Es trägt schon groteske Züge, dass Corona ausgerechnet den namensgleichen Sportverein ausbremst. Das jährliche Sport- und Familienfest ist auf den 5. Juni 2021 verschoben worden. Haben die Vereinsmitglieder inzwischen den ersten Schmerz überwunden?

Marita Theile: Der Schmerz wird von Tag zu Tag größer. Immer öfter erhalte ich Anrufe und Nachfragen wann es endlich wieder mit dem Training weitergehen kann. Den Mitgliedern fehlt der wöchentliche Sport enorm, aber auch der persönliche Kontakt.

Mit der Absage der 110-Jahrfeier stellt sich die Frage: Wird das Jubiläum im kommenden Jahr nachgeholt oder mit 111 Jahren ein Schnapszahl-Jubiläum gefeiert?

Wir feiern dann wohl 111 Jahre. Das hebt uns von den anderen ein bisschen ab, die im nächsten Jahr ein Jubiläum feiern können. Und 111 ist ja auch eine Zahl zum Feiern, auch wenn es nicht um Karneval geht, denen so eine Zahl eher als Jubiläum zusteht. Ich hoffe und wünsche mir, dass uns unser Neupetershainer Carneval Club (NCC) dann tatkräftig unterstützen wird.

Konnte inzwischen ermittelt werden, warum die Vereinsväter und -mütter sich seinerzeit für den Vereinsnamen Corona entschieden haben, der am 20. März 1910 gegründet hatte?

Es gibt leider keine Zeitzeugen mehr oder Leute, denen etwas über die Gründung übermittelt wurde. In der zum 100. Jubiläum erstellten Chronik ist dazu auch nichts ausgeführt worden. Corona steht für Ehren- oder Siegeskranz. Es war und ist wohl etwas ehrenhaftes, Mitglied in unserem Verein sein zu dürfen.

Wie oft werden Sie oder andere Vereinsmitglieder auf den Vereinsnamen angesprochen und was empfinden Sie, dass Corona tagtäglich in den Negativschlagzeilen steht?

Wir haben immer eher die Lacher auf unserer Seite. Schließlich behaupten wir, dass alle Vereinsmitglieder immun gegen das Virus sind. Wir haben schon viele Jahre Corona in uns. Es gibt viele, die unser Vereinsschild fotografieren und sich ihren Spaß daraus machen. Das ist auch gut so. Für uns ist der ganze Trubel eher Werbung, als etwas Negatives. Trotzdem hoffen wir, dass der Spuk bald ein Ende hat und wir wieder alle normal Sport treiben dürfen.

Aus der Geschichte


Rainer Dullin ist Fußballer bei den Alten Herren von Corona Neupetershain und kann Ergänzungen zur Vereinsgeschichte beisteuern. „Der Club war kein Arbeiterverein, sondern sehr bürgerlich aufgestellt. Der Mitgliedsbeitrag lag bei 0,75 Pfennig pro Monat, dazu kam noch eine Aufnahmegebühr. Es gab auch Strafen bei Nichtteilnahme am Spielbetrieb“, berichtet er. Der heute in Cottbus wohnende Kicker vermutet: „Da die Gründer alle Unternehmer waren, wollten sich diese irgendwann den Siegeskranz aufsetzen. Deshalb Corona.“ Zweck war „das Fußballspielen am hiesigen Orte zu fördern und bei Geselligkeit zu pflegen“ (§ 1 der Vereinssatzung). Mit dem Spielbetrieb ist im Jahr 1911 begonnen worden. Namhafte Mannschaften gaben sich zu Neupetershainer Sportfesten die Ehre. So z.B. „Hohenzollern“ Dresden oder Victoria 97 Cottbus. Der Fußball entwickelte sich gut, vorangetragen durch den Ausbau der Bahnstrecke Cottbus - Großenhain, verbunden mit der Ansiedlung vieler Unternehmer. Am 1. Januar 1912 betrug der Mitgliedsbestand im Club 32 aktive und 20 passive Sportler. Erster Vorsitzender war Herbert Hypko. uhd