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| 18:42 Uhr

Markteröffnung in Vetschau trotz Anwohnerkritik
Rewe eröffnet trotz Widerstand

 Konnten den Rewe-Bau nicht verhindern: Siegmund Streidt (l.) und Herbert Wünsche. Die Anwohner stehen der Eröffnung am Mittwoch kritisch gegenüber. Ihre Hauptbeschwerden: laute Warenanlieferung früh um sechs, zu geringe Abstandsflächen, keine Rettungswege und eine katastrophale Parksituation.
Konnten den Rewe-Bau nicht verhindern: Siegmund Streidt (l.) und Herbert Wünsche. Die Anwohner stehen der Eröffnung am Mittwoch kritisch gegenüber. Ihre Hauptbeschwerden: laute Warenanlieferung früh um sechs, zu geringe Abstandsflächen, keine Rettungswege und eine katastrophale Parksituation. FOTO: Hofmann Rüdiger
Vetschau. Nach rund einjähriger Bauzeit kann ab Donnerstag im neuen Vetschauer Markt eingekauft werden. Für die Stadt eine Großinvestition, für die Anwohner eine Zumutung. Von Rüdiger Hofmann

Sie fühlen sich machtlos und wütend: Siegmund Streidt, Herbert Wünsche und Anneliese Stein-Siemon schauen auf die neu entstandene Rewe-Filiale mit Rossmann und Bäckerei. Sie und weitere Anwohner haben sich seit Monaten über den Bau am Standort des ehemaligen Kulturhauses in Vetschau beschwert. Verhindern konnten sie ihn nicht. Am Mittwochnachmittag ist es nun so weit: Nach rund einjähriger Bauzeit wird der Markt eröffnet. Dann laden Kaufmann Danny Wedekind und sein Team zum offiziellen Empfang in die Kleine Bahnhofstraße. Marktbegehung mit Sekt-
empfang inklusive.

Der Sekt dürfte den Anwohnern im Halse stecken bleiben, wenn man ihnen einen Tag vor der Eröffnung zuhört. Katerstimmung verursacht das fünf Millionen teure Bauvorhaben mit den damit verbundenen Einschränkungen, vor allem aber der jetzige Zustand der Grundstücke und Zufahrten. „Aus den ursprünglich uns zugesicherten sechs Wochen sind inzwischen elf Monate geworden, in denen wir keine Anliegerzufahrten haben“, sagt Herbert Wünsche. Ganz zu schweigen von Rettungskräften, die im Notfall an die Häuser gelangen müssten. „Wie ich künftig meinen Flüssiggastank auffüllen soll, ist mir auch völlig unklar. Ich müsste mir erst eine Genehmigung für das Durchfahren des Rewe-Areals holen, um zu meinem Haus zu kommen“, so Wünsche.

 Herbert Wünsches Wohnhaus ist zu einem Inselgrundstück geworden: Mit dem Fahrrad kommt er nur noch durch sein Fotoatelier dort hin.
Herbert Wünsches Wohnhaus ist zu einem Inselgrundstück geworden: Mit dem Fahrrad kommt er nur noch durch sein Fotoatelier dort hin. FOTO: Hofmann Rüdiger

Siegmund Streidt hingegen steht ab sofort jeden Morgen ab sechs Uhr senkrecht im Bett. „Dann werden die Waren angeliefert, das scheppert unglaublich. Wir wohnen unmittelbar daneben. Und der Motor der Lieferfahrzeuge bleibt die gesamte Zeit über an.“

Nächstes Problem sind die fehlenden Parkmöglichkeiten der Anwohner, da sie – und im Falle von Anneliese Stein-Siemon ihre Pensionsgäste – nicht mehr mit ihren Autos auf das Grundstück gelangen. „Also müssen wir woanders parken, etwa in der Bahnhofstraße. Mit dem Ergebnis, dass man mir den Außenspiegel abgefahren hat, und ich bereits drei Strafzettel für falsches Parken erhalten habe“, so Siemon.

Sie hat sich nun mit einem Schreiben an das Ordnungsamt gewendet. „Überzeugen Sie sich bitte vor Ort von der Verkehrsdichte im Abschnitt der Bahnhofstraße durch Bau- und Lieferfahrzeuge in die Innenstadt und den Pkw-Verkehr. Der von Ihnen erlaubte Fahrradverkehr in entgegengesetzter Richtung ist lebensgefährlich, da kein Ausweichen bei starkem Gegenverkehr möglich ist“, heißt es im Brief. Negative Bewertungen ihrer Gäste im Internet hellen die Stimmung da ebenso wenig auf wie der Wertverlust der Grundstücke. Die Anwohner prüfen nun die Option einer Sammelklage, um Entschädigungen geltend zu machen.

Und dennoch: „Eine rechtskräftige Baugenehmigung für das Vorhaben wurde durch die untere Bauaufsichtsbehörde erteilt“, hatte Marlen Weser, Pressesprecherin des Landkreises Oberspreewald-Lausitz, im Herbst 2018 mitgeteilt. Das tröstet die Anwohner nicht. „Der Bebauungsplan wurde damals falsch aufgestellt“, sagen sie. „Einwände von uns wurden den Interessen des Bauherrn untergeordnet.“ Der heißt Helmut Schmid – und kommt aus Quickborn.