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| 02:53 Uhr

Verockerung dringt bis in den Spreewald

Winfried Böhmer (l.) und Peter Stephan mit rostbraunem Wasser aus dem Vetschauer Mühlenfließ.
Winfried Böhmer (l.) und Peter Stephan mit rostbraunem Wasser aus dem Vetschauer Mühlenfließ. FOTO: Zeidler
Lübben/Lübbenau/Luckau. Das Aktionsbündnis Klare Spree zieht eine ernüchternde Bilanz zur Wirksamkeit der Sofortmaßnahmen gegen die Verockerung und Sulfatbelastung der Spree. Gefährliche Stoffeinträge sind bis in den Spreewald vorgedrungen. Michèle-Cathrin Zeidler

Seit einigen Jahren führen die Spree und ihre Zuflüsse vermehrt Eisenhydroxid und färben sich dadurch rostbraun. "Diese Belastung ist eine Spätfolge des Braunkohlenbergbaus in der Lausitz", erklärt Winfried Böhmer vom Aktionsbündnis Klare Spree. "Das Eisenocker setzt sich als Schlamm in den Gewässern ab und führt hier zum langsamen Absterben der Tier- und Pflanzenwelt." Dieser Entwicklung müsse Einhalt geboten werden, ansonsten sei über die nächsten Jahre mit der ökologischen Verödung des Spreewaldes, der Spree und der Talsperre Spremberg zu rechnen. "Wenn wir die Belastung von Eisenocker und Sulfat nicht in den Griff bekommen, dann bedeutet dass den Todesstoß für die weichen Standortfaktoren der Lausitz", betont auch der Vorsitzende Peter Stephan.

Aus diesem Grund wurde vor zwei Jahren von der Landesregierung ein Sofortprogramm gegen die Verschmutzung der Gewässer verabschiedet. Ziel der Maßnahmen: die weitere Ausbreitung der Verockerung und Sulfateinträge, insbesondere in den Spreewald, zu verhindern. 10 Millionen Euro wurden dafür bisher investiert, dennoch wurde das Ziel verfehlt. "An Stellen wie dem Radduscher Hafen hat das Wasser bereits die eine rotbraune Farbe", sagt Winfried Böhmer. Auch die Spreewaldfließe bei Burg weisen eine Eintrübung auf, die Vorstufe der Verockerung. "Außerdem teilte die Kahnfährgenossenschaft Lübbenau mit, dass sich auf dem Grund des Hafens mittlerweile eine mehrere Zentimeter dicke Schicht aus Eisenschlamm befindet", führt Peter Stephan weiter aus. Das Fortschreiten der Verockerung habe also nicht aufgehalten werden können. "Bisher hat das Niederschlagsdefizit die Belastung im Spreewald in Grenzen gehalten", gibt Peter Stephan zu bedenken.

Noch schlechter fällt die Bilanz des Aktionsbündnisses für den Südraum und die Region Spremberg aus. "Dort können wir durch die Sofortmaßnahmen bis heute keinen Effekt feststellen", so Winfried Böhmer. Zwar sind noch nicht alle Programmpunkte abgearbeitet. "Aber wir rechnen hier mit einer Reduzierung der Belastung von 35 bis 50 Prozent", schätzt der Experte. Diese Verbesserung wird allerdings nicht sichtbar sein: "Die Spree ist dann immer noch braun."

Da die Maßnahmen nicht zu einer entscheidenden Wende im Kampf gegen die Verockerung geführt haben, tritt das Aktionsbündnis Klare Spree dafür ein, weitere Maßnahmen zu beschließen, bis die Situation erkennbar im Griff ist. Dafür haben die Mitglieder einen "Masterplan" ausgearbeitet. "Wir fordern eine klare Spree, von der Quelle bis zur Mündung", so der Vorsitzende Peter Stephan. "Das bedeutet die Wiederherstellung der Wasserqualität, wie sie im Jahr 2000 bestand." Im November trifft er sich mit Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und bespricht mit ihm weitere Maßnahmen. "Gemeinsam mit dem Freistaat Sachsen muss Brandenburg das Problem stärker als bisher angehen", stellt der Vorsitzende klar. "Auch Vattenfall darf nicht aus der Verantwortung entlassen werden."