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| 17:21 Uhr

Bildungsstandort Vetschau
Schulzentrum ist eine Erfolgsgeschichte

  Beim Schulfest ließ Schulleiter Steffen Bretschneider (M.) ein paar Kegel stehen. In Vetschau ein Schulzentrum zu etablieren indes, erwies sich nach Meinung von Bürgermeister Bengt Kanzler (r.) als Volltreffer.
Beim Schulfest ließ Schulleiter Steffen Bretschneider (M.) ein paar Kegel stehen. In Vetschau ein Schulzentrum zu etablieren indes, erwies sich nach Meinung von Bürgermeister Bengt Kanzler (r.) als Volltreffer. FOTO: LR / Daniel Preikschat
Vetschau. Schulleiter und Bürgermeister ziehen nach zehn Jahren eine positive Bilanz – und wollen die Vetschauer Schule noch besser machen. Von Daniel Preikschat

Steffen Bretschneider bereut nichts. Grundschule und Oberschule nannte man im Vetschauer Lehrerkollegium schon „Schulzentrum“, lange bevor der Name 2009 offiziell wurde. Bereits damals war man im Kollegium sicher: „Gemeinsames Lernen von der ersten bis zur zehnten Klasse ist für die persönliche Entwicklung gut und macht die Schülergemeinschaft stabiler.“ Zehn Jahre später sieht sich der erfahrene Pädagoge bestätigt. Die Schülerzahlen blieben stabil. Fast jeder, der in Vetschau die Oberschule mit Primarstufe nach zehn Jahren verlässt, weiß, was er kann, und was er werden will. Zwei von drei Schülern schließen mit der Berechtigung ab, eine gymnasiale Oberstufe besuchen zu dürfen.

Doch auch für die Lehrer – das habe sich in Vetschau ebenfalls gezeigt – ist dieser Schultyp von Vorteil. In einem größeren Kollegium könne man sich gegenseitig besser beraten, es gibt mehr Lehrer für ein Fach. Kollegen können flexibler eingesetzt werden, erklärt Bretschneider. Ein Grundschullehrer könne auch mal eine siebte Klasse unterrichten, ein Oberschullehrer eine sechste.

Steffen Bretschneider, redegewandt und fachlich versiert, kann seine Schule gut verkaufen. Wahrscheinlich muss das ein Schulleiter heute auch können. Es sei „Erfolgsgeschichte“ geschrieben worden, auch wenn es keine Preise gab für die Schule. „Lieber bieten wir guten Unterricht“, sagt Bretschneider. So wird in Vetschau unter anderem Sorbisch-Wendisch gelehrt. In Kooperation mit der Handwerkskammer lernen bereits Achtklässler im Berufsschulzentrum in Gallinchen zwei Wochen verschiedene Berufe kennen – bevor es in Klasse neun und zehn ins Praktikum geht. Im Sinne Albert Schweitzers, Namenspatron des Schulzentrums, wird Ehrfurcht vor dem Leben vermittelt. In Kooperationen unter anderem mit dem Nabu ist Tierwohl und Tierschutz Thema an der Schule. Aber auch im musischen Bereich bieten die Vetschauer laut Bretschneider Besonderes: Es gibt Bläserklasse, Schulchor, Gitarrenunterricht. Ein Blasorchester soll noch kommen. 200 000 Euro vom Bund stehen überdies für die Digitalisierung zur Verfügung. Ende des Jahres soll ein Konzept vorliegen, wie das Geld ausgegeben wird.

Als die zehn Jahre vorige Woche auf den zwei Schulhöfen mit vielen Ständen gebührend gefeiert wurden, betonte Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos), dass auch die Stadt alles richtig gemacht habe. Mitte der Sechziger Jahre, erinnerte er, wurde die eine Schule errichtet, 15 Jahre später die zweite, 2006 dann für Grund- und Oberschule die Solarsporthalle. Das Schulzentrum zu gründen, sei die „richtige Entscheidung“ gewesen. Der Bildungsstandort werde gut angenommen, „zieht sogar noch an“ was die Schülerzahlen betrifft. So wurden im neuen Schuljahr drei erste Klassen gebildet. Schüler kommen aus der ganzen Region, nicht nur aus Vetschau.

Was auch so bleiben soll. Andere Schulträger schlafen nicht. In Kolkwitz soll eine neue Gesamtschule entstehen. Daher müsse auch Vetschau sein Schulzentrum ständig weiterentwickeln, so Kanzler. Das neue Mehrzweckgebäude mit großer Aula, Bibliothek und Räumen für die Blasmusiker, das zwischen den Schulgebäuden errichtet wird, gebe dem Schulzentrum einen weiteren Schub, so Kanzler. Kosten von 3,5 Millionen Euro sind im Haushalt für 2020/2021 eingeplant. Er muss nun nur noch beschlossen werden.