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| 02:41 Uhr

Vetschaus "Goldener Stern" mit Kegelbahn

Das Gasthaus Zum Goldenen Stern gilt zu den etablierten Häusern in der Vetschauer Altstadt. Während des Zweiten Weltkrieges zerstört sind in dem Haus nach Wiedereröffnung ununterbrochen Gäste bewirtet worden.
Das Gasthaus Zum Goldenen Stern gilt zu den etablierten Häusern in der Vetschauer Altstadt. Während des Zweiten Weltkrieges zerstört sind in dem Haus nach Wiedereröffnung ununterbrochen Gäste bewirtet worden. FOTO: Uwe Hegewald/uhd1
Vetschau. Gastlichkeit wird im Spreewald großgeschrieben. Sie hat in der Lagunenlandschaft, in der Calauer Schweiz und entlang der Berste eine lange Tradition. In loser Folge stellt die RUNDSCHAU historische Gasthäuser vor. Heute: Gasthaus "Zum Goldenen Stern", Vetschau. Uwe Hegewald / uhd1

Magdeburger Sauerkohl, Viktoria-Erbsen, Sardinen und italienische Makkaroni zählen zu den kulinarischen Raritäten, die 1881 im Vetschauer Wochenblatt angeboten werden. Inserent ist F. W. Loewa, der gelegentlich auch mit Baumaterial handelt. "Das F steht für Fritz. Alle Männer unserer Vorgängergeneration trugen diesen geläufigen Vornamen", sagt Wilfried Loewa. Erst bei ihm riss die Serie. Doch er trägt es mit Fassung.

Geblieben ist das geschäftstüchtige Profil der Familie Loewa, das bis in die Gegenwart hineinreicht. "1994 haben wir das Gasthaus von unseren Eltern übernommen und ausgebaut", erzählen Anneliese und Wilfried Loewa, die bis heute Regie im Jubiläums-Gasthaus führen. Vor 125 Jahren ist das Gebäude in der Cottbuser Straße, als östliches Tor zum Markt, errichtet worden. Aus dem Jahr 1900 ist eine Fleischerei Fritz Loewa mit Ausschank belegt. "Fleischerei und Landwirtschaft waren über viele Jahre weitere Standbeine, die sich sehr gut mit der Gastronomie ergänzten", blickt Anneliese Loewa zurück. Bis in das schicksalshafte Jahr 1945. Die Front rückte auf Vetschau zu, was Unbekehrbare dazu bewog, die Rote Armee an der Nahtstelle von Kirch-, Cottbuser- und Hellmannstraße mittels Tankwagen-Barrikade aufhalten zu wollen. In Folge von Explosionen wurden zwei Grundstücke des heutigen Brunnenplatzes sowie das Anwesen der Familie zerstört.

1955 erfolgte die Wiedereröffnung, trotz Produkt- und Warenknappheit, die sich bis zu Wiedervereinigung hinziehen soll. "Dass meine Eltern in ihrer HO-Kommissions-Gaststätte auch Kaffee aufbrühen konnten, hatten sie einem Funktionär zu verdanken. Der wollte auf seine Tasse Bohnenkaffee nicht verzichten", weiß Wilfried Loewa von Aussagen seiner Eltern zu berichten.

Was er nicht weiß, ist der Grund, wann und warum dem Gasthaus der Name "Zum Goldenen Stern" verliehen wurde. Drei Straßen weiter gab es einen "Goldenen Anker", verweist er auf vergangene "goldene Zeiten" in der Vetschauer Altstadt.

Werden Gasthäuser mit Sternen in Verbindung gebracht, setzt das in der Regel exklusives Gourmet-Niveau auf, das die Loewas jedoch nicht für sich beanspruchen. Obwohl: Der Kartoffelsalat, den Annemarie Loewa zu DDR-Zeiten servierte, galt über die Stadtgrenzen hinaus als legendär. "Meine Schwiegermutter war uns noch viele Jahre nach dem familiären Inhaberwechsel eine wichtige Stütze und unverzichtbare Hilfe in der Küche", würdigt Anneliese Loewa familiären Beistand. Ohnehin sei es im Wirtshaus keiner Generation vergönnt gewesen, eine ruhige Kugel zu schieben.

Apropos Kugel schieben: 1970/71 ist im hinteren Teil des Objektes eine Bohle-Kegelbahn errichtet worden. Wo sich einst Ställe befanden und noch bis in den 1950er Jahren Viehauftriebe stattgefunden hatten, kann heute auf vier Bahnen gekegelt werden. "Zweifellos stellt die Anlage für unser Gasthaus eine Bereicherung dar. Hin und wieder nutzen Gäste im Rahmen ihrer Familienfeiern die Gelegenheit zu einem kleinen Kegelwettbewerb", benennt Wilfried Loewa Vorzüge.

Mit dem Durchführen von Feierlichkeiten, dem Tagesgeschäft und Kegelbahnbetreuung komme keine Langeweile auf. Neuen Trends steht das Gastwirtspaar aufgeschlossen gegenüber. Wie im vergangenen Jahr, als zur 1. Vetschauer Musiknacht Hof und Biergarten zur Open Air-Kulisse erhoben wurden. Bei einer Neuauflage würde sich das Gasthaus abermals in das Musikfestival einreihen, um Musikern im Goldenen Stern eine künstlerische Plattform zu geben.