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| 16:29 Uhr

Bildungswesen und Integration
Vetschau bewertet Umgang mit Migranten

 Trotz Sprachbarrieren vermelden die städtischen Bildungseinrichtungen in Vetschau eine meist gelungene Integration von Flüchtlingskindern.
Trotz Sprachbarrieren vermelden die städtischen Bildungseinrichtungen in Vetschau eine meist gelungene Integration von Flüchtlingskindern. FOTO: dpa / Peter Steffen
Vetschau. Kita, Hort, Schulzentrum und Stadt äußern sich meist positiv zur Integration von Flüchtlingskindern. Vorurteile werden unter die Lupe genommen, auch der Einfluss der Elternhäuser. Wo gibt es Schwierigkeiten, was muss besser werden? Von Rüdiger Hofmann

Wie gestaltet sich die Integration von Migranten in den Bildungseinrichtungen in Vetschau? Dazu hat der Sozialausschuss die Kita Rappelkiste, den Hort der Möglichkeiten und das Dr. Albert Schweitzer Schulzentrum eingeladen. Die RUNDSCHAU gibt einen Überblick.

Die Kita Rappelkiste hat eine Kapazität von 180 Plätzen und ist aktuell mit 177 Plätzen belegt. Betreut werden Kinder im Alter von 0 bis 7 Jahren, den größten Anteil nehmen die Drei- bis Sechsjährigen ein. „Seit vielen Jahren betreuen wir bei uns Kinder unterschiedlicher Herkunft“, sagt Cornelia Zschau, stellvertretende Kita-Leiterin. „Diese Erfahrung erleichterte uns die Herausforderung im Jahr 2015, von jetzt auf gleich Kinder mit Migrationshintergrund aufzunehmen“, so Zschau.

Gegenwärtig werden Kinder aus zehn verschiedenen Nationen betreut. Das geht nicht ganz reibungslos. „Das nötige Hintergrundwissen, das sich nicht nur auf die Herkunft der Familien bezieht, sondern ein breites Wissen über Sprache, Religion, Kultur, Essen und Gewohnheiten erfordert, fehlte, um bestimmte Handlungen und Reaktionen zu verstehen“, so Zschau. „All das mussten wir uns selbstständig erarbeiten.“ Größtes Problem sind die Sprachbarrieren, hier konnten Dolmetscher und Sprachmittler einbezogen werden. Hilfsmittel wie Handyübersetzungen wurden genutzt. „Entgegen der Aussage, ,schaut euch die Ausländer an, Handys haben sie alle’, sagen wir, dass das Handy für viele der Migranten eine Grundvoraussetzung zur Teilnahme am gesellschaftlichen Leben und die einzige Verbindung zur Heimat ist“, so Zschau.

In den Tagesablauf der Kita werden die Migranten gut einbezogen – beim Kochen, der Gestaltung von Festen oder der Organisation von Sprachkursen. „Inzwischen haben die Familien Vertrauen zu uns aufgebaut und wenden sich auch außerhalb der Kita mit Problemen an uns“, sagt Zschau.

„Und dennoch fühlen wir uns von unserem Umfeld allein gelassen. Warum sind unsere Abgeordneten nicht schon viel früher in unsere Kita gekommen, um sich ein eigenes Bild zu machen über die Arbeitsweise und den Umgang mit diesem Thema?“, kritisiert Zschau. „Wenn diese Arbeit künftig auf Gemeinsamkeit basiert, wäre das ein Ausdruck von Stärke und Zusammenhalt in Vetschau.“

Mit dem Thema Rassismus gehen die Kinder unkompliziert um. „Wir versuchten von Anfang an, die Andersartigkeit der Kinder als Normalität darzustellen“, sagt Zschau, was bei gemeinsamen Aktivitäten gelang. „Anders bei den Erwachsenen: Da begegneten uns rassistische Äußerungen, denen wir mit klaren und deutlichen Reaktionen entgegentraten.“

Beim Hort der Möglichkeiten haben von 116 Hortkindern 21 einen Migrationshintergrund. Sie kommen aus Polen, Litauen, Russland, Tsche­tschenien, Syrien, der Türkei und aus Australien. „Anfangsschwierigkeiten brachten auch hier Sprachbarrieren besonders bei der Bestellung des Mittagessens, beim Zurechtfinden in den Bildungsbereichen und beim Umgang mit den Kindern in den verschiedenen Altersstufen“, sagt Anke Gräfe, stellvertretende Hortleiterin. Positiv zeigt sich die Entwicklung: „Hier konnte ein schnelles Einleben in den Hortalltag durch Offenheit und respektvollen Umgang mit den Erziehern beobachtet werden“, so Gräfe. Die Kinder nehmen die Angebote des Hortes (Vesperzubereitung, Hausaufgabenbetreuung) an. Kooperationen mit der Schule gibt es bei der Fahrradwerkstatt und mit Vereinen beim Fußball und Tanzen.

„Das Thema Rassismus wurde anfänglich hauptsächlich über das Elternhaus in den Hortalltag hineingebracht und durch umfangreiche Gespräche mit den Kindern und Hortsprechern thematisiert“, sagt Anke Gräfe. Fazit: Die Integration erfolgt laut Aussagen des Hortes gut. „Die Eltern gehen respektvoll mit den Erziehern um, bei Problemen suchen sie unsere Hilfe.“

Beim Dr. Albert Schweitzer Schulzentrum gestaltet sich die Integration von Migranten ähnlich: „Derzeit lernen 46 Schüler mit ausländischen Wurzeln aus 16 Ländern im Schulzentrum, teilt Rektor Steffen Bretschneider mit. „Die Integration zeigt sich vielschichtig und ist stark vom Einfluss der Elternhäuser geprägt. Mit vielen Eltern und Schülern gibt es eine gute Zusammenarbeit“, so der Schulleiter. Probleme gäbe es teilweise bei der Anerkennung der Frau als Gleichberechtigte zum Mann. Mädchen aus diesen Familien müssten motiviert und gestärkt und Jungen eher die Grenzen gezeigt werden. Ähnliches gelte für Mütter und Väter. „In diesem Punkt kann es kein Entgegenkommen der Schule geben, da die in vielen Jahrzehnten errungene Gleichstellung von Mann und Frau nicht verhandelbar ist. Sie ist grundgesetzlich geschützt und wird gesellschaftlich gefordert“, so der Rektor.

Die Stadt als Einrichtungsträger äußert sich wie folgt: „Ein großer Dank geht an alle drei städtischen Bildungseinrichtungen für die bisher geleistete Arbeit. Besonders hervorzuheben ist die Unterstützung der Einrichtungen, als es um die Aufnahme von Flüchtlingskindern während des Zustromes Ende 2015 ging. Dank des persönlichen Einsatzes der Mitarbeiter, die vielfach über ihre Grenzen gegangen sind, haben wir eine erfolgreiche Integration der Migranten in unseren Einrichtungen zu verzeichnen.“