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| 16:12 Uhr

Innerstädtischer Brennpunkt
Unfrieden auf Vetschauer Friedhof

Der Eingang zum Vetschauer Friedhof. Immer häufiger wird er als Durchgang zum Bahnhof genutzt.
Der Eingang zum Vetschauer Friedhof. Immer häufiger wird er als Durchgang zum Bahnhof genutzt. FOTO: LR / Kuschy
Vetschau. Bisherige Maßnahmen der Stadt zur Verringerung des Durchgangsverkehrs bleiben erfolglos. Von Rüdiger Hofmann

Der von Ilse Hartmann aus Vetschau seit zwei Jahren beobachtete Durchgangsverkehr auf dem innerstädtischen Friedhof ebbt nicht ab. „Im Gegenteil“, schimpft die Anwohnerin, „es ist schlimmer geworden.“ Sie beobachtet zunehmend einen Pendelverkehr von Bürgern – vor allem mit Hunden – von einem Stadtviertel zum Bahnhof und zurück. Seit die aktuelle Fußballsaison begonnen hat, schlendern auch häufig Fans lautstark über den Ort der Besinnung und hinterlassen Müll. Für Ilse Hartmann und andere Anwohner unzumutbar. „Was hier abgeht, ist schlimmer als auf dem Markt“, so die Rentnerin.

Bereits im April hat sie gegenüber der RUNDSCHAU auf das Problem aufmerksam gemacht. Diese konfrontierte die Stadt mit dem Sachverhalt. „Es wurden seitdem auch Aushänge an die Türen gehängt, jedoch zum Teil wieder abgerissen“, sagt Hartmann. Sie versteht bis heute nicht, warum Vetschau einen Friedhof mit fünf Zugängen braucht, die Tag und Nacht geöffnet sind.

Das Thema wurde im Sozialausschuss am Montagabend erneut aufgegriffen. Eigentlich ging es im Rahmen der Friedhofsentwicklungsplanung um die Festlegung neuer Belegungszonen. Konkret stimmten alle Abgeordneten der Beschlussvorlage für einen Kernbereich zu, der dauerhaft zu erhalten ist. Außerdem einem Randbereich ohne Belegung; einem Außenbereich, der rückgebaut werden kann und einem Parkbereich. Auch ein Kirchenland mit angedachter Rückgabe gepachteter Grundstücke und einer Weiterführung der Belegung für Einwohner von Naundorf und Fleißdorf ist in der Vorlage verankert.

Bürgermeister Bengt Kanzler (parteilos) sprach von sich aus das „Querungsverhalten“ der Bürger zwischen dem einen Stadtviertel und dem Bahnhof an. „Wir haben seit einiger Zeit Hinweise angebracht und führen Kontrollen in bescheidenem Umfang durch“, sagt Kanzler. Mit ernüchterndem Erfolg. „Alles, was wir bisher versucht haben, hat am Querungsverhalten nichts geändert“, gibt die Stadtspitze zu.

Das – zumindest zeitlich auf einige Stunden beschränkte – Schließen von Türen sei laut Bürgermeister eine mögliche Lösung. Gleichzeitig ist ihm aber auch bewusst, „wenn wir einen Trampelpfad sperren, geht die Meinungsbildung in der Stadt los“. Uwe Jeschke (SPD) gibt zu bedenken: „Wenn ich Verbote durchsetzen will, muss ich diese auch kontrollieren.“ Zeitschaltuhren und Drehtüren werden im Ausschuss ebenfalls ins Gespräch gebracht. „Wir rechnen das mal durch, was es kosten würde“, sagt Kanzler. Fahrräder und Rollatoren müssten dann aber auch hindurchpassen.

Christiane Zimmermann schlägt vor, außen am Friedhofszaun einen Weg freizugeben, „damit die Leute nicht über das Areal, sondern am Friedhof entlanglaufen können“, so die sachkundige Einwohnerin. Diese Idee sei der Stadt bekannt, der Vorschlag werde geprüft.

Als kontraproduktiv wurde der angrenzende Parkbereich bewertet, der als eine der neuen Belegungszonen in der Friedhofsentwicklung eine Rolle spielen soll. „Einerseits denken wir über Schließzeiten auf dem Friedhof nach, andererseits über einen öffentlich zugänglichen Park“, weist Gunther Schmidt (CDU) auf den Widerspruch hin.