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| 02:42 Uhr

Viel erfahren über Vogelschutz an Freileitungen

Vogelschutz an Freileitungen wird vor dem Vetschauer Storchenzentrum demonstriert. Winfried Böhmer vom Nabu-Regionalverband Calau erklärt ihn für Stefan Ferger von Euronatur aus Radolfzell am Bodensee, Paulin Zhelev, Stilyana Yaneva, Polya Mihtieva und Gradimir Gradev (v. l.) von Green Balkans im bulgarischen Plovdiv.
Vogelschutz an Freileitungen wird vor dem Vetschauer Storchenzentrum demonstriert. Winfried Böhmer vom Nabu-Regionalverband Calau erklärt ihn für Stefan Ferger von Euronatur aus Radolfzell am Bodensee, Paulin Zhelev, Stilyana Yaneva, Polya Mihtieva und Gradimir Gradev (v. l.) von Green Balkans im bulgarischen Plovdiv. FOTO: H. Kuschy
Vetschau. Ausgerechnet ein von der EU gefördertes Projekt zur Wiederansiedlung von Rötelfalken in Bulgarien führt vier Natur- und Vogelschützer vom Balkan in den Spreewald – dorthin, wo es gar keine Rötelfalken gibt. Aber hier gibt es jahrelange Erfahrungen beim Vogelschutz an Freileitungen. Und das kann auch für die Rötelfalken lebenswichtig sein. Hannelore Kuschy

"Abenteuerlich" nennt der international bekannte Vogel-Experte Winfried Böhmer aus Vetschau den Vogelschutz an Freileitungen in Bulgarien. Er war im vergangenen Jahr auf Einladung der bulgarischen Naturschutzorganisation Green Balkans dorthin gereist, um über hiesige Erfahrungen auf dem Gebiet zu berichten. Jetzt sind vier Mitstreiter von dort im Spreewald, um sich in der Praxis umzusehen. An ihrer Seite Stefan Ferger von Euronatur aus Radolfzell am Bodensee.

Projekt gestartet

Zur Wiederansiedlung des in Bulgarien ausgestorbenen Rötelfalkens hat Green Balkans gemeinsam mit der spanischen Organisation DEMA und der deutschen Euronatur das Projekt zur Verbesserung der Lebensbedingungen für den Rötelfalken in Bulgarien ins Leben gerufen. Gefördert wird es innerhalb des Programms LIFE durch die Europäische Union.

"Die letzte natürliche Brut eines Rötelfalken in Bulgarien hat es 1989 gegeben", erzählt Projektleiter Gradimir Gradev aus Plovdiv. Jetzt soll der anmutige, in Kolonien brütende Falke wieder angesiedelt werden. Das Projektgebiet, so beschreibt Stefan Ferger, liegt im Herzen des Europäischen Grünen Bandes - ein grenzübergreifendes internationales ökologisches Netzwerk entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs. Naturliebhaber erleben in der Region Sakar einen einzigartigen Schatz biologischer Vielfalt, Vögel wie Kaiseradler, Adlerbussard, Schwarzmilan, Wiedehopf und Blauracke. Auch der Rötelfalke soll wieder dazu gehören. Sein Leben und das vieler anderer Vögel hängt in Bulgarien, abgesehen von der Vogeljagd, die es auf dem Balkan noch immer gibt, auch am fehlenden Schutz an Freileitungen, die sich auch nahe der Auswilderungsstation befinden.

Der Vogelschutz habe dort nicht wie bei uns eine gesetzliche Grundlage, erklärt Winfried Böhmer und hat die Runde deshalb um Thomas Miedling von En viaM und Eric Neuling vom Nabu-Bundesverband erweitert. "Wir besuchten BSD Dresden, eine Firma, die Vogelschutzabdeckungen produziert und die Montage unter Spannung demonstriert hat", erzählt Winfried Böhmer. Denn wie Stefan Ferger sagt, habe die EU Mittel für 200 vogelsichere Masten in Bulgarien bereitgestellt - ein Anfang.

Viele Leitungen verkabelt

Bei Buchwäldchen nahe Calau haben die Gäste einen Mast gesehen, der schon dreimal nachgerüstet wurde. Viele Leitungen, so Böhmer, würden jetzt bereits verkabelt. Das sei natürlich die beste Lösung für den Vogelschutz. Über Jahre seien beim Vogelschutz an Freileitungen auch im Spreewald Fehler gemacht worden, "die andere nicht nachmachen müssen", so Böhmer. So passiere es noch immer, wenn auch selten, dass Störche an Freileitungen verenden.

Beispiel: Briesen bei Laasow im vorigen Frühjahr. An der 20 000-Volt-Leitung hätte ein Storch wohl nicht verunglücken müssen. Wie Vogelfreunde herausgefunden hatten, war er auf den frei zugänglichen Isolatoren gelandet - für große Vögel ist das tödlich. Auch Büschel auf dem Mast zur Gefahrenabwehr erweisen sich immer wieder als wenig nutzbringend. Stattdessen wurden auch dort bei Briesen Abdeckhauben über die Isolatoren gesetzt.

Praktikum im Havelland

Die Feld-Assistentin Polya hatte 2015 bereits ein Praktikum bei Großtrappen im Havelland absolviert. Ihre drei Kollegen sind erstmals in Deutschland, haben Ökologie oder Biologie studiert. Sie alle begannen einst freiwillig, sich für den Naturschutz zu interessieren, "denn wir haben noch viel tolle Natur", sagt Projektleiter Gradimir. Naturschutz kenne keine Grenzen, sei international, ergänzt Stefan Ferger. Deshalb wolle er gemeinsam mit seinen Partnern von Green Balkans helfen, das Naturerbe in Europa zu erhalten.