"Wenn wir unser Schulzentrum nicht weiter entwickeln, ziehen andere an uns vorbei", sagt Vetschaus Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos) - nicht ohne das Bestreben der Nachbargemeinde Kolkwitz im Blick zu haben, eine weiterführende Schule mit gymnasialer Oberstufe bei sich anzusiedeln. Das Stadtoberhaupt verweist auf belastbare Zahlen, nach denen ein Schulbetrieb in Vetschau bei gleichbleibenden Bedingungen für die nächsten 20 Jahre gesichert sei. Im Grundschulteil würden durchschnittlich 260 Schüler unterrichtet, im Oberschulteil seien es etwa 175. 35 Prozent der Grund- und 46 Prozent der Oberschüler seien Fahrschüler.

Der Beschlussentwurf sieht vor, bis 2018 ein Mehrzweckgebäude mit einem Multifunktionsraum für Schulspeisung und Veranstaltungen sowie Räume für Kinder- und Jugendarbeit, Stadtbibliothek, Volkshochschule, Ganztagsangebote der Klassen 1 bis 10, generationsübergreifendes Lernen und Freizeitgestaltung auf dem Gelände des Albert-Schweitzer-Schulzentrums zu errichten.

Im Sozialausschuss ist man sich noch unsicher. Auch interessierte Bürger sind skeptisch ob der Notwendigkeit. Immerhin würde das Vorhaben für Vetschau einen enormen finanziellen Aufwand bedeuten. Grob geschätzt wird über Investitionen in Höhe von drei Millionen Euro gesprochen. Mit 150 000 Euro für die Planung müsse die Stadt, wenn beschlossen, im nächsten Jahr in Vorleistung gehen, so Kanzler auf eine Anfrage von Stefan Schön (Bündnisgrüne). Die Stadt rechne mit einer 50-prozentigen Förderung, die jedoch ohne Konzept nicht beantragt werden könne, erklärt das Stadtoberhaupt.

Die Finanzierung bereitet auch Christoph Schneider (CDU-Fraktion) Sorge. Schließlich steht es um die Stadtfinanzen schlecht. Uwe Jeschke (SPD) vertritt die Auffassung: "Für Bildung sollte Geld ausgegeben werden. Die Schule Missen mit ihrer alten Turnhalle sollten wir aber dabei nicht vergessen."

Der Hinweis des Fachbereichs Finanzen zu den finanziellen Auswirkungen des Vorhabens ist deutlich: "Zum Ausgleich des Gesamtinvestitionshaushaltes sollen 2016 bis 2018 Kredite in Höhe von insgesamt 3,1 Millionen Euro aufgenommen werden."

Zum Thema:
Der Vetschauer Schulleiter Steffen Bretschneider sieht die Pläne, in Kolkwitz eine weiterführende Schule mit gymnasialer Oberstufe zu installieren, kritisch. Sollte es dazu kommen, würde das Vetschauer Schulzentrum viele Schüler verlieren, befürchtet Bretschneider. Darüber hinaus würden auch nur noch die leistungsschwächeren Kinder nach Vetschau kommen. "Dann werden wir zur Hauptschule", sagte der Schulleiter.