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| 11:47 Uhr

Stadtverordnete fassen einstimmig Beschluss
Vetschau wird pestizidfreie Stadt

Vetschau verzichtet künftig auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln im kommunalen Bereich.
Vetschau verzichtet künftig auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln im kommunalen Bereich. FOTO: dpa / Patrick Pleul
Vetschau. Stadtverordnete beschließen einstimmig den Antrag von Bündnis 90 / Die Grünen. Von Rüdiger Hofmann

Die Stadt Vetschau verzichtet künftig auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln im kommunalen Bereich. Ein diesbezüglicher Antrag der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen ist in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung einstimmig beschlossen worden. Bereits im vorangegangenen Wirtschafts- und Hauptausschuss stimmten die Abgeordneten dafür, nun gaben auch alle der 17 anwesenden Stadtverordneten grünes Licht für den Antrag.

„Bei der Verpachtung kommunaler Flächen für eine landwirtschaftliche Nutzung wird künftig ein Verbot von Pestiziden in den Pachtverträgen verankert“, erklärt Winfried Böhmer, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90 / Die Grünen, den Antrag. Bienen- und insektenfreundliche Blühflächen und Projekte würden in der Folge initiiert.

In der Begründung des Antrags bezieht sich die Fraktion auf eine Feststellung des Bundesumweltministeriums. „Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln trägt wesentlich zum Verlust der biologischen Vielfalt bei“, heißt es darin. Gemeint ist damit konkret: Es kommt zur unmittelbaren Schädigung von Wildpflanzen und -tieren einerseits und zu Schädigungen der Nahrungsnetze und dem Entzug der Nahrungsgrundlage von Wildtieren andererseits. Außerdem beeinträchtige ein übermäßiger Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auch die Qualität der Umweltmedien, insbesondere von Boden und Wasser.

Einsatzbereiche für Pflanzenschutzmittel sind vor allem die Landwirtschaft, die Forstwirtschaft und der Gartenbau. Daneben tragen weitere Anwender zu einer umwelt- und naturverträglichen Flächenbewirtschaftung bei. „Dem öffentlichen Sektor kommt eine besondere Vorbildfunktion zu. Ein kompletter Verzicht in Kommunen ist schon heute möglich, ohne die Unterhaltspflichten einer Gemeinde zu vernachlässigen“, heißt es in der Beschlussbegründung weiter.

In einer bundesweiten Initiative verzichten bereits 180 Kommunen auf den Einsatz von Pestiziden. „Für Vetschau kann das Vorhaben auch eine entsprechende Außenwirkung haben, zumal etliche Ortsteile im Biosphärenreservat Spreewald liegen“, sagt Winfried Böhmer. Städte und Gemeinden würden Pestizide häufig einsetzen, um Straßen, Wege sowie Spiel- und Sportplätze frei von Kräutern und Gräsern zu halten – je nach Standpunkt wird der unerwünschte Bewuchs als „Unkraut“, „Wildkraut“ oder „Beikraut“ bezeichnet. Die Pestizide können dann in Gewässer oder die Kläranlage gelangen.

Eine Möglichkeit, im kommunalen Bereich auf giftige Pestizide zu verzichten, besteht darin, das Thema „Wildkrautbewuchs“ schon bei der Planung von versiegelten Flächen zu berücksichtigen. Statt Pestiziden können bei Bedarf mechanische Verfahren wie Mähen, Handarbeit oder spezielle Wildkrautbürstenmaschinen eingesetzt werden. Eine weitere Alternative bedarf einer Menge Überzeugungsarbeit: ein verändertes „Schönheitsideal“ für Straßen, Wege und Plätze. Wie ordentlich eine Fläche aussehen sollte, hängt auch vom Einsatz von Pestiziden ab. Wege mit fließenden Übergängen statt schnurgeraden Kanten, Gräser und Kräuter auf öffentlichen Flächen. „Ein Mix aus intensiver und extensiver Pflege kann schön aussehen, den Erlebniswert steigern und einen Beitrag zu mehr innerstädtischer Biodiversität darstellen“, empfiehlt hierbei der BUND.