ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 12:39 Uhr

Brandenburger Landpartie
Verliebt in einen uralten Bauernhof

Gudrun und Peter Welz präsentieren ihre beiden Esel. Diese dürfen von den Landpartie-Gästen gern gestreichelt werden.
Gudrun und Peter Welz präsentieren ihre beiden Esel. Diese dürfen von den Landpartie-Gästen gern gestreichelt werden. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Neupetershain. Die Rückkehrer Peter und Gudrun Welz rekonstruieren einen 200 Jahre alten Bauernhof in Neupetershain. Zur Landpartie dürfen die Gäste mit anpacken. Von Torsten Richter-Zippack

Raus aufs Land: Am Wochenende laden rund 250 Brandenburger Landwirte, Gärtnereien, Pensionen, Pferde- und Tierhöfe zwischen Elbe und Oder wieder zur Landpartie ein. Sie wollen Landwirtschaft und das Leben abseits der Städte präsentieren, wie Agrar- und Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD) sagte.

Wenn es tatsächlich Liebe auf den ersten Blick gibt, dann bei Peter (62) und Gudrun Welz (67). Als das Ehepaar im Jahr 2004 durch Zufall den uralten Bauernhof in der Lindenstraße 8 in Neupetershain entdeckt hatte, war es um die beiden geschehen. „Die Ursprünglichkeit hat uns tief beeindruckt. Alles befand sich noch im originalen Zustand“, erinnert sich Peter Welz. Dazu gehörten die aus Feldsteinen gemauerten Grundmauern, diverse Schornsteine sowie uralte Räucherkammern. Mehr noch: Der Dreiseithof stand damals zum Verkauf. Da überlegte die Familie nicht lange und erwarb das historische Ensemble.

„Uns wurde erst später klar, auf was wir uns eingelassen hatten“, resümiert Gudrun Welz. Denn trotz aller Ursprünglichkeit: Der Hof hatte rund 30 Jahre komplett leer gestanden. Und in einem dementsprechenden Zustand befand er sich auch. „Vieles war ruinös“, berichtet Peter Welz. Während der Dachstuhl des Wohnhauses gerettet wurde, musste dieser auf dem Stall komplett erneuert werden. Im Zuge der Arbeiten stieß die Familie im Wohnhaus auf einen Stein mit der Jahreszahl 1850. Im Stall fand sich ein weiteres Unikat. Dieses trug sogar die Zahl 1819. „Deshalb gehen wir davon aus, dass unser Hof anno 2019 seit genau 200 Jahren besteht“, sagt Peter Welz.

Tatsächlich hatte das Ensemble einst zum benachbarten Petershainer Gutshof gehört. Im Zuge der Separation (Agrarreform) erfolgte Mitte des 19. Jahrhunderts der Bau des Wohnhauses. Darauf deuten auch weitere Höfe in der Neupetershainer Lindenstraße hin, die während der gleichen Zeit entstanden sein dürften. Letzter Eigentümer der Lindenstraße 8 war eine Familie Kaiser. Zu der sollen, so wird im Ort erzählt, zehn Kinder gehört haben. Ein Sohn, von Beruf Schuster, hatte bis in die 1970er-Jahre auf dem historischen Hof gewohnt.

Dem schloss sich der jahrzehntelange Leerstand an, bevor Peter und Gudrun Welz das Ensemble aus dem Dornröschenschlaf holten. Allerdings nicht ad hoc, sondern ganz allmählich. „Zunächst haben wir das Dach des Wohnhauses neu gebaut, dann neue Fenster eingesetzt“, erinnert sich Gudrun Welz. Anschließend wurde der Stall saniert. Später folgte auch das Plumpsklo. „Das haben wir rund zehn Jahre lang benutzt. Die Hinterlassenschaften fielen auf das eingestreute Stroh, das dann via Schubkarre auf den Misthaufen gefahren wurde“, erklärt Gudrun Welz.

Anno 2014 zog das Paar selbst auf dem Hof ein. Bis dato lebte die Familie der Arbeit wegen in Süddeutschland. „In der Nähe von Heidenheim hatten wir erst im Jahr 2001 ein Häuschen gekauft“, erzählt Peter Welz, der seit 22 Jahren als selbstständiger Möbelmonteur und Handwerker für alles sein Geld verdient. Der gebürtige Thüringer, der in Rostock aufgewachsen war, kam durch seine Frau, eine Welzowerin, in die Lausitz. Beide haben im Verkehrswesen gelernt und gearbeitet. Im Jahr 1985 verließ das Paar die DDR in Richtung Westen und baute sich in Baden-Württemberg eine neue Existenz auf. Doch spätestens mit dem Neupetershainer Bauernhof wurde das Heimweh unstillbar.

Bis heute haben Peter und Gudrun Welz rund 300 000 Euro in ihr Lebenswerk investiert. Neben der Rekonstruktion des Hofes sind zwei Ferienwohnungen entstanden. Zwei weitere sollen in den kommenden Jahren entstehen. Darüber hinaus ist geplant, einen Abstellplatz für Caravane zu schaffen, ebenso eine Überwinterungsmöglichkeit für Boote. Das Lausitzer Seenland lässt grüßen.

Bereits in nächster Zukunft beginnt die Sanierung der historischen Fachwerkscheune, die den Hof nach Norden abschließt. Die wurde im 19. Jahrhundert aus Holzbalken und Lehm errichtet. Das Fachwerk hält zwar noch immer Wind und Wetter stand, doch der Lehm dazwischen ist brüchig geworden. Zur Brandenburger Landpartie am 9. und 10. Juni haben große und kleine Gäste die Möglichkeit, die Scheune zu sanieren. „Wir haben sechs Tonnen Lehm bestellt“, sagt Peter Welz. Nach einer Kurzeinweisung gehe es an die Arbeit.

Neben weiteren Attraktionen können die Besucher auch die zahlreichen Tiere besichtigen und teilweise streicheln. Dazu gehören unter anderem jeweils zwei Alpakas und Esel, 20 Schafe, Enten, Hühner sowie Hund und Katze. Hinzu gesellen sich zahlreiche Schwalben, die auf und rund um den historischen Bauernhof zu Hause sind. „Die Vögel haben wir quasi mit gekauft“, sagt Gudrun Welz schmunzelnd.

Mehr noch: „Solange sie da sind, geht es uns auch gut“, ist sich die 67-Jährige sicher.