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| 18:05 Uhr

Ortsspaziergang mit Konfliktpotential
Verhärtete Fronten in Lobendorf

Bei Benjamin Raschke, Mitglied des Landtags für Bündnis/Die Grünen, konnten Lobendorfer Bürger ihren Unmut loswerden.
Bei Benjamin Raschke, Mitglied des Landtags für Bündnis/Die Grünen, konnten Lobendorfer Bürger ihren Unmut loswerden. FOTO: LR / Daniel Preikschat
Tornitz/Lobendorf. Grünen-Landtagsabgeordneter hatte offenes Ohr für Kritik an Tornitzer Schweinmast.

Ortsspaziergang – das klingt erst Mal nach Idylle und Beschaulichkeit. Der Grünen-Landtagsabgeordnete Benjamin Raschke bekam auf der Wiese An den Eichen am Mittwoch jedoch harsche Töne zu hören. Etwa 15 Lobendorger Bürger äußerten deutlich ihren Unmut über die Schweinemast im benachbarten Tornitz. Dort würden, hieß es, zu viele Schweine auf zu engem Raum gehalten. Herüberziehender Gestank sei oft unerträglich, zudem belaste Lkw-Lärm die Lobendorfer. Sie vermuten zudem multiresistente Keime in der Gülle, die zur Düngung genutzt wird.

Viele der Dorfbewohner haben gegen die geplante Erweiterung der Anlage, in der künftig 67 330 Schweine untergebracht werden sollen, auf einer Liste unterschrieben. Sie liegt derzeit in Geschäften in Vetschau aus, so Initiatorin Susan Götze aus Tornitz, die auch Stadtverordnete in Vetschau für die Fraktion der Linken ist.

Benjamin Raschke hat sich seinerseits auch schon kritisch mit der Bolart Schweineproduktionsanlagen GmbH befasst. Wurden doch dort, wie er am Mittwoch wiederholte, Grenzwerte für Sulfalt, Nitrat und Nitrit im Umfeld der Anlage regelmäßig überschritten. Fakt sei weiterhin, dass Sauen unerlaubterweise zu stark kupferhaltiges Futter zu fressen bekamen, was mit 600 Euro Bußgeld geahndet wurde.

Der Landtagsabgeordnete sagte den Lobendorfern Unterstützung zu. So will er, mit ihnen abgestimmt, im Landtag weitere Anfragen zu dem Betrieb stellen. Dabei könnte es unter anderem um eine tierfreundlichere Unterbringung der Schweine gehen oder um modernere Filteranlagen für die Ställe. Wie viele Schweine genau derzeit in Tornitz gemästet werden, soll ebenfalls erfragt werden. Weiter werde seine Fraktion im Juni bei der unteren Wasserbehörde des Landkreises OSL nachhaken wegen der überschrittenen Grenzwerte, sagte der Landtagsabgeordnete zu. Es sei beispielsweise noch nicht geklärt, ob die Sulfatwerte tatsächlich wegen des Schweinemastbetriebs erhöht seien. Bei Nitrat und Nitrit geht Raschke davon aus.

Eric Arts indes, Geschäftsführer der Bolart Schweineproduktionsanlagen GmbH, sieht sich einer Lügen- und Hetzkampagne einiger weniger Vetschauer ausgesetzt. Bei zahlreichen Kontrollen seien die Haltungsbedingungen stets gelobt worden, versichert er. Für die erhöhten Messwerte könne er nichts, und wenn die Verkehrsbelastung in Lobendorf zu hoch sei, könne doch eine Umgehungsstraße gebaut werden. Die gemachten Angaben der Schweinemastanlagen-Gegner, soweit er davon Kenntnis hat, seien „erlogen“.

Das klingt nach Gesprächsbedarf. Doch Gespräche, wehrt Arts kategorisch ab, „bringen nichts mehr“. Der RUNDSCHAU gegenüber immerhin erklärt er, die geplante Erweiterung diene lediglich dazu, sämtliche Ferkel länger im Betrieb zu halten. Dadurch könnte sich die Zahl der Tiere auf 67 330 erhöhen. Was von der zuständigen Landesbehörde genehmigt wurde. Einen Widerspruch jedoch von Nabu und einer Bürgerinitiative hat das Oberverwaltungsgericht zugelassen. Allerdings, wie auch Raschke bestätigt, nur wegen eines Formfehlers.

Weiteres Problem für Arts derzeit ist der noch ausstehende Beschluss der Vetschauer Stadtverordneten. Sie entscheiden voraussichtlich in ihrer nächsten Sitzung über den Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan für die Schweinemastanlage – inklusive der neuen Stallanlage. Rechtzeitig vor der entscheidenden Sitzung, so Susan Götze, soll den Stadtverordneten die Unterschriftenliste übergeben werden – als Entscheidungshilfe.

Eingangsbereich zur Schweinmastanlage der Bolart GmbH Tornitz.
Eingangsbereich zur Schweinmastanlage der Bolart GmbH Tornitz. FOTO: LR / Daniel Preikschat