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RUNDSCHAU-Sommertour
Viel Mist und Gülle – aber keiner riecht's

In sechs Metern Höhe genießen die einen mit Kersten Kühnel (r.) gleich einen Blick ins Auge der Anlage und die anderen einen über die nahen Wiesen.
In sechs Metern Höhe genießen die einen mit Kersten Kühnel (r.) gleich einen Blick ins Auge der Anlage und die anderen einen über die nahen Wiesen. FOTO: Hannelore Kuschy
Calau. Milch soll müde Männer munter machen – diesmal gönnt sich auch Helmut Richter einen Schluck Biomilch. Der Geschäftsführer der Bäuerlichen Produktionsgemeinschaft Saßleben hat am Vorabend mit seinen Mitarbeitern Ernteabschluss gefeiert… Ob die Milch mit der Biogasanlage zu tun hat, die gerade von knapp 30 RUNDSCHAU-Sommertour-Gästen besucht wird? Irgendwie schon. Hannelore Kuschy

Denn die 300 Milchkühe liefern Mist und Gülle - 70 Prozent des Rohstoffs für die Anlage, die vor drei Jahren noch skeptisch von Kritikern beäugt wurde, die heute aber niemand im Raum Calau wirklich merkt. Lediglich der 11 000 Kubikmeter große Lagerraum für Mist und Gülle gibt durchaus verträgliche Gerüche frei. Helmut Richter nennt gleich mal die drei Gründe, warum er für die Anlage 2,7 Millionen Euro investiert hat: "Erstens wollte ich Dung ausbringen, wenn ihn die Pflanze wirklich braucht. Zweitens wollte ich den Gestank aus der Region wegkriegen und drittens mit der Stromerzeugung Geld verdienen." So seien die Landwirtschaft und die Biogasanlage eine untrennbare Einheit. Zudem würde das Unternehmen einen Großteil der erzeugten Wärme selbst nutzen, etwa zur Trocknung des Getreides.

Bei 41 Grad Celsius würden Mist, Gülle, auch minderwertiges Getreide und Mais vergast. Was dabei zurückbleibt, sind die Gärreststoffe, an denen mal geschnuppert werden darf. Anlagenbetreuer Kersten Kühnel hält einen Becher mit der dickflüssigen graugrünen Masse vor die Sommertour-Nasen. "Diese Reststoffe sind eine wichtige Komponente zur Ertragsbildung", stellt Helmut Richter fest, 15 bis 20 Kubikmeter würden pro Hektar ausgetragen und lieferten den Pflanzen die Nahrung, die sie für ein gutes Wachstum brauchten.

In sechs Metern Höhe schaut Marion Buchler aus Bischdorf, die mit ihrem Enkel Dennis hier ist, durch ein Bullauge in die riesige Anlage. "Dort sieht es aus wie in einer Tropfsteinhöhle." "Oder als würde Teig vom Löffel fallen", findet Doris Harz aus Neupetershain Nord. Mit ihrem Mann Konrad habe sie fast jede Sommertour mitgemacht, erzählt sie. Dieter Rieger, früher im Kraftwerk Lübbenau beschäftigt, interessiere das Thema Energieerzeugung deshalb sehr, wie er sagt. Ob auch Kartoffeln, Möhren oder Rüben in der Anlage verarbeitet werden können, will Willi Richter aus Ranzow wissen. Er selbst habe 47 Jahre in der Landwirtschaft gearbeitet. Möglich sei das schon, erläutert Kersten Kühnel. "Aber es ist besser, Kontinuität zu halten, sonst macht die Anlage nicht mit."

Und weil mit der Anlage Geld verdient wird, kann Helmut Richter heute daran denken, als nächstes drei Millionen Euro in einen hochmodernen Stall für seine Milchkühe zu investieren. Dann erst recht: Prost Biomilch, auch beim Herbstfest am 16. September.

Zum Thema:
Die Bäuerliche Produktionsgemeinschaft mit 30 Beschäftigten, sechs Saisonarbeitern und fünf Azubis besteht seit 1991 und hat 2007 voll auf ökologische Produktion umgestellt. 1060 Hektar werden landwirtschaftlich genutzt. 300 Kühe geben Biomilch, die in Saßleben an einer Milchtankstelle gekauft werden kann - derzeit zwischen 7 und 16 Uhr.