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| 12:22 Uhr

RUNDSCHAU-SERIE Meine Heimat Oberspreewald-Lausitz
Audienz beim Oldtimer-Motorrad-Papst

 Helmut Schneider ist nicht nur Liebhaber von Oldtimer-Motorrädern, sondern auch Sammler, Tuner, Schrauber und Rennsportler, der an Ausfahrten und Wettbewerben teilnimmt. 17 Oldtimer-Motorräder und ein Skoda Felicia Cabrio zählen zum Fahrzeugpark des Märkischheiders.
Helmut Schneider ist nicht nur Liebhaber von Oldtimer-Motorrädern, sondern auch Sammler, Tuner, Schrauber und Rennsportler, der an Ausfahrten und Wettbewerben teilnimmt. 17 Oldtimer-Motorräder und ein Skoda Felicia Cabrio zählen zum Fahrzeugpark des Märkischheiders. FOTO: Uwe Hegewald
Vetschau. „Heimat ist, wo wir unseren Lebensfaden festgemacht haben“, sagt ein Sprichwort. Die RUNDSCHAU besucht Menschen, um zu erfahren, wann, warum und wo sie ihren Lebensfaden im Kreis festgemacht haben. Heute: Helmut Schneider (Märkischheide). Von Uwe Hegewald

Sachsenring, Schleizer Dreieck, Lausitzring, Weidaer Dreieck (Riesa-Mautitz), selbst das legendäre TT Isle of Man – ein passionierter Motorsportler kennt all diese Rennstrecken aus dem Effeff: Helmut Schneider aus Märkischheide (Stadt Vetschau), von dem Seelenverwandten behaupten, es sei Rennbenzin, was durch seine Adern fließt. Der 69-Jährige kann und will das gar nicht abstreiten. „Mein Herz hängt an dem Motorradsport“, so der Sammler, Rennfahrer, Tuner und Schrauber. So werden Mechaniker genannt, die an Motorrädern schrauben, um sie wettbewerbstauglich zu machen.

Schon als Kind sei er von der Technik fasziniert gewesen und hatte sich vom Vater beinahe einen Satz warme Ohren eingehandelt. „Um einer SR2 auf den Grund zu gehen, habe ich das Moped in Einzelteile zerlegt und meinen Vater fast zur Verzweiflung gebracht. Seitdem bin ich nicht mehr davon losgekommen“, blickt er zurück.

Sein großes, wie ambitioniertes Ziel: Motorrad-Rennfahrer werden. Die zukünftigen Schwiegereltern zeigten sich von diesem Traum wenig begeistert. „Als dann noch zwei sehr nahestehende Kumpels auf ihren Maschinen tödlich verunglückten, war das Thema aktiver Rennsport gegessen, bevor es überhaupt begonnen hat“, fasst der Märkischheider zusammen. Das Gründen einer Familie und der Hausbau auf dem elterlichen Grundstück rückten in den Fokus.

Seine Brötchen verdiente Helmut Schneider als Kfz-Lehrausbilder im Vetschauer Kohle-Kraftwerk. Sein Technikverständnis und seine Gabe, defekter oder altehrwürdiger Technik wieder Leben einzuhauchen, hätten ihn seinen Worten nach über die politische Wende hinweggeholfen. „Bei der Tiefbaufirma Lossagk (Calau) bin ich mit offenen Armen empfangen worden“, so der Technikexperte, der der Firma als Werkstattleiter bis zur Rente die Treue hielt.

Den nationalen und internationalen Straßen-Motorradsport hat er in all den Jahren nie aus den Augen verloren. Mit Hochachtung blickte er auf die Deutschen Motorsport-Asse wie Dieter Braun, Heinz Rosner aber auch auf Ernst Degner, der 1961 kurz vor dem ersten WM-Titel für die DDR und MZ nicht vom Großen Preis in Schweden zurückkehrte. Dass die Funktionäre entsprechend sauer reagierten, kann Helmut Schneider sogar nachvollziehen. „Kurz vor ihrem Höhepunkt brach die Entwicklung von MZ-Rennmotorrädern je ab, obwohl diese vom technischen Potential her zur internationalen Spitzenklasse zählten.“ Darin sieht der Märkischheider auch einen wesentlichen Grund, warum das Interesse an MZ-Oldtimern ungebrochen ist.

Rund 25 Maschinen habe er in den zurückliegenden Jahren in Einzelteile zerlegt, zusammengeschraubt und wieder fahrbereit gemacht. Und er hat mit seiner verständnisvollen Gattin Hannelies einen Deal ausgehandelt: Den eigenen Fuhrpark auf 17 historische Motorräder und einen Skoda Felicia Cabrio zu begrenzen. „Wenn eine neu aufgearbeitete Maschine in den Bestand soll, muss eine andere weichen.“

Helmut Schneider sieht seine Leidenschaft als „Hobby mit Ausgewogenheit“. Es wäre fatal, andere familiäre Interessen ständig hintenanzustellen, sagt er. Dass er „seine“ Hannelies längst mit der Motorsport-Leidenschaft infiziert hat, streitet der Lausitzer Oldtimer-Motorrad-Papst nicht ab. Als er 56-jährig seinen Traum vom Motorrad-Rennfahrer verwirklichte, stand sie ihm unterstützend zur Seite. Regelmäßige Familienausflüge zu nationalen Rennen und WM-Läufen in Brünn (Brno) hatten die Floristin und die beiden Söhne an die Faszination Motorsport herangeführt.

Unvergessen bleibt das Oldtimerrennen anlässlich des 80-jährigen Bestehens des Sachsenringes. Noch heute bekomme er Gänsehaut, wenn er sich daran erinnert, mit den Idolen seiner Jugend auf einer Starterliste zu stehen. Allen voran Motorrad-Legende Giacomo Agostini (Italien), mit 15 WM-Titeln einer der besten Motorradrennfahrer der Geschichte.

Dass ihm auch die eher lockeren Ausfahrten liegen, beweist Helmut Schneider durch Teilnahmen an den Spreewald-Veteranenrallys des veranstaltenden Motorsportclub Lübbenau, in dem er Mitglied ist oder bei der Fernfahrt Zittau-Binz (Rügen), die nur alle fünf Jahre stattfindet. Zweimal ging es bereits zur legendären Isle of Man TT (Tourist Trophy), dem ältesten, gefährlichsten und umstrittensten Motorradrennen der Welt, zu dem jährlich über 40 000 Rennsportfans strömen.

Zuletzt war der Märkischheider 2015 dabei. „Auf meiner Honda ging es mit meiner Hannelies und zwei Koffern auf Achse nach Rotterdam und dann mit der Fähre auf die Insel“, erzählt der Motorradveteran, der mit einer dritten Teilnahme liebäugelt. Auch mit dem Wissen, „dort auf Menschen zu treffen, die so ticken wie ich“.

 Helmut Schneider ist nicht nur Liebhaber von Oldtimer-Motorrädern, sondern auch Sammler, Tuner, Schrauber und Rennsportler, der an Ausfahrten und Wettbewerben teilnimmt. 17 Oldtimer-Motorräder und ein Skoda Felicia Cabrio zählen zum Fahrzeugpark des Märkischheiders.
Helmut Schneider ist nicht nur Liebhaber von Oldtimer-Motorrädern, sondern auch Sammler, Tuner, Schrauber und Rennsportler, der an Ausfahrten und Wettbewerben teilnimmt. 17 Oldtimer-Motorräder und ein Skoda Felicia Cabrio zählen zum Fahrzeugpark des Märkischheiders. FOTO: Uwe Hegewald