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| 15:52 Uhr

Festtagsbrauch
Väterchen Frost und die weiße Frau

 Olga Hoffmann hat die Weihnachtsbräuche aus Kasachstan mit in die Spreewaldstadt Lübbenau genommen.
Olga Hoffmann hat die Weihnachtsbräuche aus Kasachstan mit in die Spreewaldstadt Lübbenau genommen. FOTO: LR / Daniel Preikschat
Lübbenau. Olga Hoffmann aus Kasachstan pflegt die russischen Weihnachtsbräuche mit ihrer Familie auch in Lübbenau.

Armes Schneeflöcken! Da springt es wie die anderen Mädchen auch durch das Feuer – und was passiert: „Sie verwandelte sich in ein dünnes Wölkchen, und als leichtes Dämpfchen flog sie zu den Wolken in den Himmel.“ Olga Hoffmann las das tragisch endende russische Märchen kürzlich in Senftenberg vor fast 50 Zuhörern bei einer Veranstaltung des Integrationsbeirates für den Landkreis. Die Lübbenauerin las auf Russisch und auf Deutsch. So wie auch die anderen Märchenerzähler auf Deutsch und in ihrer Muttersprache vorgelesen haben.

Olga Hoffmann hatte das Märchen passend zur Vorweihnachtszeit ausgewählt. Denn mit Schneeflöckchen, erzählt sie, hat es in Russland zu Weihnachten etwas Besonderes auf sich. Begleitet das Schneemädchen doch Väterchen Frost bei der Bescherung russischer Kinder. Erst am 31. Dezember gibt es dort die Geschenke. Das eigentliche Weihnachten feiert Olga Hoffmann mit ihrer Familie noch später, am 6. Januar. Dann erscheint der russischen Sage nach Koljada, die weiße Frau, und will ihren Brei aus Weizen und Reis mit Nüssen, Rosinen und Honig. Schmeckt er ihr, wird die Ernte gut.

Olga Hoffmann kam im Jahr 2000 aus Kasachstan nach Lübbenau. 25 Jahre war sie damals und ihr erster Sohn gerade einmal zwei Jahre alt. Auch in der Spreewaldstadt pflegt sie die russischen Bräuche, feiert mit ihrer Familie Weihnachten nie so, wie es die Deutschen tun. „Warum auch“, sagt sie. Die russischen Bräuche seien ihr vertraut und Teil ihrer Persönlichkeit. Auch in den anderen zehn Spätaussiedler-Familien in Lübbenau pflege man diese Traditionen und besuche sich beispielsweise an den  Weihnachtstagen gegenseitig.

Ihr älterer Sohn, heute 20 Jahre alt, glaubte an das russische Weihnachtsmärchen bis er zwölf oder 13 Jahre alt war, erinnert sich die Mutter. Er ist aufgewachsen mit der russischen Sprache, beherrscht Russisch und Deutsch gleichermaßen gut.

Die Frage, ob er mit seinen eigenen Kindern Weihnachten später einmal auf die russische oder auf die deutsche Art feiern wird, habe sie ihm auch schon gestellt, so Olga Hoffmann. Die Antwort: Das hänge davon ab, ob seine Frau Deutsche oder Russin sein wird – es bleibt also abzuwarten.