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| 17:12 Uhr

Künftiger Gesamtschulstandort
Vetschau lehnt Gesamtschule ab

Vetschau. Schulleiter Bretschneider: Spree-Neiße-Empfehlung ist politischer Verrat an der Oberschule.

Von Hannelore Kuschy

Die Empfehlung des Kreistages Spree-Neiße, in Kolkwitz eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe zu bauen, hat in Vetschau größte Sorge ausgelöst. „Für mich ist das wenig nachvollziehbar, da der Landkreis Oberspreewald-Lausitz im Verfahren zur Benehmensherstellung ausdrücklich darauf hingeweisen hat, dass es keiner weiterführenden Schule im Bereich Kolkwitz, Drebkau oder Großräschen bedarf“, so Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos). Denn in den benachbarten Oberschulen in Burg, Vetschau und Großräschen stünden ausreichend Schulplätze zur Verfügung.

Nachdem 2006 der Betrieb der Kolkwitzer Oberschule eingestellt worden war, kam es drei Jahre später zum Antrag, den Schulbetrieb dort wieder aufzunehmen. Das lehnte damals das Ministerium mit der Begründung ab, dies würde den Schulbetrieb in Burg und Vetschau gefährden. Das sieht Vetschaus Stadtoberhaupt auch heute noch so. Schulleiter Steffen Bretschneider geht noch einen Schritt weiter und sieht in der Entscheidung des Kreistages einen „politischen Verrat an den Oberschulen“. Demnach solle das vor 13 Jahren abgeschaffte dreigliedrige Schulsystem wieder belebt werden. Die Nachteile, die dieses System damals offenbarte, seien allen Befürwortern heute wohl egal, schlussfolgert er. Zudem sei er überzeugt davon, dass eine Gesamtschule in Kolkwitz zu hundert Prozent zwei Oberschulen in Cottbus kosten werde.

„Wir haben immer beispielsweise eine gute Zusammenarbeit mit Krieschow gehabt und werden weiterhin offen für alle sein“, versichert der Schulleiter. Bis heute kommen knapp 20 Prozent aller Schüler des Vetschauer Schulzentrums aus dem Raum Kolkwitz und Krieschow. Die „intensive Hoffnung“ Steffen Bretschneiders richtet sich deshalb an das Land, das die Schülerzahlen in den Oberschulen der Region mit einer entsprechenden Entscheidung nicht gefährden werde. Der Zeitraum ist eng. Schon am 20. Dezember will das Ministerium entscheiden, ob die Gesamtschule für das kommende Schuljahr gegründet werden kann.

Die Ablehnung des Landes seinerzeit hatte Vetschau Planungssicherheit gegeben. Was konkret bedeutet hat: Schüler aus dem Kolkwitzer Raum werden weiterhin in Höhe der durchschnittlichen Quote der letzten Jahre  die Sekundarstufe I der Vetschauer Oberschule anwählen und mindestens bis zum Schuljahr 2033/34 eine Zweizügigkeit mit sichern. Zu Beginn des Schuljahres 2009/10 sind deshalb die Grund- und die Oberschule zu einem großen Schulzentrum zusammengeführt worden. Nur wenig später wurde das denkmalgeschützte Schulhaus in Missen für 1,8 Millionen Euro saniert. In Aussicht steht aktuell auch die Sanierung der dortigen Turnhalle.

Um den Vetschauer Schulstandort weiter aufzuwerten, ist in diesem Jahr die Errichtung eines Mehrzweckgebäudes bis zur Leistungsphase 3 vorbereitet worden. Dadurch soll mehr Platz für eine verbesserte Schulspeisung geschaffen werden. Darüber hinaus ist vorgesehen, die Voraussetzungen für die bisher erfolgreiche inklusive Bildung speziell mit dem Förderbedarf Lernen und das Ganztagsangebot für die 1. bis 10. Klassen zu verbessern.

Vetschaus Bürgermeister geht davon aus, dass die geplante Gesamtschule in Kolkwitz viele Schüler aus dem Bereich Oberspreewald-Lausitz und aus der Stadt Cottbus benötigen und gewissermaßen von dort abziehen würde. „Der Standort Kolkwitz beeinflusst demgemäß mehrfach das Nachfrageverhalten.“ Sollte also am Standort Kolkwitz eine weiterführende Schule eröffnet werden, so Bengt Kanzler, würde die gesamte schulpolitische wie auch städtebauliche Planung der letzten zehn Jahre der Stadt Vetschau ganz erheblich gefährdet werden. In gleicher Weise träfe das auch auf benachbarte Kommunen zu.

Vor wenigen Tage richtete auch Landrat Siegurd Heinze (parteilos) ein Schreiben an Ministerin Ernst mit dem ähnlichen dringlichen Hinweis, dass sich alle kommunalen Schulträger in den vergangenen Jahren intensiv mit dem demografischen Wandel und seinen Folgen auseinandergesetzt und und ihre Schulentwicklungsplanungen bis weit in die Zukunft entsprechend ausgerichtet hätten. „Bevor für einen neuen Schulstandort Investitionen getätigt werden, muss auch kreisübergreifend geprüft werden, ob bestehende und langjährig etablierte Schulen Aufnahmekapazitäten haben oder ob sie durch die Erweiterung des Schulnetzes sogar in ihrer Existenz gefährdet werden“, so seine Forderung.