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Malermeister Hemut Hanusch blickt zurück
Viele Farbspuren in Vetschau gelassen

Malermeister Helmut Hanuschhat seinen 90. Geburtstag gefeiert und blickt zurück.
Malermeister Helmut Hanuschhat seinen 90. Geburtstag gefeiert und blickt zurück. FOTO: Peter Becker
Vetschau. Malermeister Helmut Hanusch blickt auf arbeitsreiche Jahre zurück.

Erst wenige Tage liegt der 90. Geburtstag von Helmut Hanusch zurück. Gemeinsam mit der Familie, Freunden und Weggefährten wurde „bei Löwas“, wie die Vetschauer ihre Stammkneipe nennen, gefeiert. Helmut Hanusch will es selbst kaum glauben, dass er dieses hohe Alter erreicht hat: „Vieles hätte schiefgehen können, ich habe einfach nur Glück gehabt“, sagt der geistig sehr fit gebliebene Malermeister.

Als Jüngstes von drei Geschwistern wurde Helmut Hanusch in Vetschau, Am Markt geboren – „bei Linkes“, wie er unbedingt ergänzt haben möchte. Und er legt Wert darauf festzustellen, dass er halb Hugenotte, ein Viertel Wende und ein Viertel Deutscher ist, wie seine Ahnenforschungen später ergeben haben.

Vater und Großvater waren beide Malermeister. Die Söhne sollten es auch werden. Nach der achten Klasse ging es in die Lehre. „Ich hatte nur Einsen und Zweien, in Schrift aber eine Vier – beste Voraussetzungen für den Malerberuf“, blickt er zurück. Die eigentlich dreijährige Ausbildung wurde auf zwei Jahre verkürzt, die Gesellenprüfung vorgezogen. Der in Europa tobende Krieg brauchte Nachwuchssoldaten. Helmut Hanusch kam erst mal zum Arbeitsdienst. In Polen und später in Frankreich war er in Flak-Stellungen tätig. Wegen seines Zeichentalentes blieben ihm die gröberen Arbeiten erspart. Er musste die Lage der Stellungen in der Umgebung maßstabsgerecht zu Papier bringen und als Batteriezeichner andere ähnliche Aufgaben erledigen.

Ohnehin künstlerisch begabt, war ihm das ein Leichtes. Schon im Alter von zehn Jahren konnte er Geige, Flöte und etwas später auch Akkordeon spielen.  „Die Flaksoldaten meiner Pariser Stellung hatten zwar zwei Geigen – woher auch immer – aber keinen Geiger“, so dass ich quasi zur Truppenunterhaltung ranmusste.

Nach der Invasion der Alliierten ging es Ende 1944 schnell rückwärts. Im süddeutschen Sandhausen traf er auf den Festungskommandanten Helmut Schmidt, den alle nur „Schmidt-Schnauze“ nannten. „Wir kannten ihn immer nur grinsend und ständig rauchend – immer wenn ich den späteren Bundeskanzler im Fernsehen sah, musste ich an unsere gemeinsame Zeit denken“, sagt Helmut Hanusch.

Es folgte eine Gefangenschaft unter sehr schwierigen Bedingungen. „Morgens und abends gab es nur eine Wassersuppe, mit ab und zu einem Möhrenstückchen drin“, erinnert er sich an die Zeit voller Hunger und schwerer Arbeit in einer französischen Fabrik. Gesundheitlich angeschlagen, verschickten ihn seine Bewacher in die Gegend von Marseille zu einem Winzer. „Der hatte zwar auch nicht viel zu Essen, aber jede Menge Wein. Zum an sich kargen Frühstück und Abendbrot gab es eine Flasche Rotwein – das hat den Hunger betäubt und mich wieder auf die Beine gebracht“, erinnert sich Helmut Hanusch an die drei Jahre Gefangenschaft in Südfrankreich. Noch heute besuchen sich die Familien gegenseitig, erst kürzlich war ein Mitglied der Winzerfamilie aus Frankreich zu Besuch in Vetschau.

Vater Max Hanusch war froh, wenigstens einen seiner beiden Söhne wieder daheim zu wissen. Der Ältere fiel im Krieg, der Jüngere kam 1948 ausgemergelt zurück -„mit einem bestimmten aber nicht zu befriedigenden Hang zum Weinen“. Es gab viel zu tun, beide Maler haben in Vetschau und Umgebung ihre Spuren hinterlassen, beispielsweise bei der Sanierung der Wendischen Kirche, des Rittersaals, in den Schulen, besonders im Schulneubau in Missen und in zahlreichen Wohnungen. Zwischenzeitlich absolvierte Helmut Hanusch noch ein Kunststudium in Potsdam.

Auch privat ging es voran. Vom Hörensagen wusste er, dass im Vetschauer Schützenhaus nicht zum ersten Mal eine hübsche Berlinerin abgestiegen sei. „Die schaue ich mir mal an“, erklärte der junge Maler, der ohnehin auf Brautschau war, seinen Freunden. Die Dinge entwickelten sich und 1951 wurde geheiratet. Mit seiner Sabine zogen sie zwei Kinder groß, die 1954 geborene Almut und den 1958 geborenen Helge. Beide gingen später ihre Wege und wurden beruflich erfolgreich. Sohn Helge ist heute bei Ulm als Maler tätig, „in der vierten Hanusch-Malergeneration“, so der stolze Vater.

Helmut Hanusch blieb in den DDR-Jahren selbständig, auch nachdem er von seinem Vater das Geschäft übernommen hatte. Für die Handwerkskammer nahm er als Obermeister zahlreiche Meisterprüfungen ab, „so an die 300 bis 400 werden es schon gewesen sein“, erinnert er sich. Heute lebt er allein in dem von ihm vor Jahrzehnten erbauten Haus in der Vetschauer Schlossstraße. Seine Sabine ist 2003 für immer gegangen. Täglich schaut der Pflegedienst vorbei und kümmert sich um ihn. „Die Knochen wollen nicht mehr so, der Geist dafür umso mehr“. lautet seine Einschätzung. Er kann sich an alles und jeden erinnern, nennt Namen, Ereignisse und Jahreszahlen – nichts ist bei ihm in Vergessenheit geraten.

Im Jahr 1951 hat Helmut Hanusch die Berlinerin Sabine Zimmermann geheiratet
Im Jahr 1951 hat Helmut Hanusch die Berlinerin Sabine Zimmermann geheiratet FOTO: Peter Becker