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| 16:18 Uhr

Rundschau-Serie: Ehrenamt in Oberspreewald-Lausitz
„Wenn ich nicht raus kann, werde ich krank“

FOTO: Uwe Hegewald
Vetschau. Ohne Ehrenamt wäre das Leben im Landkreis OSL nicht so bunt, wie es ist. Für ihr Wirken wird verdienstvollen Bürgern regelmäßig gedankt. Doch wer sind diese engagierten Leute? Die RUNDSCHAU geht auf Personensuche. Heute: Karsten Rasch (Vetschau). Von Uwe Hegewald

Für Katharina Maier im Vetschauer Rathaus steht fest: „Wenn es einer verdient, für ehrenamtliches Engagement gewürdigt zu werden, dann führt an Karsten Rasch kein Weg vorbei. Es ist schon bemerkenswert, wie er sich für seine Stadt einbringt“, begründet sie.

Als der 39-Jährige von diesen Lobesworten hört, winkt er ab. „Ich helfe doch gerne und es macht mich auch ein bisschen stolz, gebraucht zu werden“, sagt er. Dabei ist es ihm völlig egal, welche Hilfeleistungen er ausübt. Kleinere Kurierdienste oder das Verteilen von Veranstaltungsplakaten und Faltblättern zählen dazu, wie auch das Bereitstellen von Fotografien, die er bei öffentlichen Veranstaltungen macht.

„Das Fotografieren hat sich zu einem meiner Hobbys entwickelt. Spezielle Themen gibt es nicht. Ich fotografiere eigentlich alles, was mir vor die Linse kommt“, so Karsten Rasch. Und das ausgesprochen erfolgreich, was der Vetschauer Fotowettbewerb 2017 belegt. „Bei diesem konnte ich mit meiner Aufnahme von zwei Mädchen in Spreewälder-Tracht den Publikumspreis und den Jurypreis gewinnen“, erzählt der Hobbyfotograf. Gelungen ist ihm die Aufnahme in Raddusch, beim Kahnkorso zum Brandenburger Dorf- und Erntefest, im September 2017. „Die Mädels hatten beim Erklingen der Annemarie-Polka im Kahn mitgeschunkelt und ich genau den richtigen Platz gehabt, um diesen Moment mit der Kamera festzuhalten.“ Einer Publikation zum Landeserntefest habe er weitere Fotos beigesteuert und dafür von den Radduschern um Spreewaldfotograf Peter Becker ein Belegexemplar geschenkt bekommen.

Neben der Fotografie hat Karsten Rasch das Fahrradfahren für sich entdeckt. Ausflüge von seiner Heimatstadt Vetschau bis in den Altdöberner Park und zum Großräschener Hafen sind keine Seltenheit. „Ich war auch schon in Peitz, um mir dort den entstehenden Ostsee anzuschauen“, erzählt der leidenschaftliche Radler, der im kommenden Jahr Großes vorhat. Dann will er ein paar Tage im Elbsandsteingebirge den Elberadweg entlangradeln. Als siebenfacher Rad-Teilnehmer am Spreewald-Marathon sieht er sich für diese Herausforderung bestens gewappnet. Dass er schon als Kind gern gewandert ist und es ihn bis heute nach draußen zieht, lässt er nicht unerwähnt: „Wenn ich nicht raus kann, werde ich krank.“

Selbstverständlich sind die aktuellen Aktivitäten und Vorhaben nicht, muss der Vetschauer doch seinen Alltag mit einem Handicap schultern. „Ich bin von Geburt an geistig schwerbehindert. Was genau damals schiefgelaufen ist, weiß ich aber nicht“, so Karsten Rasch, der das Klinikum erst im Alter von drei Jahren verlassen konnte. Zwischenzeitlich wuchs er bei seinen Eltern, der Großmutter und in einem Heim auf. In Vetschau lebt er seit mehr als 20 Jahren. „Hier fühle ich mich wohl, habe Freunde, auf die ich mich verlassen kann“, erzählt er. Einmal in der Woche bekommt er Besuch von einer Betreuerin, die ihm insbesondere beim „Abarbeiten von Schreibkram“ zur Seite steht. Dieser sei auch angefallen, als für eine Dauer von acht Jahren die Vereinsarbeit des Behindertenverbandes der Ortsgruppe Vetschau fast komplett in seinen Händen lag. „Zur Zeit ruht die Arbeit, es zeichnet sich aber eine Wiederbelebung unserer Ortsgruppe ab“, sagt Rasch und macht das an aussichtsreichen Gesprächen fest. Neben regelmäßigen Treffen und gelegentlichen Ausflügen sollen auch wieder die beliebten Weihnachtsfeiern aufleben.

Karsten Rasch würde sich im Rahmen seiner Möglichkeiten einbringen, ohne dabei seine beruflichen Verpflichtungen zu vernachlässigen. Werktags macht sich der 39-Jährige auf den Weg in die Werkstätten der Arbeiterwohlfart (Awo) in Lübbenau, wo er sich in der Außenreinigung nützlich macht. Einer seiner Jobs beinhaltet das Reinigen einer Schulsporthalle, noch bevor die ersten Kinder ins Gebäude strömen. Dass seine bis 13.15 Uhr währende Schicht bereits um 6 Uhr beginnt, stört den Vetschauer nicht. „Ich mache die Arbeit gern. Das liegt auch daran, dass ich einen netten Gruppenleiter an meiner Seite habe“, begründet er.

Überhaupt sucht der Vetschauer den Kontakt zu Mitmenschen. Die jährlichen Teilnahmen an dem Sportfest für Menschen mit Behinderungen in Groß Beuchow und am Karneval in Großräschen zählen etwa zu den Höhepunkten, die er sich dick im Terminkalender ankreuzt. Für den kommenden Karneval für und mit Menschen mit Behinderungen ist er inzwischen schon gebeten worden, die ausgelassene Stimmung im Großräschener Kurmärker mit der Kamera festzuhalten.