Projekt auch in Calau durchzuführen", sagt Kerstin Wussow, Vertriebsleiterin der Knappschaft in Cottbus. Bisher sei Firewall Live bundesweit an 15 Schulen angeboten worden. uhd1