ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:32 Uhr

Unternehmer will Grundstück für Funkmast in Zerkwitz kaufen

Zerkwitzer Perspektiven im Blick aus Richtung Klein Beuchow: "Ja, wir fühlen uns bedroht. Gesundheitlich und ästhetisch." Die Behörden verweisen dagegen auf einzuhaltende Grenzwerte. Demnach bestehe keine Gefahr für die Gesundheit der Anwohner. Foto: Jan Gloßmann
Zerkwitzer Perspektiven im Blick aus Richtung Klein Beuchow: "Ja, wir fühlen uns bedroht. Gesundheitlich und ästhetisch." Die Behörden verweisen dagegen auf einzuhaltende Grenzwerte. Demnach bestehe keine Gefahr für die Gesundheit der Anwohner. Foto: Jan Gloßmann FOTO: Jan Gloßmann
Lübbenau. Keine Annäherung in der Sache, teils heftige Debatten – dadurch war der Informationsabend zum Funkmast in Zerkwitz gekennzeichnet. Das Angebot eines Unternehmers nährt ein wenig Hoffnung auf einen Standort-Wechsel. Jan Gloßmann

Mehr als drei Stunden haben sie gesessen, ausgeharrt, zugehört. Dann stehen Karsten und Elke Lewandowsky auf. Schlauer? Karsten Lewandowsky schürzt den Mund, lässt Luft ab, dass die Lippen flattern. "Wir wollten eigentlich nur sehen, wie er sich rausredet." Er, das ist Lübbenaus Bürgermeister Helmut Wenzel (parteilos), dem die Zerkwitzer in der Diskussion um den Mast für den Digitalfunk vorwerfen, gegen die Bürger zu agieren. Elke Lewandowsky sagt: "Wir sind vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Wir hatten keine großen Erwartungen, denn der Mast steht." Viele Zerkwitzer seien deshalb gar nicht erst in die Informations-Rund am Donnerstagabend ins Rathaus gekommen.

Wenzel sagt, man wolle mit der Runde die Diskussion versachlichen, Unsicherheiten ausräumen. Er gibt wiederholt zu, die jetzt aufkommenden Sorgen der Zerkwitzer unterschätzt zu haben. Gleichwohl habe es ein sauberes rechtsstaatliches Verfahren gegeben. Dass dieses unangreifbar scheint, das munkeln selbst die Leute aus der Zerkwitzer Bürgerinitiative.

Diese will einen anderen Standort: Geschäftsmann Rainer Roy bietet an, ein Grundstück - wohl am ehemaligen Kraftwerk - zu kaufen und der Stadt zu überlassen. Dort könne der Mast stehen und würde niemanden belästigen. Seine Glaubwürdigkeit macht Roy jedoch mit einer verbalen Entgleisung zunichte (siehe Text links).

Die Zerkwitzer wollen zudem wissen, wie es um gesundheitliche Belastungen steht. Im Internet finden sich Informationen zu allen möglichen Facetten.

Vom Brandenburger Aufbaustab des BOS-Funks ist unter anderen Jörg Vogler gekommen, der Projektleiter, eine Schramme an der Stirn, als habe er schon einige Bürger-Kämpfe hinter sich. Er spricht gern von "meinen Masten", als habe er insgesamt 139 Kinder über Brandenburg verstreut. Jetzt kümmert er sich um ihr Aufwachsen, unter anderem in Zerkwitz. Es seien vergleichsweise wenige Masten, daher müsse das Netz lückenlos und wie ein Wabenschema funktionieren - die Verschiebung von Masten sei äußerst schwierig. Die Standortwahl in Zerkwitz verteidigt er wie Wenzel als Kompromiss. Favorit des Aufbaustabes war ein Standort zwischen Luckauer Straße, L 49 und Rudolf-Breitscheid-Straße. Das Angebot von Rainer Roy werde er mitnehmen. Allerdings macht Vogler, der geduldig Zusammenhänge erklärt und manche Information vom Kopf auf die Füße stellt, auch klar: Für eine Umsiedlung des Standortes sehe er "wohl keine realistische Chance". Die Kosten lägen weit über 100 000 Euro, außerdem laufe die Zeit weg. Zudem bewege sich die Strahlung vom Mast mehr als deutlich unter den zulässigen Grenzwerten. "Wer tagtäglich ein Handy benutzt, muss sich über diesen Mast nicht erhitzen." Vom Altdöberner Bernhard Scherf - seines Zeichens alternativer Energetiker - nimmt er Material entgegen über Strahlung und ihre Auswirkungen. Es werde geprüft.