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| 17:20 Uhr

Tourismusmagnet schließt wegen Umbau
Slawenburg macht sechs Monate dicht

 Viele Bürger strömen in diesen Tagen noch einmal zur Slawenburg Raddusch – kurz vor der Schließung. Das Areal macht bis Frühjahr 2020 wegen Umbaumaßnahmen dicht.
Viele Bürger strömen in diesen Tagen noch einmal zur Slawenburg Raddusch – kurz vor der Schließung. Das Areal macht bis Frühjahr 2020 wegen Umbaumaßnahmen dicht. FOTO: Hofmann Rüdiger
Vetschau/Raddusch. Für die Umgestaltung der Ausstellungsräume und die Errichtung neuer Vitrinen schließt die Slawenburg in Raddusch bis Frühjahr 2020. Der jetzige Betreiber verfolgt noch andere Pläne. Von Rüdiger Hofmann

50 000 Besucher strömen durchschnittlich pro Jahr in die Slawenburg Raddusch. Sie gilt damit als der Vetschauer Tourismusmagnet. Doch damit ist nun vorübergehend Schluss: Die Burg schließt ab dem kommenden Montag, 23. September, bis Frühjahr 2020 ihre Pforten. Ausstellungsräume und Außengelände sind in diesem Zeitraum nicht begehbar. Letztmalig geöffnet hat die historische Stätte für Besucher jetzt am Wochenende.

„In erster Linie werden die Ausstellungsräume komplett umgestaltet“, sagt Franziska Riemann, Geschäftsführerin der Regionalen Entwicklungsgesellschaft Vetschau mbH (REG). Die REG ist seit Mitte des Jahres der neue Betreiber der Slawenburg. Die Stadt Vetschau hatte dem Verein Slawenburg Raddusch e.V. die Betreiberschaft gekündigt (die RUNDSCHAU berichtete). Sie selbst ist aber weiterhin Eigentümer der Burg.

Slawenburg-Exponate werden in Wünsdorf restauriert

Für die umfangreiche Umgestaltung des gesamten Ausstellungsbereiches wird das Architekturbüro Hermanns aus Münster gebunden, das bereits andere Ausstellungen in der Ausführung realisiert hat und sehr erfahren in der Planung ist, sagt Riemann. Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (BLDAM) mit Sitz in Wünsdorf wird ab der kommenden Woche alle Exponate aus den Vitrinen räumen, sie in Form einer Bestandsaufnahme listen, verpacken und anschließend nach Wünsdorf verfrachten, wo sie bei Bedarf restauriert werden.

 Zahlreiche Besuchergruppen schauen sich vor den geplanten Baumaßnahmen den Burginnenhof und die Ausstellung an.
Zahlreiche Besuchergruppen schauen sich vor den geplanten Baumaßnahmen den Burginnenhof und die Ausstellung an. FOTO: Hofmann Rüdiger

Im Frühjahr 2020 werden die Exponate nach Raddusch zurückgebracht. „Die dann eingebauten neuen Vitrinen werden nach modernsten konservatorischen Vorgaben angefertigt“, sagt Riemann. Konservatorische Vorgaben heißt: Klima-, Staub- und UV-Schutz werden großgeschrieben. Die österreichische Firma „Vitrinenbau Auer“ realisiert die Vitrinen, sie werden auswärts angefertigt und anschließend vor Ort aufgebaut.

Burgen in der Lausitz FOTO: christoph malcherowitz

Viele neue Exponate warten auf Slawenburg-Besucher

Auf viele Exponate mit völlig neuen Erkenntnissen dürfen sich Besucher ab dem kommenden Frühjahr freuen. Die Zeitspanne der Ausstellungsstücke erweitert sich von einer 13 000-jährigen auf eine 130 000-jährige Geschichte in der Niederlausitz. „Sie basiert dann auch auf Funden aus Jänschwalde, die in die Ausstellung nach Raddusch wandern“, sagt Franziska Riemann.

Heinersbrücker Fundstücke aus dem Tagebau Jänschwalde sind bereits vor etwa zehn Jahren aufgearbeitet worden. Einblicke in mehrere Tausend Jahre Siedlungsgeschichte hatten die damaligen Ausgrabungen entlang der dortigen Trasse der Kohlebahnanlage offenbart. Der Höhepunkt der vergangenen Jahre, die Jagd- und Schlachtplätze aus der Zeit des Neandertalers vor 128 000 Jahren, haben den Fundplatz Tagebau Jänschwalde schließlich berühmt gemacht. Aus dem Fundus wird es einzelne Stücke in Raddusch zu bestaunen geben.

 Eine der Vitrinen mit Fundstücken in der Ausstellung. Die Exponate werden zeitweilig ausgeräumt, gelistet, verpackt und nach Wünsdorf verfrachtet.
Eine der Vitrinen mit Fundstücken in der Ausstellung. Die Exponate werden zeitweilig ausgeräumt, gelistet, verpackt und nach Wünsdorf verfrachtet. FOTO: Hofmann Rüdiger

„In der Ausstellung soll es außerdem eine Darstellung des Originalfundes des Schöpfbrunnens der Slawenburg geben“, nennt Riemann eine weitere Neuheit. Eine Baustelle soll im Burginnenhof als Zeugnis der andauernden Konstruktionen in der Slawenburg mit lebensgroßen Figuren inszeniert werden.

Burgladen der Slawenburg wird erweitert

Den Burgladen werde es nach der Renovierung und Umgestaltung weiterhin geben, allerdings um viele neue Artikel und Souvenirs im Sortiment reicher. Besucher können sich über den jeweiligen Baufortschritt und sämtliche Maßnahmen informieren, denn die Slawenburg wird in der nächsten Zeit auch in den sozialen Netzwerken unterwegs sein.

„Wir wollen auch die visuellen Darstellungen (die sogenannte „Storyline“) innerhalb der Ausstellungskonzeption allumfassend überarbeiten“, sagt Riemann. Mit „wir“ meint sie das gesamte REG-Team, den Kurator und Archäologen Jens Lipsdorf, aber auch das Institut für Neue Industriekultur INIK GmbH aus Cottbus, das als Projektsteuerer im Auftrag der Stadt Vetschau agiert und bereits Anfang des Jahres den Businessplan „Geschäftskonzept zur Integration der Slawenburg in die REG“ vorgelegt hat.

Slawenburg-Umgestaltung kostet 2 Millionen Euro

Das Projekt „Dauerausstellung Slawenburg“ wird gefördert und ist finanziell abgesichert: So wird die Umgestaltung aus unterschiedlichen Töpfen finanziert: aus europäischen Mitteln und Bundes- sowie Landesmitteln aus dem Programm „InvestOST“. Die Gesamt-Bausumme beträgt rund 2 040 000 Euro, davon sind rund 1 660 000 Euro gefördert, teilt die REG-Geschäftsführerin mit.

Jedoch brechen in den nächsten sechs Monaten die Besuchereinnahmen weg. „Während der Schließzeit haben wir fortlaufende Kosten, wodurch wir das Team etwas reduzieren müssen“, sagt Franziska Riemann. Weiterhin beschäftigte Mitarbeiter würden sich dann vor allem um strategische Dinge kümmern.

Nach der Wiedereröffnung im Frühjahr werde es neue museumspädagogische Angebote und außerdem Aktionen für Kinder geben, aber auch Veranstaltungen von Drittanbietern wie beim Slawenburg Raddusch Sommer Open-Air. So hoffen alle Akteure, dass sich die Burg für die Besucher weiterhin gut präsentieren wird: als kulturhistorischer Ort, wo Themen der frühgeschichtlichen Besiedlung der Niederlausitz, der Kultur der Slawen und der Braunkohlearchäologie mit hohem Erlebniswert dargestellt werden.

Weitere Infos unter:
www.slawenburg-raddusch.de