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| 13:31 Uhr

Lübbenau
Verstörende und beeindruckende Bilder aus Syrien

  Ammar al-Beik (M.) sprach mit Tiziana Destino von der Heinrich-Böll-Stiftung und dem englischen Kunstwissenschaftler Mark Gisbourne über die Arbeit als Konzeptkünstler in Syrien und in Deutschland. Die Zuschauer in Lübbenau waren beeindruckt von den drei Kurzfilmen, die Lebenssituationen in einem vom Krieg gezeichneten Land vermittelten.
Ammar al-Beik (M.) sprach mit Tiziana Destino von der Heinrich-Böll-Stiftung und dem englischen Kunstwissenschaftler Mark Gisbourne über die Arbeit als Konzeptkünstler in Syrien und in Deutschland. Die Zuschauer in Lübbenau waren beeindruckt von den drei Kurzfilmen, die Lebenssituationen in einem vom Krieg gezeichneten Land vermittelten. FOTO: Ingrid Hoberg
Lübbenau. Der Filmemacher Ammar al-Beik zeigt während des Spreewaldateliers in Lübbenau eine Trilogie, die bereits international erfolgreich präsentiert wurde. Von Ingrid Hoberg

Geschäftiges Treiben im Kreissaal, ein Kind erblickt das Licht der Welt. Das ist wie überall mit einer große Hoffnung für das neue Leben verbunden. Es ist die Geburt seiner Tochter vor neun Jahren, wie Ammar al-Beik später in der Diskussionsrunde erzählen wird. Vorher sprechen seine Bilder. Mit „The Sun’s Incubator“ (Inkubator der Sonne), „La Dolce Siria“ und „Kaleidoskop“ hat der aus Syrien geflohene und gegenwärtig in Berlin lebende Künstler drei Kurzfilme mitgebracht, die das Leben in einem vom Krieg zerrissenen Land zeigen.

Alltägliche Rituale, Handlungen, die Realität des Einzelnen setzt der Filmemacher in Bilder um, die in ihrer Banalität bis an die Schmerz­grenze gehen. Al-Beik verwendet unmittelbar in seiner Umgebung aufgenommenes Material, oft in Handy-Optik, ohne Dramaturgie, Schnitt, Bearbeitung. Geräusche des Stadtlebens, der Menschen in ihren Wohnungen sind der grelle Soundtrack eines Lebens in einem harten Alltag. Unter dem Motto „Self and the Everyday“ (Das Selbst und der Alltag) hatte die Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg den syrischen Künstler eingeladen, bei der Veranstaltung im Rahmen von Travelling Art Space (TAS) mitzuwirken, wie Tiziana Destino erklärte.

Alle drei Filme seien international erfolgreich gelaufen, ergänzte sie. „The Sun’s Incubator“  wurde bei den Filmfestspielen Venedig uraufgeführt,  „La Dolce Siria“ auf der Berlinale und „Kaleidoskop“ auf dem Dubai Filmfestival. 2016 waren Al-Beiks Filme beim XXII. Rohkunstbau („Zwischen den Welten“) auf Schloss Roskow (Potsdam-Mittelmark) zu sehen, darauf wies Kurator Mark Gisbourne hin. Aufschlussreich war für die Besucher der Veranstaltung im Lübbenauer Rathaus die Gesprächsrunde nach der Filmvorführung. „Es sind bedrückende Bilder zu sehen gewesen, dazwischen Szenen aus einem gewöhnlichen Alltag“, sagte Queenie Nopper. „Gut war das Gespräch darüber, das war wichtig für die persönliche Aufarbeitung.“

Al-Beik betonte, wie wichtig ihm die unabhängige Produktionsweise sei. „Ich will frei sein in meinen Entscheidungen“, sagte er und nehme in Kauf, mit einem kleinen Budget zu arbeiten. Für ihn ist es wichtig, dass er jetzt in Berlin Filme so gestalten kann, wie er will. Vor fünf Jahren, am 8. September, war er als Flüchtling nach Deutschland gekommen. Die ersten acht Monate habe er in einem Wohnheim gelebt und dort viele interessante Menschen getroffen. „Ich habe in Deutschland inzwischen doppelt so viel Filmmaterial gesammelt wie in meinem Leben zuvor“, sagte der 46-Jährige.  

Ammar al-Beik hat in Lübbenau in Workshops bei der AWO und am Paul-Fahlisch-Gymnasium seine Erfahrungen als unabhängiger Filmemacher weitergegeben.

Weitere Infos zu Veranstaltungen während des Spreewald­ateliers gibt es unter: www.spreewaldatelier.de.